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Energiewende Die Ökostrom-Lobbyisten

Die Ökostrom-Förderung hat eine große Koalition von Profiteuren geschaffen. Das Geld machte aus einem Projekt der Ökos eines der Besitzstandswahrer - und aus Investoren Überzeugte.

© Pilar, Daniel Vergrößern Obenauf: Zuerst kämpfte Johannes Lackmann gegen Atomkonzerne, heute macht er mit seinen Bürgerwindparks gute Geschäfte

Die Energiewende ist angekommen in den Herzkammern des Kapitalismus. Manfred Kittelmann, „Managing Director“ der Renewable Energy Capital Partners GmbH, empfängt im Frankfurter Westend-Carree, einem Bürokomplex im Schatten der Bankentürme. Kittelmann, großgewachsen, grauer Anzug, hat das Unternehmen Anfang des Jahres mit seinem Geschäftspartner Peter Brumm gekauft. Management-Buyout heißt so ein Kauf im Vokabular der Geschäftsleute. Die Investoren haben in den vergangenen beiden Jahren nach eigenen Angaben knapp eine halbe Milliarde Euro in sieben Solarparks investiert. Das größte Projekt der Frankfurter ist der Solarpark Finow in Brandenburg. Mit 60 Megawatt Leistung gehörte er zu den größten in Europa. „2011 war in Deutschland die Gelegenheit günstig, in Photovoltaik zu investieren“, sagt Kittelmann.

Johannes Pennekamp Folgen:  

Er legt nicht sein eigenes Geld an. Das Eigenkapital für die Großprojekte liefern Versicherungen, die auf Rendite hoffen, und der Rest kommt von Banken. Zehn verschiedene Versicherungsgruppen stecken hinter den Fonds, welche es genau sind, verrät Kittelmann nicht. Das Geschäftsmodell des 50 Jahre alten Investors wirft ein Schlaglicht auf das, was die Energiewende mittlerweile ist: ein gigantisches Geschäft, eine Förder- und Umverteilungsmaschinerie, die allein in diesem Jahr mehr als 20 Milliarden Euro ausschüttet. Sie schafft unzählige Profiteure, die direkt oder indirekt Ökostromsubventionen kassieren und wenig Interesse daran haben, dass sich daran etwas ändert.

Der Wunsch nach Rendite hält die Energiewende in Schwung. Durch ein weitverzweigtes System rinnt die Ökostromförderung und landet auch da, wo man es nicht zuerst vermutet. Denn an Kittelmanns Solarparks verdienen nicht nur sein Unternehmen, die Solaranlagenbauer und die Versicherungskonzerne. Auch Hunderttausende Versicherte, die vielleicht eine Unfallversicherung abgeschlossen haben, eine Riesterrente oder eine Police gegen Hochwasser besitzen. Das Ausmaß der Geldanlagen in der Ökostrombranche ist groß: Allein Europas größter Versicherer Allianz hatte im vergangenen Jahr im Bereich der erneuerbaren Energien 1,3 Milliarden Euro investiert. Hinzu kam noch einmal eine Milliarde für Energie-Infrastruktur, darunter ein umfangreiches Engagement im norwegischen Gasnetz. Die Munich Re, der größte Rückversicherer der Welt, plant diese Investments auf der Welt bald auf 2,5 Milliarden Euro zu verdoppeln.

Ein Lobbyist, der einst auf die Barrikaden ging

Johannes Lackmann, der umtriebige Geschäftsführer der Westfalenwind GmbH, hätte nicht gedacht, dass die Entwicklung so schnell gehen würde - dass das einstige Ökoprojekt in kurzer Zeit zum Milliardengeschäft wird.

Lackmann, heute 62 Jahre alt, ist keiner aus der Welt des Geldes. Der sportliche Mann war einst in Brokdorf gegen die Atomkraftwerke auf die Barrikaden gegangen, dort wollten sie den Energiemarkt „redemokratisieren“, den mächtigen Atomkonzernen etwas entgegensetzen. Mitte der neunziger Jahre begann der Paderborner dann mit Gleichgesinnten in seiner Heimat damit, Bürgerwindparks zu bauen. Die Szene der Ökos und Tüftler, die in dieser Zeit auf Energie aus Sonne und Wind gesetzt haben, war klein. Man kannte sich. Manche sind auf die Nase gefallen und haben ihr Geld verloren. Und andere haben Karriere gemacht, so wie Lackmann - oder der Windkraftanlagenbauer Aloys Wobben. Schon 1984 gründete der seinen Betrieb, heute setzt er mit der Enercon GmbH Milliarden um.

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