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Veröffentlicht: 16.12.2012, 15:27 Uhr

Eigene Stromversorgung Immer mehr Betriebe erzeugen ihren Strom selbst

Die Zweifel an der Versorgungssicherheit mehren sich: Die Unternehmen in Deutschland sehen die Energiewende „sehr skeptisch“. Vor allem in mittelständische Betrieben sind die Erwartungen eher negativ.

von , Berlin
© dapd Die deutschen Unternehmen bezweifeln die künftige Sicherheit der Stromversorgung

Immer mehr Betriebe bauen nach Feststellungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) eine eigene Stromversorgung auf. „Jedes dritte Unternehmen beschäftigt sich konkret damit, erneuerbare oder konventionelle Energie selbst zu erzeugen“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dieser Zeitung in Berlin. Ein Viertel der Betriebe arbeite daran oder überlege sich diesen Schritt. Dieser Trend nehme in allen Branchen zu, „nicht zuletzt vor dem Hintergrund wachsender Zweifel an der Versorgungssicherheit“. Erneuerbare Energien ließen sich in Produktionsabläufe integrieren, etwa um Lastspitzen zu glätten. „Der Strom aus der eigenen Anlage ist oft billiger als der aus dem Netz“, sagte Driftmann. Werde er auf dem Betriebsgelände erzeugt, fielen nur die Gestehungskosten an.

Andreas Mihm Folgen:

Kritisch verfolge vor allem der Mittelstand die Energiepolitik der Bundesregierung, auch wenn dies nicht bedeute, dass die erneuerbaren Energien grundlegend abgelehnt würden. „Insgesamt blicken die deutschen Unternehmen derzeit sehr skeptisch auf die Energiewende“, sagte Driftmann. „Chancen wie die Erschließung neuer Absatzmärkte wiegen Sorgen um Preisanstieg und Versorgungssicherheit nicht auf.“ Gerade Industrie und Handel sähen sich durch hohe Strompreise immer stärker belastet. An diesem Mittwoch wollen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit der Vorlage eines „Monitoringberichtes“ selbst Bilanz der Energiewende ziehen.

Klein- und Großunternehmen positiver gestimmt

Grundlage der DIHK-Einschätzung ist eine im Oktober durchgeführte weitgefächerte Befragung von mehr als 2300 Betrieben rund um die Themen Energiepolitik und Versorgungssicherheit. In seinem skeptischen Grundton bestätigt das „Energiewende-Barometer“ des DIHK Befragungen anderer Institutionen.

Auf einer Skala von „sehr negativ“ (minus 100) bis „sehr positiv“ (plus 100) bewerten die Betriebe die Folgen der Energiewende mit minus 12,6. Die Hälfte der Industriebetriebe verbinde mit der Energiewende einen Rückgang ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Nur 12 Prozent erwarteten dadurch eine Verbesserung ihrer Lage. Jeder fünfte Industriebetrieb mache sich „zumindest Gedanken über eine Einschränkung der inländischen Produktion“, heißt es in der Auswertung. Auch im Baugewerbe, im Handel und bei den Dienstleistern würden die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit negativ bewertet.

Im Norden sind die Unternehmen noch recht positiv eingestellt

Die Folgen der Energiewende werden je nach Standort der Betriebe unterschiedlich beurteilt. Während sich im Norden positive und negative Einschätzungen in etwa die Waage hielten, überwiegen im Süden, mehr aber noch im Westen und Osten die negativen Erwartungen auf das Geschäft. Differenziert nach Unternehmensgröße stellt sich heraus, dass im Mittelstand - Betriebe mit 20 bis 500 Beschäftigten - die schlechten Einschätzungen mit minus 16 und minus 19 Punkten auf der Skala am weitesten verbreitet waren. Klein- und Großunternehmen schätzen die Energiewende deutlich positiver ein.

Unterbrechungen eine „teure Realität“

Auch als Folge der Skepsis über eine sichere und bezahlbare Stromversorgung machten sich immer mehr Betriebe Gedanken über ihren Energiebezug sowie Einsparungen durch mehr Effizienz. Jeder zweite habe seinen Versorger gewechselt oder erwäge, daszu tun. Gut ein Drittel der Unternehmen beziehe Strom aus regenerativen Quellen. Es scheine sich „zunehmend eine konkrete Nachfrage für erneuerbare Energien zu entwickeln“.

Unterbrechungen der Versorgung seien in Deutschland inzwischen eine „teure Realität“, stellt der DIHK fest. 22 Prozent der Unternehmen berichteten von einer zunehmenden Bedeutung von Störungen, allerdings berichteten auch 12 Prozent vom Gegenteil.

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17 Prozent der Betriebe gaben an, im letzten Jahr Stromausfälle von weniger als drei Minuten registriert zu haben - das sind jene Unterbrechungen, die von der amtlichen Statistik nicht erfasst werden. Über Ausfälle länger als drei Minuten beklagten sich 12 Prozent der Unternehmen. In jedem zehnten Betrieb sei es wegen Problemen mit der Strom- oder Gasversorgung zu Schäden an der Produktion gekommen.

Quelle: F.A.Z.

 

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