Die Kardinäle in Rom haben sich bis zum Mittag des zweiten Konklavetages noch nicht auf einen neuen Papst verständigt. Nach dem zweiten und dritten Wahlgang am Mittwochvormittag stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle schwarzer Rauch auf - als Zeichen dafür, dass kein Kandidat die nötige Zweidrittelmehrheit auf sich vereinen konnte.
Am späten Nachmittag sind bis zu zwei weitere Wahlgänge geplant. Mit einer “fumata“ wird spätestens gegen 19 Uhr zu rechnen sein. Bis zum Beginn der neuen Abstimmungen stehen Mittagessen und -ruhe auf dem Programm. Allerdings bieten die gemeinsame Mahlzeit und die lange Pause den Kardinälen auch die Gelegenheit, sich über Kandidaten zu unterhalten und Absprachen zu treffen. Wann der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. feststeht, ist offen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Kardinäle noch in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen.
Erst weißer Rauch zeigt an, dass der 266. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gewählt worden ist. Ein erster Wahlgang fand am Dienstagabend in der streng von der Außenwelt abgeschotteten Sixtinischen Kapelle statt. Er sollte als eine Art Probeabstimmung zeigen, ob sich schon eine größere Gruppe von Kardinälen auf einen oder mehrere Kandidaten geeinigt hätten. In den einwöchigen Beratungen vor Beginn des Konklaves hatte sich kein Kardinal als künftiger Papst aufgedrängt. Überhaupt zeigt die Geschichte der Konklave, dass sie nicht einem vorgegebenem Muster folgen.
Immer neue Facetten des Petrusamtes
Überhaupt ist nichts beständiger als der Wechsel - auch in der katholischen Kirche. Schon in den verschiedenen Papstgestalten des 20. Jahrhunderts - von dem eifernden Pius X. über den irenischen Benedikt XV., den zunehmend autistischen Pius XII. bis zu den charismatischen Päpsten Johannes XXIII. und Johannes Paul II. - spiegeln sich immer neue Facetten des Petrusamtes.
Nicht weniger spannungsreich verliefen die Wahlversammlungen, aus denen die Päpste hervorgingen. Meist standen sich während des sogenannten Vorkonklaves mehrere Parteien gegenüber, die ungleich verbissener als heute um die Macht in Rom und über die Kirche kämpften. Selten machte einer der Vorkämpfer das Rennen. Die Dynamik der Papstwahl bestand zumeist darin, dass sich die Parteiungen schnell auflösten und ein Dritter aus dem Konklave als Papst hervorging.
Keine Regel ohne Ausnahme. Wie Joseph Kardinal Ratzinger im April 2005 ging im 20. Jahrhundert zweimal ein Kardinal als Papst in das Konklave und kam nicht wieder als Kardinal heraus. So geschehen mit dem langjährigen Diplomaten und Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der bei seiner Wahl am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als einziger Kardinal im Rufe stand, die Kirche inmitten der Stürme der Zeit leiten zu können. Pacelli regierte als Pius XII. bis 1958. Als er starb, hatte er seit mehreren Jahren keinen Kardinalstaatssekretär ernannt und auch keine neuen Kardinäle. Bis heute ist er der Papst des 20. Jahrhunderts, über dessen Regierungsführung am kontroversesten diskutiert wird.
In innerkirchlich kaum ruhigeren Zeiten wurde Kardinal Giovanni Battista Montini zum Papst gewählt. Papst Johannes XXIII. war 1963 verstorben, wenige Monate nach dem Beginn des II. Vatikanischen Konzils. Das Kardinalskollegium, das es sich trotz des Konzils nicht nehmen ließ, den Papst zu wählen, einigte sich schnell auf den Erzbischof von Mailand. Montini bot die Gewähr, den Kurs der Öffnung fortzuführen, den das Konzil eingeschlagen hatte, ohne die skeptische Minderheit auf diesem Weg zurückzulassen. Als Papst wählte Montini ungewöhnlicherweise einen Apostelnamen: Er wurde der sechste mit Namen Paul und sollte bis 1978 regieren. Als er starb, hatte er durch die Erhöhung der Zahl der wahlberechtigten Kardinäle auf 120, die Verleihung der Kardinalswürde an die Patriarchen der mit Rom unierten Ostkirchen sowie die gegen massiven Widerstand durchgesetzte Begrenzung des aktiven Wahlrechts auf die Kardinäle unter 80 Jahren dem Konklave die innere Gestalt gegeben, die es heute hat.
Die meisten Papstwahlen der jüngeren Geschichte fanden indes in einem gespannten Klima statt. Dieses äußerte sich meist in kontroversen Beurteilungen des vergangenen Pontifikats wie in starken Polarisierungen innerhalb des Kardinalskollegiums. „Ich kann mich selbst nicht daran hindern zu denken, dass die Vorsehung gewöhnlich zulässt, dass die Schwächen einer Regierung sich gegen deren Ende hin zeigen, um die notwendigen Reaktionen vorzubereiten und sie den Nachfolgern zu erleichtern“, notierte der belgische Kardinal Désiré-Joseph Mercier in den letzten Augusttagen des Jahres 1914. Die Stimmung während des Konklaves 2013 ließe sich nicht treffender beschreiben.
In den vergangenen Tagen wurden die Themen Kurienreform, Kollegialität und Neuevangelisierung diskutiert, damals hießen die Themen Antimodernismus, Erneuerung der Frömmigkeitsformen und Liturgie. Nur eines hielten alle Kardinäle dem verstorbenen Papst Pius X. zugute: Kardinal Giuseppe Melchiorre Sarto war im August 1903 nur deswegen Papst geworden, weil der österreichische Kaiser Franz Joseph während des Konklaves gegen den frankophilen Kardinal Rampolla ein Veto einlegen ließ und die Mehrheit der Kardinäle dieses akzeptiert hatte. Gut ein Jahr nach seiner Wahl machte Sarto dem jahrhundertealten Vetorecht der „katholischen Mächte“ ein Ende. Sein Nachfolger Benedikt XV., der 1914 Papst wurde, war aber ein Mann vom Schlage Rampollas. Die Unterlegenen von 1903 rächten sich.
Eiferer und Gemäßigte
Wie in der gesamten Kirchengeschichte der Neuzeit standen sich auch im 20. Jahrhundert mehrfach Eiferer (“zelanti“) und Gemäßigte (“politicanti“) gegenüber, zuletzt im Oktober des Drei-Päpste-Jahres 1978. Damals mussten sich die Kardinäle binnen weniger Wochen zum zweiten Mal in Rom einfinden, weil Papst Johannes Paul I. (Albino Luciani), der Nachfolger Pauls VI., nach nur drei Wochen verstorben war. Soweit sich der Verlauf des Konklaves rekonstruieren lässt, kam es nach den einleitenden Wahlgängen zu einem Patt zwischen den Kardinälen Siri (Genua), dem Repräsentanten der Zelanti, und Benelli (Florenz), dem Kandidaten der Politicanti. Die Blockade löste sich erst auf, als sich maßgebliche Kardinäle, nicht zuletzt deutschsprachige, für den Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla starkmachten. Dieser starb als Johannes Paul II. im April 2005.
Unter dem Eindruck der weltumspannenden Trauer um den wohl größten Papst der jüngeren Geschichte und der „Santo subito“-Rufe (“sofort heiligsprechen!“) stand den Kardinälen damals nicht der Sinn nach einer nüchternen Betrachtung des Zustandes der Kirche oder nach einem Nachfolger, dessen Wahl als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Diskontinuität hätte gedeutet werden können. Schon am zweiten Tag des Konklaves wurde aus Joseph Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI.
In welchen Bahnen seit Dienstag das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers verläuft, lässt sich nur erahnen. Sicher ist, dass diesmal viele Kardinäle von der Person des Nachfolgers einen deutlichen Bruch mit vielen Usancen der Kurie bis hin zu einer theologisch unterfütterten Neubestimmung der Aufgaben des Bischofs von Rom erwarten.
Allerdings trat während des Vorkonklaves nicht ein Kardinal in Erscheinung, der sich auf Anhieb das Vertrauen der Mehrheit der Kardinäle erworben hätte. Gut möglich, dass es nach den ersten Abstimmungen wieder zu einem Patt kommt, etwa zwischen Italophilen und Italophoben. Dann müsste wie 1978 ein Dritter ausgedeutet werden. Oder aber die Kardinäle setzen ein Zeichen der Geschlossenheit und damit auf jenen Kandidaten, der am schnellsten zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinigen könnte. In dem einen oder anderen Fall aber dürften Tage, nicht Wochen vergehen, ehe es heißt: „Habemus Papam.“
"Alle blicken auf den Schornstein"
Helga Zießler (Steuernagel34)
- 13.03.2013, 18:38 Uhr
Liebe Medien
Herbert Sax (H.Sax)
- 13.03.2013, 18:35 Uhr
Die Atheisten...
Jörg Tiffert (Tiffy)
- 13.03.2013, 18:08 Uhr
Habemus fumum!
Karl S. Walter (skeptiker01)
- 13.03.2013, 16:42 Uhr
Volksverhetzung!
ulrich moskopp (ulrichmoskopp)
- 13.03.2013, 15:58 Uhr