Home
http://www.faz.net/-gpf-760q4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Einsatz der französischen Truppen Risiken in Mali

Seit einigen Tagen sind die französischen Truppen auf dem Vormarsch. Die Soldaten werden in einen riesigen Raum hineingezogen, den sie mit ihren beschränkten Kräften nicht sichern können. Das birgt Risiken.

Frankreich belässt es in Mali nicht bei dem militärischen Feuerwehreinsatz, der verhindert hat, dass die aus dem Norden vorrückenden Dschihadisten und Terroristen strategische Ziele im Süden des Landes einnehmen konnten. Seit einigen Tagen sind die französischen Truppen auf dem Vormarsch. Die Luftwaffe bombardiert Stützpunkte der Islamisten im Norden, Kampfhubschrauber ebnen den vorrückenden Bodentruppen den Weg. Das birgt Risiken. Die französischen Soldaten werden in einen riesigen Raum hineingezogen, den sie mit ihren beschränkten Kräften nicht sichern können. Unterdessen haben die Dschihadisten Zeit, sich über die Wüstengrenzen hinweg in Nachbarländer abzusetzen und den Angriffskeil nach Norden ins Leere stoßen zu lassen.

Begleichung alter Rechnungen

Günther Nonnenmacher Folgen:    

Dabei entsteht das nächste Risiko. Malische Truppen, die mit den Franzosen vorrücken, haben mit ihren Gegnern (wirklichen, vermeintlichen oder angeblichen) offenbar kurzen Prozess gemacht. Da werden auch alte Rechnungen beglichen in einem Staat, in dem viele Ethnien zusammenleben und der von dem alten Gegensatz zwischen Afrikanern und arabischen Tuareg geprägt ist. Selbst wenn solche Exzesse spontane Rachereflexe auf Grausamkeiten der Tuareg-Dschihadisten sein mögen, erinnern diese Vorfälle daran, dass das Regime in Bamako eine Mischung aus militärischen Putschisten und zweifelhaften zivilen Figuren ist, das zu normalen Zeiten im Westen als „nicht salonfähig“ gelten würde. Was die aus westafrikanischen Staaten einrückenden Truppen militärisch wert sind und ob ihre politischen Entsender in Mali nicht auch eigene Ziele verfolgen, wird man bald sehen.

Unterdessen heißt es, moderate Tuareg hätten sich von der dschihadistischen Gruppe Ansar al Dine abgespalten. Das ist möglich, weil sich unter den Tuareg und den Terroristen, die sich auf al Qaida berufen, schon in der Vergangenheit immer neue Koalitionen gebildet und wieder aufgelöst haben. Dennoch riecht das nach einer taktischen Finte. Denn lange genug hat gerade Ansar al Dine Verhandlungsbereitschaft bekundet und diese Zeit dafür genutzt, den Angriff auf den Süden vorzubereiten. Wahr ist: Das französische Militär wird die Probleme in Mali nicht lösen können - das kann nur in einem Verhandlungsprozess geschehen. Aber der Zeitpunkt dafür ist noch nicht gekommen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.01.2013, 17:01 Uhr

Entscheidungsfähiger Staat

Von Reinhard Müller

Nach dem Urteil aus Karlsruhe sollte klar sein, dass auch ein demokratischer Staat mit Gewaltenteilung entscheidungsfähig sein muss; das reicht von europäischer Einigung über Rüstungsbeschlüsse bis zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr. Absolute Offenheit bedeutet offene Kapitulation. Mehr 9

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden