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Papstwahl : Kardinäle sammeln Stimmen für Odilo Scherer

Hat wichtige Fürsprecher im Kardinalskollegium: Odilo Scherer, Erzbischof von São Paulo Bild: REUTERS

Der 63 Jahre alte Erzbischof von São Paulo, Odilo Scherer, gilt im Vatikan offenbar als ein Favorit für die Nachfolge Benedikts XVI. An diesem Montag beginnt das „Vorkonklave“.

          Beim Vatikan wollen „gut informierte Kreise“ wissen, dass „viele“ der angereisten Kardinäle aus aller Welt einen Papst wählen wollen, der nicht aus Italien kommt. Aber es werden auch zwei italienische Kardinäle genannt, die offenbar Stimmen für den Erzbischof von São Paulo in Brasilien, Odilo Scherer, sammeln. Scherer, ein 63 Jahre alter Theologe und Pfarrer, dessen Vorfahren im 19. Jahrhundert aus dem Saarland ausgewandert waren, wurde von Benedikt XVI. 2007 in das Kardinalskollegium aufgenommen.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Scherer sei ein Favorit, weil er von 1994 bis 2001 in der Bischofskongregation Kurienerfahrungen gesammelt habe, aber nicht mehr zur Kurie gehöre. Er sei ein begnadeter Seelsorger, aber könne auch verwalten; er sei in Amerika und Europa zu Hause. Zwei Kriterien seien für die Auswahl zudem wichtig: Der neue Papst müsse eine radikale Kurienreform umsetzen und den Kurs der „Null-Toleranz“ bei sexuellem Missbrauch fortsetzen.

          Vorkonklave beginnt

          An diesem Montag beginnen unter Leitung von Kardinaldekan Angelo Sodano die Generalkongregationen, für die sich alle Kardinäle zweimal am Tag zur kollegialen Leitung der Kirche während der Sedisvakanz, der Zeit ohne Papst, treffen. In diesem „Vorkonklave“ sitzen wie Sodano auch Kardinäle, die mehr als 80 Jahre alt sind und nicht ins Konklave einziehen dürfen. Das Gremium kann die Regeln der Papstwahl nicht ändern, aber es legt den Termin fürs Konklave fest.

          In seinem letzten „Motu Proprio“, dem am 22. Februar „selbst veranlassten“ Schreiben, stellte Benedikt XVI. den Kardinälen frei, den Beginn vorzuziehen, „wenn klar ist, dass alle wählenden Kardinäle anwesend sind“. Das Konklave werde am 11. März beginnen, heißt es nun. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte derweil, noch sei auch die Sixtinische Kapelle, der Ort des Konklaves, nicht bereit. Sie sei weiter für Besucher zugänglich.

          Die Kardinäle Sodano und Giovanni Battista Re werden als Förderer Scherers genannt. Sodano mag daran interessiert sein, die italienischen Kardinäle auszuschalten, die zum Kreis seines Nachfolgers als Kardinalstaatssekretär und Widersachers Tarcisio Bertone gehören. Aber Re darf sich nicht festlegen; denn er wird als ranghöchster wahlberechtigter Kardinalbischof das Konklave leiten.

          „Wer als ,papabile’ das Konklave betritt, ...“

          In der Geschichte der Papstwahl wurden vielfach Purpurträger als „papabile“ favorisiert, um sie auszuschalten; nach dem Motto: „Wer als ,papabile’ das Konklave betritt, kommt als Kardinal heraus.“

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          Papst-Wahl : So funktioniert das Konklave

          In diesen Tagen ist kein Kardinal bereit, sich offen auf einen Favoriten festzulegen. Aber spürbar bleibt, dass die etwa 20 Purpurträger an der Kurie weniger Chancen haben als die aus der Ferne. Der Kurie wird angelastet, sie habe Benedikt XVI. in seinem Drängen nach Transparenz beim Missbrauchsskandal, beim Umbau der Vatikanbank IOR und in der Affäre um die gestohlenen Dokumente aus seinem Büro nicht genug unterstützt. Zudem werden Kuriengeistliche im Abschlussbericht dreier emeritierter Kardinäle zu den Hintergründen von „Vatileaks“ belastet, die auf „Abgründe von Hass und Missgunst“ in der Kurie stießen. Die drei Kardinäle dürfen über ihren Bericht sprechen; Re liegt er vor.

          Glück wünscht Strukturreformen

          Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, wünscht sich einen Papst mit „authentischer geistlicher Ausstrahlung“, der über „seelsorgerliche Erfahrung“ verfüge und den „Alltag der Menschen“ kenne. Außerdem solle er den Ortskirchen mehr Eigenverantwortung überlassen. Ratzinger habe, auch schon als Präfekt der Glaubenskongregation, für eine Machtverschiebung zugunsten des Vatikans gesorgt.

          Quelle: F.A.Z.

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