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Dresden Lichtermeer an der Semperoper vor der „Nacht der Stille“

13.02.2005 ·  Dresden hat seiner Zerstörung durch alliierte Bomberverbände vor 60 Jahren gedacht. Auf dem Theaterplatz trafen sich Zehntausende zur Aktion „10.000 Kerzen für Dresden“. Punkt 21.45 Uhr läuteten Kirchenglocken. Getrübt wurde das Gedenken der Opfer durch einen Aufmarsch von Rechtsextremisten.

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Dresden hat am Sonntag seiner Zerstörung durch alliierte Bomberverbände vor 60 Jahren gedacht. Punkt 21.45 Uhr läuteten die Glocken aller Dresdner Kirchen zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt. Damit wird jährlich an den ersten Angriff britischer Bomber erinnert, die die Innenstadt in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 binnen Stunden in Schutt und Asche gelegt hatten. Dem Feuersturm waren schätzungsweise rund 35.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Nach dem Ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche strömten am späten Abend Zehntausende mit Kerzen zur Frauenkirche, die weltweit Symbol gegen Krieg und für Versöhnung ist. An dem wiederaufgebauten Gotteshaus, das in jener Bombennacht zerstört wurde, drängten sich bereits seit dem frühen Abend tausende Menschen. Der Innenraum der Kirche ist erstmals für drei Stunden zum stillen Gedenken geöffnet.

„10.000 Kerzen für Dresden - ein Bild geht um die Welt“

Am späten Nachmittag und Abend kamen in der Dresdner Innenstadt mehrere zehntausend Personen zu verschiedenen Kundgebungen zusammen. Auf dem Theaterplatz fand die Aktion „10.000 Kerzen für Dresden - ein Bild geht um die Welt“ statt, zu der unter anderem die beiden Dresdner Bischöfe und der sächsische Ministerpräsident aufgerufen hatten. Die Veranstaltung sollte zugleich ein Zeichen der Trauer um die Bombenopfer und ein Zeichen gegen den Mißbrauchs des Gedenkens durch Rechtsextreme sein.

Auch eine andere Veranstaltung in der Innenstadt, die unter anderem von den Gewerkschaften unterstützt wurde, fand unter diesem Vorzeichen statt. Der für den Aufbau Ost zuständige Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte in Dresden: „Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses Datum mißbraucht wird.“

Schröder: Geschichtsfälschern mit allen Mitteln begegnen

Am Nachmittag hatten sich auf der Straße vor dem Landtag etwa 4.000 Rechtsextreme aus ganz Deutschland zu einem „Trauermarsch“" versammelt. Bei einer Kundgebung sprachen zuvor auch die Vorsitzenden von NPD und DVU, die kürzlich nach jahrelangem Streit zu einer „rechtsextremen Volksfront“ zusammengefunden haben.

In Berlin verurteilte Bundeskanzler Schröder (SPD) rechtsextremistische Versuche, die Geschichte zu verfälschen und das Leid der Menschen zu instrumentalisieren. Die Bundesregierung werde dem "mit allen Mitteln entgegentreten". Zugleich warnte er vor einer Aufrechnung von Opfern der Nationalsozialisten und des Krieges. "Wir werden nicht zulassen, daß Ursache und Wirkung verkehrt werden."

Frauenkirche nun in internationaler Nagelkreuzgemeinschaft

Am Nachmittag wurde die wiederaufgebaute Frauenkirche in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen. Sitz der Gemeinschaft mit etwa 200 Mitgliedern auf der ganzen Welt ist das im Zweiten Weltkrieg von deutschen Flugzeugen angegriffene Coventry. Aus Nägeln der zerstörten Kathedrale wurden Kreuze zusammengesetzt und seitdem an Kirchen und Einrichtungen überreicht. Der Domprobst der britischen Stadt, Irvine, übergab das Nagelkreuz als Symbol der Versöhnung an den evangelischen Landesbischof Bohl. Am späten Abend sollte die in den vergangenen zehn Jahren wiederaufgebaute Barockkirche bei einer "Nacht der Stille" erstmals für Besucher geöffnet werden.

Am Morgen hatten der sächsische Ministerpräsident Milbradt (CDU) und der Oberbürgermeister der Stadt, Roßberg (FDP) gemeinsam mit den Botschaftern Amerikas, Großbritanniens und Frankreichs auf dem Mahnmal für die Opfer der Luftangriffe auf dem Dresdner Heidefriedhof Kränze niedergelegt. Vor der Zeremonie hatte der britische Botschafter Torry sein Verständnis darüber geäußert, daß über den Bombenkrieg gegen deutsche Städte diskutiert werde. Die Debatte sei in Deutschland lange verdrängt worden. Den Briten sei nicht ausreichend bekannt, wie die Deutschen am Ende des Zeiten Weltkriegs gelitten hätten.

Quelle: F.A.Z., 14.02.2005, Nr. 37 / Seite 1
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