19.07.2001 · Die Welt schwitzt und 160 Umweltminister mit ihr. In Bonn ringen sie um eine Einigung: Wie kann das Erdklima geschützt werden? Hoffnungen setzen nur wenige in die Konferenz. Ein Dossier.
Von Karsten Polke-MajewskiEin Ende der Weltklimakonferenz ohne Ergebnis galt im vergangenen Jahr noch als Katastrophe. Zehn Monate später haben die meisten Politiker sich an den Gedanken gewöhnt, dass das Kyoto-Protokoll zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes nicht so in Kraft treten wird, wie es beschlossen und von vielen Ländern schon unterschrieben wurde.
In Bonn soll nun ein - wohl abgeschwächtes - Ergebnis erreicht werden. Aber selbst das steht in Zweifel. Präsident George W. Bush, ein erklärter Gegner des Kyoto-Abkommens, kündigte schon neue Konzepte zum Klimaschutz an. Die will er vielleicht während des G8-Gipfels in Genua präsentieren; oder sogar erst bei der folgenden Klimakonferenz im Herbst in Marokko.
Kämpfen gegen den Klimakollaps
Offiziell ist der Klimagipfel in der Bundesstadt keine neue Konferenz, sondern die Fortsetzung der unterbrochenen Tagung in der niederländischen Hauptstadt Den Haag im vergangenen Jahr.
Seit mehr als zwanzig Jahren ringen Klimaforscher, Umweltschützer und Politiker um eine internationale Vereinbarung, die den Klimakollaps verhindern soll. In Den Haag hatten sich im November Vertreter aus mehr als 160 Ländern der Erde getroffen, um über Möglichkeiten des Klimaschutzes zu sprechen. Es war die sechste Konferenz ihrer Art. Das Treffen endete ergebnislos. Vor allem die Europäische Union und die Vereinigten Staaten konnten sich auf kein gemeinsames Vorgehen einigen.
Fällt die Entscheidung in Genua?
Während die Umweltminister in Bonn tagen, treffen sich die wichtigsten Staats- und Regierungschefs in Genua: Die im Klimaschutz führenden Europäer, Deutschland und Großbritannien, Europas Verhandlungsführer Frankreich, die Vereinigten Staaten; auch Russland und Japan, denen die Schlüsselrolle bei der Ratifizierung des Protokolls zukommt. Denn sollten beide Länder dem Protokoll zustimmen, könnte es umgesetzt werden. Die Pflichtquote von 55 Prozent der Emissionen, die die Vertragsstaaten zusammen erreichen müssen, damit das Abkommen in Kraft tritt, wäre erfüllt. Die Vereinigten Staaten blieben außen vor.
Regierungen verhandeln seit vier Jahren
1997 beschlossen die Regierungsvertreter das Protokoll von Kyoto. Das Protokoll, das als Meilenstein in der Klimapolitik gilt, legt fest, wie viel Treibhausgase jedes Land einsparen soll. Es ist bisher aber von vielen wichtigen Industrieländern weder unterschrieben noch ratifiziert worden.
Drei Gruppen stehen sich bei den Vertragsverhandlungen in Bonn gegenüber: Die Europäische Union will, das die Einhaltung der Einsparungsverpflichtungen international kontrolliert und die Produktion von Treibhausgasen von allen Regierungen in ihren Ländern eingeschränkt wird. Die Vereinigten Staaten setzen auf die Regulationsmechanismen des Marktes. Entwicklungsländer wie China fordern, dass die Industriestaaten im Klimaschutz voran gehen und ihnen selbst Raum zur Entwicklung ihrer Wirtschaften lassen.
FAZ.NET informiert über die Hintergründe der Konferenz in einem Dossier mit Analysen, Interviews, einer Chronik und Grafiken.