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Dossier Klimaschutz: nach dem Bonner Gipfel

25.07.2001 ·  In Bonn rangen 178 Staaten um eine Einigung in Sachen Klimaschutz. Nach intensiven Verhandlungen erreichten sie eine Einigung. Sie ist kein großer Wurf, aber ein Anfang. Ein Dossier.

Von Karsten Polke-Majewski
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Der Vertrag ist gemacht, nun kann das Kyoto-Protokoll, seit 1997 heftig umstritten, umgesetzt werden; wenn denn alle technischen Details geregelt und für die Umsetzungskontrolle im Herbst in Marrakesch eine Lösung gefunden sein wird. Der Prozess, mit dem der Ausstoß von Treibhausgasen beschränkt werden soll, kann beginnen, die Parlamente das Vertragswerk ratifizieren.

Insofern ist die Verabredung von Bonn, mag sie in ihren Auswirkungen und ihrem Umfang noch so klein sein, ein Erfolg. Erstmals haben die Staaten der Welt anerkannt - wenn auch ohne Amerika -, dass sie gegen den Klimawandel vorgehen müssen; haben beschlossen, tatsächlich etwas zu tun. Selbst wenn sie nur wenig Kohlendioxyd einsparen: Sie sind gezwungen, den Ausstoß zu begrenzen und dauerhaft zu verringern.

Minimaler Fortschritt

Dennoch bleibt die Vereinbarung von Bonn nur ein minimaler Fortschritt. Schenkt man der Mehrheit der Wissenschaftler Glauben, wären mindestens dreißig Schritte wie der von Kyoto in den kommenden zwanzig Jahren nötig, um das Klima zu stabilisieren.

Das Abkommen kann keiner hinter sich lassen

Doch die Einigung von Bonn ist nicht nur eine Frage des Klimas. Sie ist auch ein Symbol dafür, dass „internationale Konferenzen ihre Aufgabe verantwortlich wahrnehmen können“, wie Konferenzpräsident Jan Pronk angesichts der Ausschreitungen des G8-Gipfels in Genua sagte. Die Klimavereinbarung ist eines der wenigen internationalen Umweltabkommen, das praktische Konsequenzen nach sich ziehen und mehr einfordern wird als nur den guten Willen einzelner Länder. Es ist ein Abkommen, dass niemand einfach hinter sich lassen kann.

Alle waren realistisch

Eine Niederlage für die Vereinigten Staaten, ein Sieg für Europa? Tatsächlich haben die Verhandlungen gezeigt, dass die internationale Gemeinschaft auch ohne die vordergründige Mitwirkung Amerikas fähig ist, weitreichende Vereinbarungen zu treffen. Wie weit die amerikanische Delegation in Bonn aber im Hintergrund wirkte, ist schwer auszumachen. Jedenfalls beweist die Einigung den Realismus der Beteiligten. Denn so sehr Kritiker wie Amerika am Sinn des Kyoto-Protokolls zweifeln, so wenig konnten sie bisher eine Alternative zu diesem Prozess vorlegen.

Schwaches Abkommen besser als gar keines

Die Europäische Union hat in Bonn bewiesen, dass sie fähig ist, die politische Führerschaft auf der internationalen Bühne zu übernehmen, wenn die Vereinigten Staaten diese Rolle nicht einnehmen. Dafür aber mussten die Europäer viele ihrer Positionen aufgeben. Im vergangenen Jahr scheiterten die Verhandlungen in Den Haag auch an der ablehnenden Haltung der EU - insbesondere Deutschlands - in der Senkenfrage. In Bonn kamen die Europäer den Ländern der Umbrella-Gruppe in dieser Frage sehr weit entgegen. Offenbar war man sich bewusst, dass ein weicher geschlossener Vertrag besser ist als kein Abkommen.

Erfolg für Japan

Gewonnen hat vor allem Japan. Nach dem Rückzug Amerikas aus dem Kyoto-Prozess fiel dem Land die Schlüsselrolle bei den Verhandlungen zu. Japan hat diese Machtstellung genutzt und für sich mehr gewonnen, als es sich zuvor zu fordern wagte. Die Senken etwa, die das Land sich nun auf seine Reduzierungsquote anrechnen darf, sind größer als Japan zu Beginn der Konferenz forderte. Gleichzeitig hat die zögerliche Haltung Japans den Vereinigten Staaten gezeigt, wer ihr Verbündeter ist. Bis zum Schluss ließ Ministerpräsident Koizumi nicht davon ab, Amerika „mit ins Boot holen“ zu wollen. Den Europäern blieb nichts, als sich strikt an die Linie des Göteborg-Gipfeltreffens zu halten, die heißt: Man ist sich mit den Vereinigten Staaten einig, sich nicht zu einigen. Der Schatten der grauen Eminenz Amerika sollte nicht zu dunkel auf Japan fallen.

Auftakt, nicht Meilenstein

Die Vereinbarung von Bonn ist kein Meilenstein der internationalen Umweltpolitik. Aber sie ist ein wichtiger Auftakt. Nicht umsonst wird immer wieder beschworen, dass auch die Abschaffung der die Ozonschicht zerstörenden Gase mit ähnlich weichen Abmachungen begann. Stetig verschärft führte jener Prozess dazu, dass heute keine Ozon-gefährdenden Gase mehr produziert werden. Ähnliches könnte auch für den Kyoto-Prozess gelten.

FAZ.NET informiert über die Hintergründe der Konferenz in einem Dossier mit Analysen, Interviews, einer Chronik und Grafiken.

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