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EKD-Vorsitzende Margot Käßmann Weiblich und streitbar

28.10.2009 ·  Die Wahl von Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden ist kein Versuch der Feminisierung der Evangelischen Kirche. Vielmehr versteht es die Landesbischöfin aus Hannover, der Religion in der Mediengesellschaft ein Gesicht zu geben.

Von Reinhard Bingener
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An der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland stehen nun zwei Frauen. Präses ist die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne); ihr zur Seite trat am Mittwoch Margot Käßmann als Ratsvorsitzende. Wer hinter dieser Konstellation ein progressives evangelisches Gesellschaftsprojekt oder gar die absichtsvolle Feminisierung der Kirche vermutet, liegt falsch. Derlei Argumente werden die Kirchenparlamentarier zwar gewogen haben, ausschlaggebend waren sie aber nicht. Der Kern der evangelischen Kirche hat an derlei Debatten das Interesse verloren.

Frau Käßmanns Wahl folgte schlicht der Einsicht, dass die Landesbischöfin aus Hannover die geeignete Nachfolgerin für Wolfgang Huber sei. Im Unterschied zu dessen männlichen Nachfolgeaspiranten ist sie die Einzige, die neben Bischof Huber öffentlich wahrgenommen wurde. Sie hat den Zusammenhang von Religion und Mediengesellschaft verstanden; die anderen nicht.

Ökumenisches Signal

Nur nebenbei ist die Wahl einer geschiedenen Frau auch ein ökumenisches Signal: Orthodoxe Patriarchen und manche römisch-katholische Würdenträger werden ob der Wahl Margot Käßmanns verstört an ihren Gewändern nesteln, zumal sie, wie Wolfgang Huber, für eine evangelische Kirche eintritt, die Streit in Kauf nimmt, wo ihr ökumenisches Stillhalten schaden könnte.

Innerhalb der evangelischen Kirche gilt das Hauptinteresse der Frage, wie ausgeprägt die Kontinuität zwischen Huber und Käßmann bei der Kirchenreform sein wird. Der Versicherung, Hubers Projekt weiterzuführen, setzte sie die Spitze hinzu, von den Reformen müssten nun auch die Gemeinden profitieren. Sollte Frau Käßmann die Stoßkraft der Reform in diese Richtung lenken, wäre das eine richtige Korrektur.

Protestantisches Fegefeuer

Die allererste Änderung sollte dem Wahlrecht gelten: Nachdem Frau Käßmann am Dienstagmorgen in großem Einvernehmen in den Rat gewählt worden war, verkeilten sich die kirchenpolitischen Flügel im Laufe des Tages zusehends in starrem Proporzdenken.

Als der Abschluss der Wahl weit nach Mitternacht und insgesamt zwölf Wahlgängen um ein Jahr verschoben wurde, standen angesehene Bischöfe beschädigt und engagierte Laien gedemütigt da. So wichtig es ist, dass eine evangelische Kirchenleitung in freier und offener Wahl stattfindet – ein protestantisches Fegefeuer sollte daraus nicht werden.

Das Zitat

„Das ist eine interessante Koinzidenz: Es ist der Tag der evangelischen Frauen.“ Die neue EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zu der Tatsache, dass am selben Tag die Protestantin Angela Merkel (CDU) zur Bundeskanzlerin gewählt wurde

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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