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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Folgen der Energiewende Stromspeicher werden benötigt

Das Abschalten der sieben alten Atommeiler bereitet keine Probleme. Es steht ausreichend gesicherte Leistung im deutschen Kraftwerkspark zur Verfügung. Doch überschüssiger Wind- und Sonnenstrom muss zwischengelagert werden.

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Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie ist technisch möglich. Mit dieser Meldung reagierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Japan auf die Fragen, die von der deutschen Öffentlichkeit nach Katastrophen irgendwo auf der Welt gestellt werden: Sind wir betroffen? Gehen bei uns die Lichter aus? Kommt die aus den havarierten Reaktoren in Fukushima freigesetzte Radioaktivität nach Deutschland? Können wir beim Japaner um die Ecke noch Sushi essen?

Georg Küffner Folgen:  

Jetzt, einige Wochen später, hätte der bei der DLR für Energie und Verkehr zuständige Vorstand Professor Ulrich Wagner wahrscheinlich lieber eine differenziertere Antwort gegeben. Denn welche Fülle an Konsequenzen ein rascher Ausstieg aus der Kernkraft nach sich zieht, lässt sich in wenigen Zeilen nicht zusammenfassen. Doch mehr Platz stand in der kurz nach dem Horrorereignis verbreiteten Meldung nicht zur Verfügung. So hatte man sich auf wenige Kernbotschaften konzentriert: Das Abschalten von sieben Altanlagen bereite keine Probleme, stehe doch ausreichend gesicherte Leistung im deutschen Kraftwerkspark zur Verfügung. Und, wie es weiter heißt, Zukunftsszenarien des DLR hätten gezeigt, dass sich innerhalb eines Jahrzehnts alle (deutschen) Kernkraftwerke durch erneuerbare Energien und einen forcierten Ausbau von flexiblen Gaskraftwerken ersetzen ließen.

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Durch das schnelle Abschalten der alten Meiler komme es kurzfristig allerdings zu einem Anstieg der jährlichen CO2-Emissionen in Höhe von 40 Millionen Tonnen - und zu höheren Stromerzeugungskosten. Damit sind die von der Bundesregierung formulierten Klimaziele gefährdet. Völlig illusorisch werde ihre Realisierung, wie Wagner sagt, wenn bis 2020 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollten. Denn dann stiege der jährliche CO2-Ausstoß um rund 100 Millionen Tonnen, was dem notwendigen vermehrten Verbrennen fossiler Brennstoffe, vor allem Kohle und Gas, geschuldet sei. Heute liegt die von deutschen Kraftwerken in die Atmosphäre geschickte CO2-Menge bei 280 Millionen Tonnen.

Ein kompletter Ausstieg bis 2020 sei nur möglich, wenn alle derzeit in Bau befindlichen (und geplanten), fossil befeuerten Wärme-Kraftwerke rechtzeitig ans Netz gingen. Und wenn der Ausbau der Windkraft zügig weiter ginge und der vor allem in Norddeutschland erzeugte Windstrom über neue oder verstärkte Hochspannungstrassen zu den Verbrauchern transportiert werden könnte.

„Illusorisch hoher“ Wert

Den in der Dena-Netzstudie genannten Ausbaubedarf von 3600 Kilometer hält Wagner für „illusorisch hoch“. Dieser Wert entspreche einem für einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien wünschenswerten Optimum, ging man doch bei der Definition dieser Zielmarke davon aus, dass man unter allen Umständen verhindern müsse, dass durch Engpässe im Netz auch nur eine einzige von einem Windrad erzeugte Kilowattstunde verlorengeht.

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