http://www.faz.net/-gpf-8yksn

Doppelanschlag in Teheran : Revolutionsgarden beschuldigen Amerika und Saudi-Arabien

  • Aktualisiert am

Verzweifelte Flucht: Menschen klettern aus einem Fenster im Parlament in Teheran Bild: dpa

Der Terror trifft Irans Hauptstadt. Terrorkommandos töten im Parlament und am Schrein von Revolutionsführer Chomeini zahlreiche Menschen. Der IS bekennt sich zu der Tat. Die iranischen Revolutionsgarden verfolgen eine andere Theorie.

          Erstmals seit Jahren ist die iranische Hauptstadt Teheran von schweren Anschlägen erschüttert worden. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich am Mittwoch zu Angriffen auf das Parlament im Zentrum von Teheran und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini südlich der Stadt, bei denen zwölf Menschen getötet und dutzende weitere verletzt wurden. Zwei Attentäter sprengten sich in die Luft.

          Die iranischen Revolutionsgarden glauben hingegen, dass die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien in den Anschlag verwickelt sind. Dass der amerikanische Präsident Donald Trump kurz zuvor „eine der reaktionärsten Regierungen in der Region“ besucht habe, sei „sehr bedeutungsvoll“ und „zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt“ seien, erklärte die Eliteeinheit am Mittwoch mit Blick auf Trumps Besuch in Riad.

          Der Angriff im Parlament endete erst nach fünfstündigen Schusswechseln zwischen der Polizei und den Angreifern. Das IS-Sprachrohr Amaq meldete, „Kämpfer“ der IS-Miliz hätten die Anschläge auf das Parlament und das Mausoleum verübt. Es veröffentlichte ein Video der Angreifer aus dem Parlament, während der Angriff noch lief, was äußerst selten ist.

          Ein Mann schießt am Mittwoch auf ein Ziel am Parlament in Teheran Bilderstrecke

          Die Polizei teilte am Nachmittag mit, alle Attentäter seien getötet worden. Über Stunden waren Schüsse im Parlament zu hören, bevor die Polizei zum Sturm auf die Angreifer ansetzte. Laut den Rettungskräften wurden 39 Menschen verletzt. Laut dem Innenministerium sprengten sich die insgesamt sechs Angreifer in die Luft oder wurden erschossen.

          Zwei Gruppen hatten am Vormittag den Parlamentskomplex im Stadtzentrum und das Mausoleum südlich von Teheran gestürmt. Laut dem Vize-Innenminister Hossein Solfagari waren die vier Angreifer am Parlament als Frauen verkleidet. Ein Angreifer zündete seinen Sprengstoffgürtel in einem Bürogebäude des Parlaments, wo sich die Angreifer verschanzt hatten. Die anderen drei wurden erschossen.

          Der Anschlag ereignete sich, während die Abgeordneten gerade eine Sitzung abhielten. Fernsehbilder zeigten, wie die Parlamentarier ungerührt ihre Debatte fortsetzten. Parlamentspräsident Ali Laridschani bezeichnete die Angriffe als „nebensächliche Angelegenheit“ und zeigte sich überzeugt, dass die Sicherheitskräfte damit fertig werden würden.

          Am Mausoleum des Staatsgründers sprengte sich eine Frau in die Luft, der zweite Angreifer wurde laut dem Innenministerium erschossen. Zuvor war dort von zwei Selbstmordattentätern die Rede gewesen. Sicherheitskräfte riegelten das Parlament und das Grabmal ab, das an der Autobahn zur Theologenstadt Ghom südlich von Teheran liegt.

          Die IS-Miliz hatte dem mehrheitlich schiitischen Iran wiederholt mit Angriffen gedroht. Im März veröffentlichte sie ein Video auf Persisch, in dem sie drohte, den Iran zu erobern und „der sunnitischen muslimischen Nation zurückzugeben“. Wie andere sunnitische Extremisten betrachtet die IS-Miliz Schiiten als Ungläubige und verübt regelmäßig Anschläge gegen sie.

          Das Geheimdienstministerium erklärte am Mittwoch, eine dritte Gruppe von „Terroristen“ sei vor den Angriffen ausgeschaltet worden. Innenminister Abdolrahman Fasli berief eine Krisensitzung ein. „Dieser Angriff wird die Haltung unseres Volkes gegen den Terror stärken“, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bei einem Besuch in Ankara.

          Die Türkei, Syrien, Irak, Russland und Frankreich verurteilten den Anschlag ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die dem Iran sehr kritisch gegenüberstehen. Der Iran unterstützt im syrischen Bürgerkrieg Machthaber Baschar al-Assad sowie schiitische Milizen im Irak. Die Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten sind sehr angespannt.

          Dass es im Iran bisher nicht zu größeren IS-Anschlägen kam, führen Experten auch auf die scharfe Überwachung der Gesellschaft durch den Geheimdienst zurück. Zwar sind im Nordwesten des Iran kurdische Rebellen sowie im Südosten sunnitische Separatisten aktiv, doch begehen sie zumeist keine Angriffe in den Großstädten.

          Erst am Sonntag hatte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei im Mausoleum bei einer Kundgebung zum 28. Todestag Khomeinis dem Westen eine verfehlte Strategie gegen Dschihadisten vorgeworfen. „Dies ist ein Feuer, das (der Westen) selbst entzündet hat und nun gegen ihn zurückgeschlagen ist“, sagte Chamenei.

          Die letzten Anschläge in Teheran wurden Anfang der 2000er Jahre von den Volksmudschaheddin verübt, doch schwor die Oppositionsgruppe seitdem der Gewalt ab.

          Weitere Themen

          Vorfreude auf die Fahrerlaubnis Video-Seite öffnen

          Frauen in Saudi-Arabien : Vorfreude auf die Fahrerlaubnis

          Saudi-Arabien war bisher das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren durften. Doch König Salman hatte im vergangenen Herbst dafür gesorgt, dass die Gesetze geändert wurden. Und am 24. Juni fällt nun endlich das Fahrverbot für Frauen.

          Topmeldungen

          Joachim Löw: „Wir haben immer geglaubt, dass wir das Spiel noch drehen können.“

          Löw nach Schweden-Spiel : „Es war ein Sieg der Moral“

          Die Wende gegen Schweden sieht Bundestrainer Löw als positives Zeichen für das weitere Turnier. Über ein mögliches Achtelfinale gegen Brasilien will er aber noch nicht sprechen.

          Flüchtlinge : EU-Staaten drängen auf Abschottung

          Vor dem Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik verlangt Österreich den Einsatz von Soldaten an der EU-Außengrenze. Frankreich und Spanien fordern die Einrichtung von Flüchtlingszentren. Bundestagspräsident Schäuble warnt Horst Seehofer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.