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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.10.2012, 17:30 Uhr

Energiewende Der Triumph der Planwirtschaft

In Riesenschritten wird Deutschland zum Ökostromland - dank exzessiver Förderung. Doch bald weiß man nicht mehr, wohin mit dem grünen Strom. Es droht Verstopfung auf der Autobahn.

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© Getty Images/Flickr RF Der Wind, der Wind. Das himmlische Kind

Niemand kann heute noch behaupten, Deutschland betreibe den Ausbau der erneuerbaren Energien zögerlich. Mit grimmiger Entschlossenheit wird die Energielandschaft umgestaltet. Keine andere Industrienation hält bei diesem Tempo mit. Im Jahr 2020, so war das alte Ziel, sollten Wind, Wasser, Sonne und Biomasse 35 Prozent des Strombedarfs decken. „Das Ziel wird aller Voraussicht nach übererfüllt“, meldet das Bundesumweltministerium. 40 Prozent gibt Umweltminister Peter Altmaier jetzt als Losung aus.

Winand von Petersdorff-Campen Folgen:

„Plan übererfüllt“ ist eine zumindest Sowjetbürgern vertraute Diktion. Tatsächlich erlebt die Planwirtschaft gut zwanzig Jahre nach ihrer Abwicklung ihren größten Triumph auf deutschem Boden - dank der Energiewende. Denn die Ziele der Bundesregierung werden zwingend übertroffen. Schon voriges Jahr deckte grüner Strom in Deutschland 20 Prozent des Verbrauchs, dieses Jahr sind es 25 Prozent.

In Hinterzimmern befreien lassen

Inzwischen sind im von Sonnenschein nur mäßig gesegneten Deutschland 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen installiert, ungefähr 40 Prozent aller Anlagen der Welt. Mit rund 23.000 Windrädern sind wir ebenfalls Spitzenreiter hinter den Flächengiganten China und den Vereinigten Staaten. Dazu kommen 7500 Biogasanlagen. In keinem anderen Land der Welt stehen mehr. Das hat seinen Preis: Die Ökoumlage, mit der vor allem die privaten Haushalte die Energiewende bezahlen, steigt auf brutto 6,3 Cent je Kilowattstunde. Die Großverbraucher aus der Industrie schweigen dazu: Sie haben sich in den Hinterzimmern des politischen Berlin von der Ökoumlage befreien lassen.

Zu verdanken ist der Triumph einer mit Geldgeschenken aufgepeppten Planwirtschaft. Zentral geplant wurde die Höhe und die Dauer der finanziellen Anreize und die zu fördernde Technik: Windräder, Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerke oder Anlagen, die Biomasse zu Strom machen.

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Bei der Menge der Anlagen aber verließen sich die Planer zu Recht auf die Anziehungskraft garantierter Geldgeschenke: Die Betreiber der Ökostrom-Anlagen bekommen für 20 Jahre einen fixen Strompreis und dazu das Privileg, dass jede produzierte Kilowattstunde ihnen von den Stromnetzbetreibern abgenommen werden muss. Die Garantiepreise liegen deutlich über den Preisen von Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Dank dieser garantierten Erlöse blüht in Deutschland die grüne Stromwirtschaft. „Eine Explosion der Produktion war ganz unvermeidlich“, sagt der Magdeburger Umweltökonom Joachim Weimann. Dreistellige Milliardenerträge fließen: Keine Branche hätte bei diesem Geldsegen ihre Blüte vermeiden können.

Das Produktionsregime setzt ein altes Prinzip der Elektrizitätswirtschaft außer Kraft. Früher richtete sich die Produktion nach dem Verbrauch. Es wurde genau das generiert, was auch abgenommen wurde. Das musste so sein: Strom kann man schlecht speichern.

Verstopfung auf der Stromautobahn

Heute bestimmt nicht mehr nur die Nachfrage das Angebot, sondern Wind und Sonne. Geht ein steifer Wind und die Sonne scheint gleichzeitig, dann kommt mehr Strom in die Leitungen als gefragt ist. Dann drosseln die Netzbetreiber Kohle- und Gaskraftwerke herunter, um einen Blackout zu verhindern: Die konventionellen Kraftwerke dürfen weniger Strom liefern, als sie könnten. Und wenn ganz viel Wind hereinkommt, müssen inzwischen selbst Windparks vom Netz genommen werden. Sie werden aber trotzdem vom Verbraucher bezahlt.

Am stärksten spürt die Firma „50Hertz“ die Anspannung. Sie managt das Hochspannungsleitungsnetz in Ostdeutschland. Hier ballen sich inzwischen die Windräder. 2010 griff „50Hertz“ gerade sechsmal ins Netz ein, um dessen Stabilität zu sichern vor zu viel Wind, 2011 waren es 45 Mal, und in diesem Jahr summiert sich die Zahl der Eingriffe schon heute auf 53. Und der windreiche Herbst steht noch bevor.

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