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Energiewende : Alstom soll Windpark anbinden

Bekommt bald einen neuen Nachbarn: Der im Ausbau befindliche Windpark BARD Offshore 1 Bild: dpa

Der Netzbetreiber Tennet vergibt einen Auftrag für mehr als eine Milliarde Euro: Der französische Konzern Alstom soll ein Hochsee-Umspannwerk inklusive Transport-Leitungen in der Deutschen Bucht bauen.

          Der Ausbau der Stromerzeugung in der Deutschen Bucht wird mit einem neuen Milliardenprojekt vorangetrieben. Der deutsch-niederländische Netzbetreiber Tennet beauftragte am Dienstag den französischen Technologiekonzern Alstom als Generalunternehmer mit dem schlüsselfertigen Bau eines Hochsee-Umspannwerks und der Leitungen zum Transport von bis zu 900 Megawatt Strom an Land. Der Auftrag mit einem Volumen „von mehr als einer Milliarde Euro“ soll bis 2017 abgearbeitet sein.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Für Alstom ist es der erste Auftrag dieser Art. Bisher waren die Konkurrenten ABB dreimal und Siemens viermal zum Zuge gekommen. Teils gibt es bei diesen Projekten aber erhebliche Verspätungen. Der Geschäftsführer der in Bayreuth ansässigen Tennet TSO GmbH, Lex Hartman, wies darauf hin, Tennet schaffe mit seinen Projekten die Voraussetzungen dafür, 6.200 Megawatt Windstrom - das entspricht der Leistung fünf großer Atomkraftwerke - in das Netz einzuspeisen. Man wende dafür alles in allem mehr als 7 Milliarden Euro auf. Doch würden die vorhandenen und geplanten Netzkapazitäten nur zu einem Bruchteil genutzt.

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          Bei dem neuen Projekt Dolwin 3 beispielsweise sei nur für einen Windpark mit einer Kapazität von 277 Megawatt die Investitionsentscheidung gefallen. Da die Planungen für die Windstromerzeugung weit darüber hinausgingen, müsse Tennet eine mehr als dreimal so große Kapazität bereitstellen und finanzieren. Die Kosten werden allerdings auf die Stromverbraucher umgelegt. Hartman warf die Frage auf, ob der Ausbau der Meereswindparks mit einer Kapazität von 11000 Megawatt realistisch sei und was das für den weiteren Netzausbau bedeute.

          Dem Staatsunternehmen Tennet, welches das Stromnetz von Eon gekauft hat, war in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen worden, es verfüge nicht über genügend Kapital, um den Netzausbau voranzutreiben. Erst vor wenigen Monaten hatte sich der japanische Investor Mitsubishi Corp. mit 576 Millionen Euro an vier Ausbauprojekten von Tennet beteiligt. Hartman sagte nun, die Finanzierung des neuen Projekts durch Eigenkapital und Kredite habe seit einem Jahr festgestanden. Für zwei weitere Anbindungen, Borwin 3 und 4, solle in den kommenden Monaten die Investitionsentscheidung fallen.

          An der Ausschreibung will sich auch die deutsche Tochtergesellschaft von Alstom wieder beteiligen. Der Vorstandsvorsitzende Alf Hendry Wulf nannte den Zuschlag für Dolwin 3 „unglaublich wichtig“. Damit baue der Konzern erstmals eine Leitung für eine sogenannte Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) auf hoher See. Die HGÜ-Technik ermöglicht, anders als die klassische Wechselstromtechnik, einen weitgehend verlustfreien Transport großer Mengen Stroms über weite Strecken. Alstom sieht sich in der Technologie weltweit führend.

          Das Kabel für die 162 Kliometer lange Strecke kauft Alstom von der in Italien beheimateten Prysmian Group, die den Auftragswert auf 350 Millionen Euro beziffert. Prysmian ist neben ABB der einzige Hersteller solcher Kabel. Die Plattform für die Konverterstation baut die Nordic Yards Wismar GmbH für schätzungsweise 330 Millionen Euro.

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