Der 11. September hat auch den Nahost-Konflikt beeinflusst. Noch ist nicht abzusehen, ob der so genannte Krieg gegen den Terror eskalierend oder katalytisch auf den Krisenherd wirkt.
Zurzeit ist die Lage trostlos: Verhandlungen sind bis auf Weiteres ausgesetzt, radikale palästinensische Gruppen verüben Selbstmordattentate, Jassir Arafat, der Vorsitzende der Autonomiebehörde, ist wegen des amerikanischen Drucks bemüht, die Einhaltung des Waffenstillstands zu gewährleisten, und Israels Premierminister Ariel Scharon scheint die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, um im Schatten Afghanistans härter gegen die Palästinenser vorzugehen.
Neue Rahmenbedingungen
Die Terrorangriffe auf Manhattan und Washington haben auch die amerikanische Nahostpolitik neu bestimmt: Bush benötigt Arafat als Partner, um die Stabilität der arabischen Allianz sicherzustellen. Deshalb hat er dem PLO-Führer erstmals einen palästinensischen Staat in Aussicht gestellt.
Damit hatte Scharon nicht gerechnet. Er ging davon aus, dass er nun, da Amerika am eigenen Leibe zu spüren bekommen hat, unter welchen Bedingungen Israel seit Jahrzehnten lebt, gegen gewaltbereite Palästinenser mit allen Mittel vorgehen dürfe. Doch hat der Likud-Vorsitzende nicht bedacht, dass bei allen Schwierigkeiten bei der Grenzziehung zwischen Freiheitskämpfern und Terroristen das palästinensische Recht auf Selbstbestimmung von der Weltgemeinschaft anerkannt wird. Daran hat auch der 11. September nichts geändert.
Im Gegenteil: Zwar sind die Usama Bin Ladins und Saddam Husseins dieser Welt nicht die mutigen Kämpfer für die palästinensische Sache, für die sie sich ausgeben. Doch weiß Bush umgekehrt, dass diesen Demagogen der Nährboden entzogen wird, wenn er mit dazu beiträgt, den Palästinensern eine wirtschaftliche und politische Perspektive zu geben. So tragisch die Ereignisse vom 11. September auch waren. Vielleicht wird dieser Tag im Rückblick einmal als Beginn eines Prozesses betrachtet werden, an dem die verhängnisvoll lähmende Interessenlage im Nahen Osten neu geordnet wurde.
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