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Einbürgerungstest Wie eine Führerscheinprüfung

09.07.2008 ·  Es ist keine Schikane, einem Ausländer Fragen zu stellen, die viele Deutsche auch nicht aus dem Stegreif beantworten könnten. Der Einbürgerungstest soll nicht abschrecken. Zu Recht verbindet die Migrationsbeauftragte Böhmer damit eine Einladung zur Integration.

Von Stefan Dietrich
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Wie viele Deutsche kennen die Zahl der Bundesländer oder können sagen, wer den Bundeskanzler wählt? Einschlägige Untersuchungen, in denen politisches Grundwissen abgefragt wurde, haben da selbst bei Abiturienten in Abgründe blicken lassen. Ein Argument gegen den Einbürgerungstest sind solche Befunde allerdings nicht.

Es ist keine Schikane, einem Ausländer Fragen zu stellen, die vierzig, sechzig oder achtzig Prozent der Deutschen auch nicht aus dem Stegreif beantworten könnten. Mindestens die Hälfte der Autofahrer würde heute auch einen theoretischen Führerscheintest nicht auf Anhieb - das heißt, ohne Vorbereitung - bestehen. Das war aber nie ein Argument gegen den Führerscheintest.

Tür auf - oder Tür zu, das war die falsche Alternative

So etwas wie ein theoretischer Führerscheintest ist auch der jetzt herausgegebene Fragebogen. Die Praxis haben alle, die ihn beantworten sollen, schon hinter sich: Sie haben sich Deutschkenntnisse angeeignet und mindestens acht Jahre lang in diesem Land unbescholten gelebt. Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, müssen sie sich vom 1. September an noch einmal eingehend mit dem politischen System und der Geschichte ihrer neuen Heimat befassen.

Alles zusammen sollte sie befähigen, sich hier sicher, rücksichtsvoll und selbstbewusst zu bewegen. Das ist nicht „Abschreckung“, wie manche jetzt behaupten, sondern Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben. Zu Recht verbindet die Migrationsbeauftragte Böhmer damit eine Einladung zur Integration, denn die Testfragen, die mindestens zur Hälfte richtig angekreuzt werden müssen, sind für Landesfremde auch ein Leitfaden zur Orientierung.

Angesichts des vorliegenden Katalogs fragen sich viele, warum über solche Selbstverständlichkeiten so lange so viel Lärm gemacht wurde. Verständlich wird das nur, wenn man an die zehn Jahre zurückliegenden Anfänge der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts zurückdenkt. Seither haben die Unionsparteien auf der einen sowie SPD und Grüne auf der anderen Seite manche Illusionen über Bord werfen müssen. Tür auf - oder Tür zu, das war die falsche Alternative. Die Lösung besteht darin, jene zur Einbürgerung zu ermuntern, die sich mit diesem Land identifizieren wollen. Nachdem das nun geklärt ist, werden hoffentlich auch wieder mehr dieser Einladung folgen.

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