Home
http://www.faz.net/-gpf-7h7zq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Folgen der Energiewende Strom wird noch teurer - EEG-Umlage steigt massiv

Die Sonne scheint und an der Börse kostet Strom immer weniger: Verbraucher werden im kommenden Jahr deutlich mehr Ökostrom-Umlage zahlen. Experten fordern dringend eine Reform.

© dapd Strom wird noch teurer, wenn die Sonne besonders häufig scheint

Die Ausgaben für die Förderung des Ökostroms der Verbraucher steigen noch stärker als zuletzt berechnet. Nach Zahlen der Netzbetreiber, die wird die sogenannte EEG-Umlage im kommenden Jahr um mehr als ein Cent pro Kilowattstunde steigen. Die Denkfabrik Agora-Energiewende berechnete auf Basis der Daten einen Anstieg der Umlage von 6,49 Cent auf den Rechnungen der Verbraucher. Derzeit beträgt sie knapp 5,3 Cent.

Damit könnten die Strompreise für Haushalte im nächsten Jahr um gut vier Prozent steigen. Der Gesamt-Strompreis liegt jetzt bei etwa 28 Cent je Kilowattstunde. Die neuen Daten zur Umlage sind die letzten, die vor der Bundestagswahl veröffentlicht werden.

Für die Berechnung der Umlage für das kommende Jahr fehlt jetzt nur noch der Monat September. Im Oktober geben dann die Netzbetreiber die endgültige Umlage für 2014 bekannt. Durchaus möglich ist aber auch, dass die Umlage noch stärker steigt - auf mehr als 7 Cent, wie die Frankfurter Allgemein Zeitung vor einiger Zeit berichtete. Experten, die auch die Regierung beraten, verlangen längst einen Kurswechsel. „Die Monopolkommission empfiehlt eine radikale Umsteuerung“, sagte ihr Vorsitzender Daniel Zimmer. Die Förderung müsse durch ein effizientes System mit Mengensteuerung ersetzt werden. Danach sollen den Versorgern steigende Ökostrom-Quoten vorgegeben werden. Diese müssten Ökostrom dann entweder selbst erzeugen oder von Produzenten kaufen. Somit gebe es auch mehr Wettbewerb um die günstigste
Erzeugungsart, sagte der Kommissionsvorsitzende Zimmer.

Hilft der sinkende Börsenstrompreis?

Grund für den weiteren Anstieg der EEG-Umlage ist der sonnenreiche Sommer. Außerdem machen sich die nach wie vor fallenden Börsenstrompreise bemerkbar: Die Umlage wird als Differenz zwischen den garantierten Ökostrom-Abnahmetarifen und dem Börsenstrompreis berechnet. Fällt der Börsenpreis, steigt die Umlage. Das Förderkonto der Netzbetreiber für die erneuerbaren Energieträger rutschte im August gegenüber Juli weiter ins Minus - das Defizit beträgt jetzt rund 2,3 Milliarden Euro. Es muss so durch eine höhere Umlage im nächsten Jahr ausgeglichen werden.

Sollten die Versorger die Umlagen-Erhöhung an die Verbraucher voll weitergeben, würde der Strompreis inklusive Mehrwertsteuer um gut vier Prozent steigen. Inwieweit die sinkenden Börsenpreise weitergegeben werden könnten, ist demgegenüber nicht sicher.

Nach der Wahl kommt die EEG-Reform

Nicht klar ist auch, wie die Politik agiert. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel wie auch der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück äußerten gerade erst, dass sie direkt nach der Wahl das EEG reformieren wollen mit dem Ziel, Strom für Verbraucher nicht noch teurer werden zu lassen. Oder wenigstens den Preisauftrieb abzubremsen. Wie genau das geschehen soll, ist aber noch nicht detailliert bekannt. Erwogen werden könnten beispielsweise weniger Ausnahmen oder Steuersenkungen.

Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) forderte die Bundespolitiker zudem auf, die Energiewende langsamer zu vollziehen und sich mehr mit den europäischen Partnerländern abzusprechen. Er wirbt außerdem schon länger dafür, die umstrittene Schiefergas-Förderung (Fracking) für Deutschland nicht auszuschließen. Sie könne dabei helfen, Energie billiger zu machen - Oettinger klagte dabei darüber, dass die Energiekosten in den Vereinigten Staaten deutlich geringer sind als in Europa und dies entsprechende Wettbewerbsnachteile für die heimische Industrie bedeute.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Energiewende Versorger wollen immer mehr Kraftwerke abschalten

Wegen der Energiewende wollen Deutschlands Stromkonzerne offenbar immer mehr konventionelle Kraftwerke abschalten: Nun sind es wohl schon 57. Und eine Milliardenzahl macht die Runde. Mehr

24.08.2015, 07:44 Uhr | Wirtschaft
Energiewende Wieviel kostet sie wirklich?

Um den Strom aus den neuen Offshore-Windparks von Nord nach Süd zu transportieren, sind gewaltige Investitionen nötig – bis zu 4500 Kilometer Stromnetze müssen gebaut werden, geschätzte Kosten: rund 28 Milliarden Euro. Mehr

05.03.2015, 10:03 Uhr | Wirtschaft
Tarek Al-Wazir Wir sind noch nicht so weit, wie wir wollen

Windräder nur an der Waterkant? So soll es nicht sein, sagt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen. Und fordert eine Quote für küstenferne Bundesländer. Mehr

17.08.2015, 18:44 Uhr | Rhein-Main
Schnecke Europas In Deutschland lahmt der Netzausbau

Schnelles Internet - Fehlanzeige. Beim Ausbau des Glasfasernetzes hinkt Deutschland in Europa hinterher. Schlecht für den Wirtschaftstandort, er droht abgehängt zu werden. Jetzt sollen Netzbetreiber wie Vodafone und Inexio es richten und einen Großteil der milliardenschweren Investitionen stemmen. Mehr

21.03.2015, 10:17 Uhr | Wirtschaft
Weitere Nachrichten Chinas Zentralbank bereitet Konjunkturstützung vor

Der DIHK senkt seine Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft, Dänemark erhöht die Defizitschätzung. Die deutsche Rentenversicherung braucht immer höhere Zuschüsse aus Steuermitteln. Mehr

24.08.2015, 06:56 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 05.09.2013, 13:57 Uhr

Eine Gemeinschaftsaufgabe

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Dutzenden Toten in einem Schlepperlaster nahe Wien sind eine beklemmende Mahnung, kriminellen Schleuserbanden das Handwerk zu legen. Es bedarf einer europäischen Antwort auf die Flüchtlingskrise. Die Balkan-Transitländer sind überfordert. Mehr 9

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden