Home
http://www.faz.net/-h00-yutx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Folgen der Energiewende Stromspeicher werden benötigt

Das Abschalten der sieben alten Atommeiler bereitet keine Probleme. Es steht ausreichend gesicherte Leistung im deutschen Kraftwerkspark zur Verfügung. Doch überschüssiger Wind- und Sonnenstrom muss zwischengelagert werden.

© Getty images Vergrößern

Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie ist technisch möglich. Mit dieser Meldung reagierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Japan auf die Fragen, die von der deutschen Öffentlichkeit nach Katastrophen irgendwo auf der Welt gestellt werden: Sind wir betroffen? Gehen bei uns die Lichter aus? Kommt die aus den havarierten Reaktoren in Fukushima freigesetzte Radioaktivität nach Deutschland? Können wir beim Japaner um die Ecke noch Sushi essen?

Jetzt, einige Wochen später, hätte der bei der DLR für Energie und Verkehr zuständige Vorstand Professor Ulrich Wagner wahrscheinlich lieber eine differenziertere Antwort gegeben. Denn welche Fülle an Konsequenzen ein rascher Ausstieg aus der Kernkraft nach sich zieht, lässt sich in wenigen Zeilen nicht zusammenfassen. Doch mehr Platz stand in der kurz nach dem Horrorereignis verbreiteten Meldung nicht zur Verfügung. So hatte man sich auf wenige Kernbotschaften konzentriert: Das Abschalten von sieben Altanlagen bereite keine Probleme, stehe doch ausreichend gesicherte Leistung im deutschen Kraftwerkspark zur Verfügung. Und, wie es weiter heißt, Zukunftsszenarien des DLR hätten gezeigt, dass sich innerhalb eines Jahrzehnts alle (deutschen) Kernkraftwerke durch erneuerbare Energien und einen forcierten Ausbau von flexiblen Gaskraftwerken ersetzen ließen.

Mehr zum Thema

Durch das schnelle Abschalten der alten Meiler komme es kurzfristig allerdings zu einem Anstieg der jährlichen CO2-Emissionen in Höhe von 40 Millionen Tonnen - und zu höheren Stromerzeugungskosten. Damit sind die von der Bundesregierung formulierten Klimaziele gefährdet. Völlig illusorisch werde ihre Realisierung, wie Wagner sagt, wenn bis 2020 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollten. Denn dann stiege der jährliche CO2-Ausstoß um rund 100 Millionen Tonnen, was dem notwendigen vermehrten Verbrennen fossiler Brennstoffe, vor allem Kohle und Gas, geschuldet sei. Heute liegt die von deutschen Kraftwerken in die Atmosphäre geschickte CO2-Menge bei 280 Millionen Tonnen.

Ein kompletter Ausstieg bis 2020 sei nur möglich, wenn alle derzeit in Bau befindlichen (und geplanten), fossil befeuerten Wärme-Kraftwerke rechtzeitig ans Netz gingen. Und wenn der Ausbau der Windkraft zügig weiter ginge und der vor allem in Norddeutschland erzeugte Windstrom über neue oder verstärkte Hochspannungstrassen zu den Verbrauchern transportiert werden könnte.

„Illusorisch hoher“ Wert

Den in der Dena-Netzstudie genannten Ausbaubedarf von 3600 Kilometer hält Wagner für „illusorisch hoch“. Dieser Wert entspreche einem für einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien wünschenswerten Optimum, ging man doch bei der Definition dieser Zielmarke davon aus, dass man unter allen Umständen verhindern müsse, dass durch Engpässe im Netz auch nur eine einzige von einem Windrad erzeugte Kilowattstunde verlorengeht.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
EU-Energiepolitik Klima schonen, Russland schwächen

Die EU-Kommission will den Energieverbrauch bis 2030 um 30 Prozent senken - und droht mit neuen Auflagen für Haushaltsgeräte. Mehr

23.07.2014, 17:34 Uhr | Wirtschaft
Kommentar Was die Stahlindustrie drückt

Die deutsche Stahlindustrie ist leidgeplagt. In der Bevölkerung hat sie nicht mehr den Rückhalt, den sie verdient. Mehr

25.07.2014, 11:48 Uhr | Wirtschaft
Energiewende in Hessen Ausbau der Windkraft „unverzichtbar“

Hessen will von Kohle und Öl unabhängig werden - und setzt dabei auf die Windkraft als Motor. Kritiker des Ausbaus haben aus Sicht des Grünen-Wirtschaftsministers Al-Wazir die falschen Argumente. Mehr

15.07.2014, 16:28 Uhr | Rhein-Main

Anmaßung des DFB

Von Peter Sturm

Bremen wird die Austragung eines Qualifikationsspiels zur Fußball-EM entzogen. Der größte Sportverband der Welt meint offenbar, staatliche Institutionen seien ihm untertan. Mehr 10

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden