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Veröffentlicht: 18.10.2011, 16:56 Uhr

Embryonale Stammzellen Ein Urteil zum Streit, der keiner mehr ist

Schon vor der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), Patente auf biotechnische Verfahren zu verbieten, glaubte kaum ein Mediziner mehr an die Verwendung von embryonalen Stammzellen.

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© dpa Tiefgefrorene embryonale Stammzellen in einer Kulturschale

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), Patente auf biotechnische Verfahren zu verbieten, bei denen embryonale Stammzellen des Menschen verwendet werden, dürfte die Embryonenforschung in Europa einschränken, aber keineswegs verhindern oder auch nur um Jahre zurückwerfen.

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Das ließ sich am Dienstag bereits an den Reaktionen der betroffenen Wissenschaftler ablesen: „Kontraproduktiv“ nannte der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler das Urteil, Oliver Brüstle, der den Patentstreit gegen Greenpeace ausgefochten hat, zeigte sich „enttäuscht“. Doch ein vernichtender Schlag, wie ihn die Gegner der embryonalen Stammzellforschung seit Jahren anstreben, bedeutete das Urteil keineswegs.

Feature Stammzellen © dpa Vergrößern Diese Aufnahmen zeigen menschliche Embryonen, die sich außerhalb des menschlichen Körpers entwickelt haben. Chinesische Wissenschaftler hatten 2009 nach eigenen Angaben fünf menschliche Embryonen zu Forschungszwecken geklont

Kein patentrechtlicher Schutz

Grundsätzlich ist die Nutzung von Embryonen in Labors zur Gewinnung von Stammzellen und deren Anwendung nicht durch das Urteil berührt. Vielmehr müssen sich europäische Forscher nun damit abfinden, dass sich ihre Techniken, mit denen sie aus embryonalen Stammzellen Gewebe- und Zellersatz im Reagenzglas erzeugen, nicht patentrechtlich schützen lassen. Sie können also mit den Zellen weiter experimentieren, sofern die nationalen Gesetze das erlauben, aber keinen Monopolschutz anmelden und kommerzielle Ziele verfolgen. Rund hundert zum Großteil schon vergebener Patente gibt es in europäischen Labors, insbesondere in Schweden und Großbritannien.

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Die Bedeutung von embryonalen Stammzellen hat sich seit Beginn des jahrelangen Patentrechtsstreits allerdings auch grundlegend verändert: Früher hatten Forscher wie Brüstle aus biomedizinischer Sicht allen Grund, die Fortschritte bei der Herstellung und Verwendung von embryonalen Stammzellen schützen zu lassen. Denn die aus dem Innern von etwa hundert Zellen umfassenden Embryonen - Blastozysten - gewonnenen und vermehrten Stammzellen hatten selbst ein Monopol: Sie lassen sich mit speziellen Kulturverfahren in der Petrischale zu allen möglichen Zellarten des menschlichen Körpers umwandeln. Brüstle etwa hat daraus spezielle Hirnvorläuferzellen erzeugt, die - einmal implantiert ins teilweise zerstörte Gehirn von Parkinson-Patienten - die fehlende Hirnmasse wieder herstellen sollten.

Keine zugelassene Therapie weltweit

So weit allerdings ist man bisher mit den embryonalen Stammzellen bisher nur in Tierexperimenten gekommen. Eine zugelassene Therapie auch für andere Krankheiten gibt es bisher weltweit nicht. Was die klinische Anwenung angeht, hat man nicht einmal die Sicherheit der unterschiedlich kultivierten Zelltypen eindeutig belegt.

Infografik / Stammzellen / Embryonale Stammzellen "Vielkönner" © dpa Vergrößern

Medizinisch steht man also noch am Anfang. Und wegen der Abstoßungsgefahr, die solche aus embryonalen Zellen erzeugten Transplantate bergen, sehen viele Experten auch langfristig schlechte Chancen für ihren Einsatz, zumal seit gut vier Jahren und inzwischen in fast allen Stammzelllabors Verfahren entwickelt werden, mit denen aus gewöhnlichen Körperzellen, etwa aus der Haut, Stammzellen erzeugt werden, die in ihren Eigenschaften den embryonalen Stammzellen sehr nahe kommen.

Mit solchen künstlich reprogrammierten Stammzellen könnte quasi Ersatzgewebe jeden Typs aus einfachen Körperzellen des Patienten selbst hergestellt werden. Noch ist allerdings auch deren medizinische Tauglichkeit in entsprechenden Tests nicht unter Beweis gestellt worden.

In diesem Stadium, in dem es vor allem um die Ermittlung der prinzipiellen biomedizinischen Möglichkeiten geht, werden die embryonalen Zellen vor allem als „Goldstandard“, gebraucht - gewissermaßen als Messlatte für die wahren Potentiale des künftigen künstlichen Zellersatzes.

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Quelle: wahlrecht.de
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