Home
http://www.faz.net/-h00-78jr2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Energiekosten Kanzleramt gibt Strompreisbremse auf

Haushalte und Mittelständler können vor der Bundestagswahl nicht mehr mit einer Dämpfung der Strompreise rechnen. Das Kanzleramt erklärte am Samstag das Aus für die sogenannte Strompreisbremse. Die nötige Einigung zwischen Bund und Ländern sei gescheitert.

© dpa Vergrößern Hochspannungsleitungen in Oberfranken

„Die Gespräche der Chefs der Staatskanzleien mit der Bundesregierung haben gezeigt, dass ein Konsens vor der Bundestagswahl nicht mehr erreichbar ist“, sagte eine Regierungssprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. Ein für nächste Woche vorgesehenes Treffen zwischen Kanzleramt und den Staatskanzleichefs einiger Bundesländer war nach Angaben aus Regierungskreisen zuvor abgesagt worden.

Nach zahlreichen Gesprächsrunden war Umweltminister Peter Altmaier bereits im März damit gescheitert, die notwendige Einigung zwischen Bund und Ländern herbeizuführen. Kanzlerin Angela Merkel hatte daraufhin zwar angekündigt, das Kanzleramt werde nun die Gespräche bis Mai weiterführen. Zugleich hatte sie zurückhaltend zu den Chancen auf eine Einigung geäußert.

Infografik / Die EEG-Umlage für die erneuerbaren Energien und der Strompreis © F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung seit dem Jahr 2000

Die Regierung war auf die Unterstützung von SPD und Grünen angewiesen, um eine Preisbremse durch den Bundesrat zu bringen. Ziel von Altmaier war es, die Umlage von knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde für die Ökostrom-Förderung durch die Haushalte stabil zu halten. Neben Kürzungen bei den erneuerbaren Energien sollte die Industrie sich die Lasten der Energiewende stärker mit den Haushalten teilen. Altmaier hatte gesagt, er rechne nach derzeitigem Stand ohne Gegenmaßnahmen zum Jahreswechsel mit einem weiteren Anstieg der Umlage, die auf die Rechnungen der Haushalte aufgeschlagen wird.

SPD macht Regierung für das Scheitern verantwortlich

Die SPD machte die Regierung für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. „Das eigentliche Problem ist, dass die Regierung selbst sich nicht einig ist“, sagte Fraktionsvize Ulrich Kelber der Nachrichtenagentur Reuters. „Jetzt versucht sie einen allgemeinen politischen Streit mit der Opposition daraus zu machen, um in der Energiepolitik nicht abgestraft zu werden.“

Was kostet der Strom im Haushalt? Energieverbrauch: Was kostet der Strom im Haushalt? © F.A.Z. Interaktiv 

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte das endgültige Aus eine gute Nachricht. Allein die Ankündigung der Pläne habe die Branche der Erneuerbaren Energien verunsichert und Investitionen in Milliardenhöhe gefährdet. Zum ersten Mal seit zehn Jahren würden so auch die Beschäftigtenzahlen in der Industrie sinken. „Schwarz-Gelb kann keine Energiewende“, sagte Trittin, der auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl ist.

Erste Gesprächsrunden zu Beginn des Jahres hatten bereits gezeigt, dass es sowohl zwischen den Ländern als auch zwischen den Bundesparteien erhebliche Streitpunkte gibt: Die SPD hatte etwa auf Erleichterungen bei der Stromsteuer gedrängt, was bei Merkel aber auf Ablehnung stieß. SPD und Grünen lehnten zudem starke Einschnitte bei der Ökostrom-Förderung ab, hatten aber auch unterschiedliche Vorstellungen für eine Mehrbelastung der Industrie. Große Stromverbraucher sind derzeit von der Umlage fast vollständig befreit, um sie im internationalen Wettbewerb zu schützen.
 

Quelle: RTR

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Große Koalition Gabriel will sich von Merkel nicht beschimpfen lassen

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel weist Angriffe der Bundeskanzlerin auf die Sozialdemokraten wegen des rot-roten Bündnisses in Thüringen zurück. Merkel hatte von einer Bankrotterklärung gesprochen. Mehr

14.12.2014, 10:48 Uhr | Politik
BDI statt Klimagipfel

Die Grünen kritisieren, dass die Bundeskanzlerin lieber die Jahrestagung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie besucht, statt zum Klimagipfel in New York zu reisen. Derweil betont Angela Merkel Bundeskanzlerin die Flexibilität des Europäischen Wettbewerbs. Mehr

23.09.2014, 22:34 Uhr | Politik
Sigmar Gabriel Der neue Genosse der Bosse

Sigmar Gabriel ist der Einzige im Kabinett, der an die Industrie denkt. Von den Wählern wird es ihm bislang nicht gedankt. Mehr Von Ralph Bollmann

25.12.2014, 15:03 Uhr | Wirtschaft
Energiewirtschaft Radikaler Umbau bei Eon

Der Energiekonzern Eon stößt unter dem Druck der Energiewende seine Atom- und Kohlekraftwerke in eine neue Gesellschaft ab. Stattdessen will sich das Unternehmen auf das Geschäft mit Ökostrom konzentrieren. Mehr

01.12.2014, 14:49 Uhr | Wirtschaft
Volker Bouffier im Interview Wir lernen voneinander

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) spricht über knapp ein Jahr schwarz-grüne Koalition in Hessen, das Terminal 3 am Flughafen, die Energiewende und seinen neuen Kollegen Bodo Ramelow. Mehr

26.12.2014, 08:00 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.04.2013, 12:54 Uhr

Geister vom rechten Rand

Von Daniel Deckers

Der interne Streit der Union über „Pegida“ lenkt davon ab, dass sich die Partei bis jetzt noch nicht vernünftig mit den Argumenten dieser Bewegung auseinandergesetzt hat. Mehr 35 16

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden