Home
http://www.faz.net/-h00-77225
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Erstmals seit vielen Jahren Deutschland stößt wieder mehr Klimagase aus

Deutschlands Klimagasemissionen sind 2012 erstmals seit vielen Jahren wieder gestiegen. Darauf deuten die vorläufigen Zahlen hin, wie Umweltminister Peter Altmaier im F.A.Z.-Interview sagte.

© dpa Vergrößern Ein Braunkohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen

Die Klimagasemissionen sind in Deutschlands sind im vergangenen Jahr erstmals seit vielen Jahren wieder gestiegen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Darauf deuten die vorläufigen Zahlen hin.“

Andreas Mihm Folgen:  

Altmaier zeigte sich besorgt drüber, dass in deutschen Kraftwerken wieder mehr  Braun- und Steinkohle zur Stromerzeugung eingesetzt worden sei. Das sei auch eine Folge des niedrigen Kohlepreises auf dem Weltmarkt. Das führt in Deutschland dazu, dass die Erzeugung von Elektrizität aus Kohle wieder deutlich zugenommen habe, zu Lasten der Stromproduktion durch Gas. „Das kann uns nicht gleichgültig sein, weil es die Erfüllung unserer Klimaziele gefährdet“, sagte Altmaier in dem Gespräch, das am Mittwoch erscheint.

Altmaier will EEG-Umlage deckeln © dapd Vergrößern Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

In dem Gespräch schloss Altmaier das Suchen nach Öl und Gas in tiefen Gesteinsschichten mit dem sogenannten Fracking-Verfahren faktisch aus.  Er werde gemeinsam mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein Gesetz vorlegen, das Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbiete und im Übrigen Umweltverträglichkeitsprüfungen vorschreibe. „Derzeit sehe ich nirgendwo in Europa die Vertretbarkeit von Fracking. Das gilt auch für Deutschland“, sagte Altmaier.

Parlamentsausschuss schlägt Verknappung der Emissionsrechte vor

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich derweil für eine künstliche Verknappung der Emissionsrechte in der EU ausgesprochen. Damit hat der umstrittene Vorschlag, mit dem EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard den seit langem schwächelnden Emissionsrechtepreis anheben will, eine wichtige Hürde genommen. Die Europaabgeordneten sprachen sich am Dienstag in Brüssel mit klarer Mehrheit dafür aus, die Versteigerung von 900 Millionen Zertifikaten aus dem Zeitraum 2013 bis 2015 auf 2019 und 2020 zu verschieben. Dagegen votierten Konservative und Liberale.

Mehr zum Thema

Hedegaard hatte sich im November für die Verschiebung der Versteigerung ausgesprochen. Sie hatte damit auf den anhaltend niedrigen Preis für Emissionsrechte reagiert. Der Preis für eine Tonne Kohlendioxid hatte zuletzt immer neue Tiefstände erreicht. Am Dienstag lag er klar unter 5 Euro. Nach Ansicht von Kommission und Klimaschützern müsste der Emissionspreis zwischen 25 und 30 Euro liegen, damit sich für die Industrie Investitionen in treibhausgasarme Technik rechnen.

Altmaier: Chancen auf Endlagergesetz-Einigung

Im F.A.Z-Interview sagte Umweltminister Altmaier, er sehe ungeachtet der strikten Ablehnung des Standortes Gorleben durch die neue rot-grüne Regierung in Niedersachsen weiter Chancen für eine Einigung im Parteienstreit um das Endlagersuchgesetz für hochradioaktiven Atommüll. Es komme nun auf die Verhandlungsführer von SPD und Grünen an, sagte er. „Wenn Sigmar Gabriel, Jürgen Trittin und (Baden-Württembergs Ministerpräsident) Winfried Kretschmann weiterhin zu dem stehen, was sie bisher gesagt haben, sind die Chancen für eine Einigung vorhanden“, sagte Altmaier. Die neue Landesregierung in Hannover will verhindern, dass der bisher einzige Standort Gorleben weiter auf seine Eignung erkundet wird.

Quelle: F.A.Z. / ami. mit hmk.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Grünen-Parteitag in Niedersachsen Abgefrackt

Beim Parteitag der niedersächsischen Grünen in Walsrode führt die Basis die Parteiführung vor. Sie verpflichtet die Parteispitze auf ein kategorisches Verbot von Fracking - und des Imports gefrackter Energieträger. Mehr Von Reinhard Bingener, Walsrode

18.10.2014, 21:04 Uhr | Politik
Debatte um Schiefergasförderung

In Amerika ist die Schiefergasgewinnung eine Erfolgsgeschichte. Doch in Deutschland sind die Bedenken groß. Die Regierung will bald ein Gesetz zum Gas-Fracking vorlegen. Mehr

01.07.2014, 13:09 Uhr | Politik
Radioaktiver Abfall RWE klagt gegen Schließung von Gorleben

Das Endlagersuchgesetz des Bundes sieht vor, dass keine Castor-Behälter mit wiederaufbereitetem Atommüll aus Frankreich oder Großbritannien mehr nach Gorleben gebracht werden. Der Energiekonzern RWE hofft auf Entschädigung. Mehr

17.10.2014, 18:43 Uhr | Wirtschaft
An Pfingsten wird es super-heiß

Der Deutsche Wetterdienst sagt für das lange Wochenende Sonne und Temperaturrekorde für ganz Deutschland voraus. Mehr

06.06.2014, 18:33 Uhr | Aktuell
Ärgerliche Wähler Aufstand der bösen Männer

Wer in diesem Land Fracking oder die grüne Gentechnik verteidigt, muss mit aggressiven Reaktionen rechnen. Die kommen oft von Vorruheständlern ohne Kinder - aber mit viel Bildung. Mehr Von Winand von Petersdorff

12.10.2014, 11:38 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.02.2013, 18:25 Uhr

Keine neuen Dschihadisten-Gesetze

Von Reinhard Müller

Hunderte Dschihad-Reisende und Krawalle in den Städten rufen nicht unbedingt nach neuen Gesetzen - wohl aber zum Handeln auf. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden