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Dossier Washington nimmt Saddam Hussein ins Visier

 ·  Ist der Irak das nächste Kriegsziel der Vereinigten Staaten? Der amerikanische Präsident Bush will Saddam Hussein stürzen. Ein Dossier.

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Saddam Hussein bleibt im Visier der Vereinigten Staaten. Der amerikanische Präsident George W. Bush hält an seinem Ziel fest, einen Regierungswechsel in Bagdad herbeizuführen: „Und wir werden alle Mittel nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um dies zu erreichen.“ Welche Mittel das sein könnten, lässt Bush noch offen. Aus gutem Grund: Ein Krieg gegen den Irak wäre politisch und militärisch deutlich schwerer zu führen als der Afghanistan-Feldzug gegen das marode Taliban-Regime.

Nach den Anschlägen des 11. September hoffte Washington, eine neue Begründung für einen möglichen Schlag gegen Saddam Hussein zu finden. Die amerikanischen Geheimdienste suchten angestrengt nach einer Spur in den Irak. Doch fanden sich keine überzeugenden Hinweise auf eine enge Verbindung zwischen Usama bin Ladins Terrororganisation Al Qaida und dem Regime in Bagdad. Eine nahtlose Einbindung in die Logik und Rhetorik des „Kriegs gegen Terror“ war kaum möglich. Bushs Rede von der „Achse des Bösen“, die den Irak in eine Linie mit Iran und Nordkorea stellte, verwischte das Feindbild eher als dass es dieses präzisierte.

Angst vor Massenvernichtungswaffen

Doch bleiben den Amerikanern gewichtige Argumente, die sie bereits vor dem 11. September gegen den Irak in Stellung gebracht hatten. Das Regime in Bagdad gilt wegen seiner biologischen und chemischen Waffen als hochgefährlich. Auch auf die Atomwaffenproduktion hat Hussein nach Expertenmeinung ein Auge geworfen.

Der Diktator gilt als nicht zimperlich, diese Waffen auch einzusetzen: Im Nordirak ließ er die kurdische Bevölkerung mit C-Waffen angreifen. Auch im Krieg gegen Iran kamen chemische Kampfmittel zum Einsatz. Regelmäßig scheitern die Versuche der UN, wieder Waffeninspektoren ins Land zu bringen. Durch die irakische Weigerung sieht sich die Bush-Regierung in ihrer Politik bestätigt.

Die irakischen Massenvernichtungswaffen sind für Washington Argument für einen Angriff, zugleich aber auch Hindernis. Anders als im Golfkrieg werde Saddam Hussein nicht zögern, die Waffen auch gegen amerikanische Truppen einzusetzen. Weitere Schwierigkeit: Die Depots werden in der Nähe von Schulen, Moscheen und Krankenhäusern vermutet. So lassen sie sich kaum ohne zivile Opfer ausschalten: Bestes Material für irakische Propaganda und Belastungsprobe für eine mögliche Anti-Irak-Koalition in der Region.

Keine militärischen Verbündeten im Land

Auch fehlen den USA - anders als im Afghanistan-Krieg - Verbündete im Land. Die kurdische Bevölkerung im Nordirak steht Überlegungen skeptisch gegenüber, eine Rolle wie die Nordallianz zu übernehmen. Zu tief sitzt die Angst davor, im Ernstfall von den Amerikanern im Stich gelassen zu werden und den irakischen Militärs schutzlos ausgeliefert zu sein. Nach dem Golfkrieg 1991 töteten irakische Truppen Tausende Kurden, die sich - nach Ermutigung der amerikanischen Regierung unter George Bush senior - gegen das Regime in Bagdad gestellt hatten. Gleichwohl fühlt Washington bei den Kurden vor: Im April etwa trafen sich CIA-Vertreter und Bushs Sicherheitsberater Wayne Downing mit irakischen Kurdenführern in Frankfurt zu Geheimgesprächen.

Über die militärischen Optionen wird in Washington noch gestritten. Die „Falken“ um Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dessen Vize Paul Wolfowitz operieren mit Begriffen wie „präventiver Einsatz“ und „defensiver Intervention“. Amerikanische Militärs lassen Pläne durchsickern, in dem von einem möglichen Einsatz von bis zu 250.000 Soldaten und Hunderten Kampfflugzeugen die Rede ist. Außenminister Colin Powell und CIA-Chef George Tenet sind dagegen Bedenkenträger: Sie sehen die Bedingungen für einen schnellen militärischen Erfolg nicht gegeben.

Dazu sehen die beiden als Vertreter eines moderaten Kurses die enge Verknüpfung mit dem Nahostkonflikt: Mit seiner harten Haltung gegen Palästinenserpräsident Jassir Arafat riskiert Bush, in der Region Unterstützung zu verlieren. Der Umkehrschluss: Kommt ein stabiles Palästina auf Grund amerikanischer Bemühungen zu Stande, wäre eine breite Unterstützung für einen Krieg gegen Irak sicher. Führt der Weg nach Bagdad über Jerusalem?

Was kommt nach Saddam Hussein?

Sein Ziel hat Bush zwar klar formuliert: Saddam Hussein muss weg. Der Weg dahin ist umstritten. Und was danach kommen soll, ist noch völlig unklar. Eine klare Option für eine neue Regierung zeichnet sich nicht ab - zu schwach und zersplittert ist die Opposition. Die von Washington geförderte Oppositionsbewegung „Iraq National Congress“ gilt als kampfwillig, aber wenig schlagkräftig.

Auf eine möglicherweise jahrelange Besatzung möchten sich die Amerikaner nicht einlassen. Muss die UN die politischen „Aufräumarbeiten“ machen? Für Washington, das zurzeit wegen des Internationalen Strafgerichtshofs mit der Weltorganisation im Clinch liegt, dürfte es keine angenehme Vorstellung sein, in New York in Sachen Irak um Unterstützung bitten zu müssen.

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Von Klaus-Dieter Frankenberger

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