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Eisenbahner-Wohnungen : Ingrid Ehlerding stellt sich als Opfer der CDU dar

  • -Aktualisiert am

Bestreiten Zusammenhänge zwischen Geld und Geschäft: Milliardäre Ingrid und Karl Ehlerding Bild: dpa

Im CDU-Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages erweckte die Milliardärin Ingrid Ehlerding den Eindruck, als sei sie Opfer der CDU.

          Der Freundeskreis bleibt geheim: Die Hamburger Milliardärin Ingrid Ehlerding (53) hat jegliche Verbindung der 5,9 Millionen-Mark Spende von ihr und ihrem Mann Karl an die CDU 1998 mit dem Verkauf von 112.600 Eisenbahnerwohnungen an die von ihnen kontrollierte Immobilienfirma WCM bestritten.

          Wenn die Bundesregierung einem Unternehmen den Zuschlag für den Verkauf von bundeseigenen Wohnungen erteilt und wenig später die Besitzer dieses Unternehmens die führende Regierungspartei mit einer exorbitanten Spende bedenken, lässt sich schnell begreifen, wenn SPD, Grüne und PDS argwöhnen, dass es sich hierbei um unerlaubte Vorteilnahme handelt. Laut Ingrid Ehlerding hat aber das eine mit dem anderen rein gar nichts zu tun: „Wir haben ein reines Gewissen“.

          Das Ehepaar Ehlerding wählt seit Jahren CDU. So erklärte es Frau Ehlerding vor dem Ausschuss. Da man 1998 aber befürchtete, dass die Regierung Kohl nicht wiedergewählt werden könnte, habe man sich zu dem finanziellen Engagement entschlossen. Dabei habe man ursprünglich eine Inseratenaktion ähnlich der zugunsten von Gerhard Schröder im niedersächsischen Wahlkampf im Sinn gehabt. Dafür hätten die Ehlerdings auch mehr Geld locker gemacht als schließlich 5,9 Millionen Mark.

          Frau Ehlerding nannte die Zahl 20 Millionen, die eine beauftragte Werbeagentur anfangs veranschlagt hatte.

          „CDU damals seriös“

          Heute ist Frau Ehlerding nicht mehr so gut auf die CDU zu sprechen, wie sich schon an ihrer Wortwahl zeigte. Einmal nannte sie die CDU eine „damals als seriös geltende Bundespartei“. Heute kann sich Frau Ehlerding nicht vorstellen, „je noch einmal an eine Partei zu spenden“. Sie hätte auch erwartet, dass die CDU „auf uns zukommt und sagt, es täte ihnen leid“.

          CDU-Obmann Andreas Schmidt erklärte dazu, eine Kontaktaufnahme wäre sofort als Absprache interpretiert worden. Auf die Frage des FDP-Abgeordneten Max Stadler - „Hat man Sie ins offene Messer laufen lassen?“ - zog Frau Ehlerding es vor, sich nicht zu äußern. Nach den Aussagen von Frau Ehlerding gewinnt man den Eindruck, dass sich das Milliardärs-Ehepaar besser aufs Geldverdienen denn auf Politik versteht. Welche Folgen die Veröffentlichung einer Großspende nach sich ziehen können, war den Ehlerdings angeblich genauso wenig klar wie der zeitliche Zusammenhang der Spende mit dem Verkauf der Eisenbahnerwohnungen.

          Eine persönliche Laune

          Zwar wirkte Frau Ehlerding meistens souverän und bewahrte auch bei kleineren Störversuchen die Contenance. Doch wenn es um Millionenbeträge ging, verhaspelte sich die Milliardärin schon mal. Auch konnte sie nicht erklären, warum die Fünf-Millionen-Spende in zwei Beträge von einmal 2,43 Millionen und das andere Mal von 2,57 Millionen gestückelt wurde. Das sei eine persönliche Laune ihres Mannes gewesen, sagte sie dazu.

          Frau Ehlerding weigerte sich zudem den von ihr genannten Freundeskreis zu benennen, der sich angeblich ursprünglich an den fünf Millionen beteiligen wollte. Diese Freunde hätten nach der verlorenen Wahl das Interesse verloren. Der Ausschuss wollte ihr zwar kein Zeugnisverweigerungsrecht zugestehen, doch sind seine Machtmittel begrenzt. Ein Ordnungsgeld von 1.000 Mark wäre im Fall der Milliardärin lächerlich, meinte ein Abgeordneter vor dem Sitzungssaal. Schon im Fall des Kohl-Vertrauten Hans Terlinden war der Ausschuss mit seiner Ordnungsstrafe von 50.000 Mark gerichtlich gescheitert.

          Falsch verstanden

          Federn lassen musste Frau Ehlerding zudem, als sie mit Aussagen ihres Mannes in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ konfrontiert wurde. Frau Ehlerding musste einräumen, dass die Spende an die CDU nicht die einzige Parteispende war. Ihr Mann hatte seinerzeit auch der Bremer SPD-Abspaltung Arbeit für Bremen Geld gegeben. Auch hatte ihr Mann erklärt, er sei von der CDU Mecklenburg-Vorpommern um eine Spende gebeten worden. Ingrid Ehlerding hingegen hatte ausgesagt, die Initiative sei von ihr und ihrem Mann ausgegangen. Frau Ehlerding erklärte die Diskrepanz damit, dass in Interviews manches falsch verstanden werde.

          Viele Fragen konnte allerdings auch Frau Ehlerding nicht beantworten. Obwohl sie rund die Hälfte des über 50-prozentigen Anteils an WCM besitzt, kümmert sie sich nicht um die Details: „Die geschäftliche Dinge macht bei uns mein Mann.“ Darum verwies Frau Ehlerding immer wieder auf ihren Mann. Der aber konnte aus Zeitgründen an diesem Tag nicht mehr befragt werden. Für CDU-Obmann Schmidt war nach ihrer Vernehmung nicht nur klar, dass es nicht den leisesten Anhaltspunkt gebe, „dass die Spende nicht in Ordnung war“. Vor allem kritisierte der CDU-Politiker, dass hier versucht werde, „potenzielle Spender für die CDU abzuschrecken.“



          Quelle: @uwer

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