Was sind uns unsere Kleinsten wert? Auf diese Ebene konnte man den langen Kita-Arbeitskampf leicht hieven - und damit viele Diskussionen schnell beenden. Lässt es sich überhaupt mit Geld bezahlen, was die Erzieherinnen (und einige Erzieher) tagtäglich leisten?
Nimmt man noch die Finanzkrise und die Aufregung über Managervergütungen hinzu, so scheint sich erst recht kaum ein Argument zu finden, in Zeiten wie diesen Beschäftigten am unteren Ende der Einkommensskala etwas mehr Geld nicht zu gönnen. Und einen besseren Schutz ihrer Gesundheit. Unter dieser Fahne zog die Gewerkschaft Verdi in den eigentlich so nicht zulässigen Kampf.
Denn eigentlich ging es hier um einen Konflikt, der seinen Grund in der großen Tarifreform des öffentlichen Dienstes vor drei Jahren hat: Nicht das Alter, sondern die Leistung sollte fortan für die Entlohnung entscheidend sein. Der Beruf des Erziehers musste in das neue Regelwerk eingepasst werden.
Da sich die Gewerkschaften mit ihrer anspruchsvollen Forderung - Eingruppierung auf dem Niveau eines Fachhochschulabschlusses - nicht durchsetzen konnten und noch Friedenspflicht herrschte, erfanden sie das Thema Gesundheitsschutz. Letztlich mit Erfolg. Leidtragende dieses auf verantwortungslose Weise vom Zaun gebrochenen Streiks waren Kinder und Eltern.
Und doch hat der Konflikt eine größere Dimension, weil er wieder einmal diesen Zusammenhang in Erinnerung gerufen hat: Wer nicht mehr das Leitbild vom alleinverdienenden Mann und der alleinerziehenden Hausfrau verfolgt, weil dieses Bild zumindest unter den besser ausgebildeten jungen Leuten nicht mehr der Wirklichkeit entspricht, der muss die Bedingungen dafür schaffen, dass Frauen und Männer arbeiten und zugleich ihre Kinder betreuen lassen können. Dabei muss es zunächst um Qualität gehen. Einen Betreuungsplatz zu finden ist zwar zumindest in den größeren Städten mit Müh und Not und gleichsam vorgeburtlicher, vielfacher Anmeldung möglich. Doch was dort geboten wird, von der Behausung angefangen, ist oft erbärmlich. Freilich: Erstaunlich viele Eltern sind in der Frage der Betreuung ihrer Kinder erstaunlich anspruchslos. Man ist froh über einen Kita-Platz, irgendeinen. So ist es kein Wunder, dass Erziehung im Allgemeinen keinen hohen Stellenwert hat.
Reinhard Müller Jahrgang 1968, Redakteur in der Politik, zuständig für „Staat und Recht“.
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