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Säbelrasseln in Fernost : Droht ein neuer Korea-Krieg?

Soldaten der Nordkoreanischen Volksarmee betrachten am Donnerstag in Pjöngjang einen neu eingeweihten Wohnkomplex. Bild: AFP

Ob Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Samstag eine neue Atombombe zündet oder nicht: Der Konflikt mit Amerika könnte zu einem großen Krieg ausarten, wenn rote Linien überschritten werden. Eine Analyse.

          Der nächste Atomwaffentest Nordkoreas könnte unmittelbar bevorstehen: Zumindest deuten darauf Satellitenaufnahmen vom 12. April hin, die erhöhte Aktivitäten auf dem nuklearen Testgelände Punggye-ri zeigen, wie die meist gut informierten Nordkorea-Analysten des amerikanischen Korea-Institutes der John-Hopkins-Universität in Washington berichten. Vor allem am Nordportal der Anlage, ebenso wie im Hauptverwaltungsbereich.

          Reporter können sich vor Ort davon kein Bild machen. Das Gelände ist ein hermetisch abgeriegelter Sicherheitsbereich im entlegenen Nordosten des Landes, gut 200 Kilometer von der russischen und 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass vergleichbare Aktivitäten ein guter Indikator für einen bevorstehenden Atombombentest sind. Dem Test 2013 gingen wochenlang Bewegungen von Lasttransportern auf dem Gelände voraus. Erdbebenwarten in China oder Südkorea haben die tatsächliche Zündung der Bombe dann aufgezeichnet – die Höhe der seismischen Aktivitäten ließ Rückschlüsse auf die Durchschlagkraft der Bombe zu.

          Hinzu kommt: Am Samstag gibt es in Nordkorea etwas zu feiern. Und Symbolik ist in der stalinistisch regierten Diktatur keine Petitesse, sondern ein zentrales Element politischen Handelns. Als sich das Land 2012 offiziell zur Atommacht erklärte, geschah dies im Umfeld der Feierlichkeiten des hundertsten Geburtstages von Staatsgründer  Kim Il-sung. Der Großvater des amtierenden Diktators Kim Jong-un soll schon während des Korea-Krieges 1950 bis 1953 davon geträumt haben, Anführer einer starken Atommacht zu sein.

          Die Phase der Machtkonsolidierung ist vorbei

          Am Samstag wäre Kim Il-sung 105 Jahre alt geworden, wäre er nicht bereits 1994 an einem wenig heroischen Herzinfarkt in seinem Pjöngjanger Arbeitszimmer verstorben. Sein Enkel setzt nun alles daran, den Traum des Großvaters endgültig umzusetzen. Nach der Phase seiner Machtkonsolidierung innerhalb des Staatsapparates – er ließ den Vertrauten seines Vaters Kim Jong-il, seinen Onkel Jan Song-thaek, hinrichten, und wahrscheinlich auch seinen Halbbruder Kim Jong-nam Mitte Februar in Malaysia vergiften –, erhöht Kim nun den Druck nach außen, indem er die Schlagzahl nuklearer Tests erhöht. Seit den beiden Atomtests 2006 und 2009, die noch sein 2011 verstorbener Vater angeordnet hatte, gab es noch vermutlich drei weitere – in immer kürzeren Abständen.

          Aus Sicht der nordkoreanischen Führung dienen die Tests mehreren Zielen: Zuerst ist die Bombe eine Sicherheitsgarantie gegen einen möglichen „regime change“ durch die Amerikaner, die Schutzmacht Südkoreas. Schon der Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion war für die Führung in Pjöngjang, damals noch unter Kim Il-sung, ein politisches Trauma. War die Sowjetunion noch eine Macht, die zum Schluss Amerika in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr viel entgegenzusetzen hatte, so stürzten in der Folge Machthaber wie Iraks Saddam Hussein und Libyens Muammar Gaddafi, die Amerika in militärischer Hinsicht deutlich unterlegen waren. Zuletzt musste Syriens Präsident Baschar al Assad einen amerikanischen Luftschlag auf eine seiner Luftwaffenbasen tatenlos hinnehmen. Selbst die Russen mit ihren in Syrien stationierten Luftabwehrsystemen konnten sich angesichts des Militärschlags mit zahlreichen hochpräzisen Lenkflugkörpern nur im Nachhinein beschweren, ihn aber nicht verhindern.

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