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Djerba-Prozess Deutscher zu 18 Jahren Haft verurteilt

Der Deutsche Christian Ganczarski ist von einem Pariser Schwurgericht zu achtzehn Jahren Haft wegen Unterstützung des Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba vor knapp sieben Jahren verurteilt worden. Auch ein Bruder des Attentäters stand vor Gericht.

© AFP Vergrößern Skizze aus dem Pariser Gerichtssaal: Links der verurteilte Christian Ganczarski, vor ihm sein Anwalt Sebastien Bono, rechts der Tunesier Walid Nawar.

Ein deutscher Staatsbürger ist wegen Beteiligung an einem Al-Qaida-Attentat im Jahr 2002 auf der tunesischen Ferieninsel Djerba zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Ein französisches Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass der Duisburger Christian Ganczarski von dem Attentat gewusst und es unterstützt hatte. Er war nach Ansicht der Richter Komplize des Attentäters und Mitglied des Terrornetzes Al Qaida. 21 Personen waren damals ums Leben gekommen, unter ihnen 14 deutsche Touristen.

Der 1986 zum Islam konvertierte Ganczarski sitzt seit mehr als fünfeinhalb Jahren in Frankreich in Untersuchungshaft. Er bestritt bis zuletzt jegliche Mitwisserschaft und Al-Qaida-Mitgliedschaft. „Ich habe niemals von einem Attentat gewusst“, sagte der Vater von fünf Kindern in seinem Schlusswort. Seine Afghanistan-Reisen hätten nichts mit irgendwelchen Anschlagsplanungen zu tun gehabt. „Es war nicht das, was ich in Afghanistan unterstützt habe.“ Die Anklage hatte 30 Jahre Gefängnis für den Deutschen gefordert.

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„Vergiss nicht, für mich zu beten“

Als Belege für die Beteiligung Ganczarskis hatte die Staatsanwaltschaft die zahlreichen Reisen des heute 42 Jahre alten Mannes nach Afghanistan gewertet, bei denen er neben Usama bin Ladin zahlreiche andere hohe Al-Qaida-Mitglieder und auch den Attentäter Nizar Nawar getroffen hatte. Kurz vor dem Anschlag hatte Ganczarski zudem einen Anruf von Nawar erhalten, in dem dieser ihn um „göttlichen Segen“ bat und sagte „Vergiss nicht, für mich zu beten“.

Synagoge © AP Vergrößern Inspektion der Schäden nach dem Brand

Die deutsche Justiz hatte das abgehörte Gespräch ebenfalls ausgewertet und Ganczarski vernommen. Sie sah jedoch keine hinreichenden Beweise für eine Mitwisserschaft des Duisburgers. Die Richter in Paris mussten ihr Urteil - wie bei solchen Verfahren in Frankreich üblich - nicht begründen. Die Einigung auf „schuldig in allen Anklagepunkten“ sei jedoch einstimmig gefallen, hieß es.

Bruder des Attentäters ebenfalls verurteilt

Ganczarski hatte die Strafforderung in seinem Schlusswort als „unglaublich“ bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft mache sich keine Gedanken darüber, wie es sei, wenn ein Unschuldiger mit 30 Jahren Haft konfrontiert werde. Aber dies sei ja egal, sagte Ganczarski. „Es geht ja nur um einen Muslim, der noch dazu Usama bin Ladin kennt.“ Als Hintergrund seiner Bekanntschaft mit Bin Ladin nannte Ganczarski persönliche Gründe. Seine Tochter sei wie der Al-Qaida-Führer zuckerkrank.

Zusammen mit Ganczarski saß der Bruder des tunesischen Selbstmordattentäters Nizar Nawar auf der Anklagebank. Ihn verurteilte das Gericht wegen Mittäterschaft zu zwölf Jahren Haft. Auch er bestritt jegliche Schuld. „Ich möchte für meine Familie um Entschuldigung bitten für das Grauen, das mein Bruder angerichtet hat“, sagte Walid Nawar vor Gericht. „Der Bruder, den ich kannte, war ein anderer.“

Mit Flüssiggastransporter in die Luft gesprengt

Der 24 Jahre alte Nizar Nawar hatte sich am 11. April 2002 an der Synagoge La Ghriba mit einem Flüssigtransporter in die Luft gesprengt. Die Synagoge war ein beliebtes Ziel von Djerba-Touristen. Die tunesische Regierung gab erst elf Tage nach der verheerenden Explosion zu, dass es ein Attentat gewesen war. Die französische Justiz nahm die Ermittlungen auf, weil bei dem Anschlag auch zwei Franzosen ums Leben gekommen waren.

Bis Ende Januar war im Pariser Prozess auch gegen den Kuwaiter Chalid Scheich Mohammed verhandelt worden. Weil er von den Vereinigten Staaten in Guantánamo auf Kuba gefangen gehalten wird, wurde dieses Verfahren jedoch abgetrennt. Scheich Mohammed soll auch hinter den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 stehen. Er gilt als rechte Hand des Usama bin Ladins.

„Ein Krieg gegen meinen Mandanten“

Ganczarskis Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen. Das Urteil sei nicht akzeptabel und nicht nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft habe einen „Krieg“ gegen seinen Mandanten geführt. Die deutschen Überlebenden können sich trotz des Urteils nur wenig Hoffnung auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz machen. „Beide sind wohl nicht zahlungsfähig“, sagte Opferanwältin Judith Adam-Caumeil über die Verurteilten. Vielleicht gebe es aber nun die Möglichkeit, für ihre 22 deutschen Mandanten einen Garantiefonds in Anspruch zu nehmen. Sie habe 1,5 Millionen Euro beantragt, und dies sei nur ein Vorschuss.

Noch offen ist zudem das Ermittlungsverfahren gegen Ganczarski bei der deutschen Bundesanwaltschaft. Man warte das Urteil in Frankreich ab und hoffe, dass sich womöglich neue Erkenntnisse ergäben, hieß es dazu am Donnerstag aus Karlsruhe. Abgesehen davon könne Ganczarski bald nach Deutschland zurückkehren. Vorausgesetzt, die deutschen und französischen Behörden stimmten zu, habe er nun die Möglichkeit, sich in ein deutsches Gefängnis verlegen lassen, sagte ein Jurist.

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
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