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Papstwahl Ein Kampf in Rom

 ·  Kardinäle aus aller Welt streiten in Rom darüber, ob nur ein Papst gewählt oder auch die Kurie reformiert werden soll. Ein Favorit für die Nachfolge Benedikts ist nicht in Sicht.

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© dpa In den vergangenen Tagen kamen die Kardinäle in Rom zu zahlreichen Vorberatungen zusammen

Es mag ruhig erscheinen in diesen Tagen in Rom, wo die erste Frühlingssonne die Menschen wieder in die Cafés und auf die Plätze gelockt hat, über sich die Möwen, die mit ihren heiseren Rufen die Blicke in das makellose Blau des Himmels lenken. Aber im Vatikan rund um Sankt Peter herrscht Tage vor der Papstwahl ein unsichtbarer Kampf. Nicht viel erfahren die Beobachter, die den Kardinälen vor ihren Herbergen auflauern oder mit ihnen Botschaften über das Mobiltelefon austauschen. Aber klar wird, dass die Kurie den Gang des Konklaves lenken will und bei den Kardinälen aus aller Welt auf Widerstand stößt. Die italienischen Kardinäle wollen nach zwei Ausländern wieder einen Papst ihrer Zunge, und sein Staatssekretär sollte nicht zu viel Modernität, Transparenz und Menschennähe in die Kurie bringen. Viele Italiener wünschten sich, dass die lästige Erfahrung mit Benedikt XVI. nicht von seinem Nachfolger verlängert wird, sagt ein deutscher Priester und Kurienbeamter, der seinen Namen nicht genannt wissen will. „Es wäre ihnen auch am liebsten, wenn von diesem Krieg nichts nach draußen dringt. Deswegen wollten die Italiener ein Konklave so schnell wie möglich.“ Sinnbildlich balgen sich vor aller Augen und laut Möwen und Raben über Sankt Peter um die Brosamen der Pilger.

In den Himmel über Rom war auch Papst Benedikt entschwebt. Am letzten Februartag hatte ein weißer Hubschrauber den Mann in Weiß von der Erde fortgenommen - unter sich die Ewige Stadt, hinter sich eine Last, die zu tragen die Kräfte des 85 Jahre alten Mannes überstieg, vor sich die Aussicht auf ein Leben voller Gebet, Bücher und Musik. „Erleichtert, gelöst, ganz mit sich im Reinen“, so beschreiben alle, die dem Papst seit der Ankündigung seines Amtsverzichts am 11. Februar begegnet sind, die letzten Tage des sechzehnten Benedikt als Bischof von Rom und geistliches Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Doch die Kurie, die der Papst hinter sich ließ, ist in ihren Grundfesten erschüttert. Die angereisten Kardinäle wollen darüber so viel wie möglich erfahren, hätten am liebsten schriftliche Rechenschaftsberichte; stattdessen müssen sie sich mit vagen Informationen begnügen, nicht selten auch mit der Lektüre der italienischen Presse. Am Donnerstag meldete sich die Zeitung „La Repubblica“, die gerne mit sensationellen Berichten über vatikanische Interna aufwartet, deren Wahrheitsgehalt bestenfalls zu erahnen ist, und wollte mit einem der schrägen Vögel ein Interview geführt haben. Der Raben seien viele, brüstete sich der Befragte, der selbst zu denen gehört haben will, die in den vergangenen Jahren viele hundert Dokumente vom Schreibtisch des Papstes beiseitegeschafft hatten. Natürlich alles in bester Absicht. Denn der „gute Papst“ sei ein Opfer finsterer Machenschaften gewesen, ein Gefangener in einem Vatikan aus kardinalen Seilschaften, Finanzstrohmännern und mit einer lebensfrohen „lobby gay“. Die ganze Wahrheit müsse endlich ans Licht - der Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi schreibt wahrscheinlich schon an seinem nächsten Buch.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass „La Repubblica“ am Sonntag zuvor die Kardinäle darüber nicht im Unklaren gelassen hatte, was sich im Blick auf die Wahl des Nachfolgers von Benedikt hinter den Mauern des Vatikans anbahnte: Die beiden italienischen Kardinäle Angelo Sodano und Giovanni Battista Re seien dabei, Stimmen für Kardinal Odilo Scherer zu sammeln. Da war etwa ein Dutzend Papstwähler noch nicht einmal in Rom eingetroffen, die übrigen hatten sich kaum beraten und wussten wohl kaum etwas von dem angeblich gemeinsamen Wunschkandidaten des Dekans des Kardinalskollegiums und des Leiters des Konklaves: dem Brasilianer mit saarländischen Vorfahren, der acht Jahre in der Bischofskongregation in Rom gearbeitet hatte und als Erzbischof von São Paulo einem der größten Bistümer der Welt vorsteht. Wie zur Antwort druckte Tage später Brasiliens größte Tageszeitung „Folha de São Paulo“ einen Bericht, wonach der Vorsitzende der brasilianischen Bischofskonferenz, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, auf Stimmenfang für den Erzbischof von São Paulo gehe. War „La Repubblica“ nur auf den Wunsch der Brasilianer eingegangen, die Nachricht vom guten Kandidaten zu verbreiten? Ziehen Sodano, Re und Scherer an einem Strang? Oder sollte ein aussichtsreicher Kandidat öffentlich bloßgestellt werden?

Kommunikation im Vatikan gründlich gestört

Klar war den Kardinälen vor ihrer ersten Zusammenkunft nur eines: Mögen viele Vorfälle, die sich in den vergangenen Jahren im Vatikan abgespielt haben, noch so rätselhaft erscheinen: je größer der räumliche oder auch nur der innere Abstand von Rom war, Nachhilfe in der Frage, ob es in der Kurie und in der italienischen Kirche noch mit rechten Dingen zugeht, brauchen die meisten ausländischen Papstwähler nicht. Ob der australische Kardinal George Pell, einer der leidenschaftlichsten „Ratzingerianer“, ob Rubén Salazar Gómez, der erst im Dezember in das Kardinalskollegium aufgenommene Erzbischof von Bogotá, oder auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner, dessen Papsttreue über jeden Verdacht erhaben ist: sie alle hatten längst vor dem Beginn der sogenannten Generalkongregationen öffentlich kundgetan, dass das Pontifikat Papst Benedikts am Ende unter keinem guten Stern stand.

Denn wer oder was auch immer hinter „Vatileaks“ stand und steht: Seit der Veröffentlichung Dutzender vertraulicher Dokumente von mehr oder weniger großer Bedeutung ist die Kommunikation innerhalb des Vatikans sowie zwischen den Botschaften und Bischöfen in aller Welt und der Zentrale in Rom gründlich gestört. Wer sich schriftlich an den Papst oder an Kurienbehörden wendet, der muss gewärtigen, dass sein Anliegen unbefugten Personen zu Gesicht kommt. Und selbst der Worte sollten nicht zu viele gewechselt werden. Niemand mag ausschließen, dass Unbefugte Telefongespräche mithören. Manch einer schaltet in kritischen Momenten auch das Mobiltelefon aus. Ob diese Vorkehrungen ausreichten, ist nicht gewiss. „Man ist hier vor nichts sicher“, heißt es aus dem Mund derer, die es wissen müssten.

Enttäuschende Menschenkenntnis

Gerade die Wohlmeinenden sind es daher, die bei allem Respekt vor der Lebensleistung Benedikts nicht die Augen davor verschließen, dass er es nicht mehr wagte, die Kurie zu reformieren. Diese hatte schon unter seinem Vorgänger Johannes Paul II. ein ausgeprägtes Eigenleben entwickelt. Doch hieß es in dessen letzten Jahren resignierend, der Nachfolger müsse sich dieser Mühe unterziehen und für mehr Koordination und Kollegialität innerhalb der Kurie und mit den Bischöfen weltweit sorgen. Papst Benedikt aber ließ die Kurie nicht nur Kurie sein. Er verschärfte deren Krise noch, indem er Schlüsselpositionen mit unfähigen Mitarbeitern besetzte. Die waren zwar loyal, aber ihren Aufgaben nicht gewachsen - allen voran sein Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Gerade unter den „Ratzingerianern“ ist die Enttäuschung über die mangelnde Menschenkenntnis des Papstes bis heute groß.

Kardinal Meisner sprach für viele, als er unter dem Schock der Rücktrittsankündigung des Papstes am 11. Februar im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. Während der Affäre um Bischof Richard Williamson von der Pius-Bruderschaft, der sich als Holocaust-Leugner hervorgetan hatte, sei er im Auftrag mehrerer Kardinäle zu Papst Benedikt gegangen und habe ihm gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen Kardinal Bertone entlassen! Er ist der Verantwortliche - ähnlich wie der zuständige Minister in einer weltlichen Regierung.“ Der Papst habe geantwortet: „Hör mir gut zu! Bertone bleibt! Basta! Basta! Basta!“ Auch Kardinal Schönborn soll diese Erfahrung gemacht haben.

Nicht nur Bertone blieb. Es blieb auch der Dekan des Kardinalskollegiums, Bertones Vorgänger und Intimfeind Angelo Sodano. Dabei wusste niemand im Vatikan besser als Ratzinger, wie tief der mit allen Wassern gewaschene Kirchendiplomat Sodano zusammen mit seinem Kronprinzen Leonardo Sandri in die Machenschaften des Gründers der „Legionäre Christi“, Marcial Maciel Degollado, verstrickt war. Schon 1997 war Ratzinger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre auf den Mexikaner aufmerksam gemacht geworden, weil dieser sich schwerster Vergehen gegen das Kirchenrecht wie der wechselseitigen Lossprechung in der Beichte mit seinen Sexualpartnern in der Priesterschaft hatte zuschulden kommen lassen. Später wurde bekannt, dass Maciel nicht nur zeit seines Lebens ein Päderast war, sondern mit zwei Frauen drei Kinder gezeugt hatte. Noch im Jahr 2005, als Ratzinger längst im Begriff war, gegen Maciel vorzugehen, ließen Sodano und Sandri öffentlich erklären, dass an den Vorwürfen gegen den Gründer der „Legionäre“ nichts dran sei.

Doch anstatt Bertone nach der Williamson-Affäre im Jahr 2008 durch einen fähigen Kardinalstaatssekretär zu ersetzen und auf Wege zu sinnen, wie der mehr als achtzig Jahre alte Sodano als Dekan des Kardinalskollegiums hätte abgelöst werden können, beließ Papst Benedikt alles beim Alten. Auch das hat mehr als einen Kardinal zu einer Äußerung veranlasst, wie Meisner sie Papst Benedikt zugeschrieben hat: „Es reicht.“ Denn die Leitung der „Generalkongregation“, jener Zusammenkunft der Kardinäle, die seit Montag mindestens einmal am Tag stattfindet, obliegt bis zum Beginn des Konklaves niemand anderem als Angelo Sodano, dem Dekan des Kardinalskollegiums. Und an der Spitze der sogenannten Sonderkongregation, die das Konklave vorbereitet, steht in der Funktion des Kardinalkämmerers (Camerlengo) seit Montag niemand anderer als Tarcisio Bertone.

Wenig Ordnung

Freilich waren beide Kardinäle in dieser Woche klug genug, um ihre Karten nicht zu überreizen. Anstatt die Beratungen des Kardinalskollegiums in eine bestimmte Richtung zu steuern, etwa auf einen frühen Beginn des Konklaves hin, setzte Sodano an zwei Nachmittagen keine gemeinsamen Beratungen an. So hatten die Kardinäle reichlich Gelegenheit, zu telefonieren und sich unbeobachtet zu kleinen Zirkeln in Kollegien oder Ordenshäusern zusammenzufinden. Auch innerhalb der Beratungen ließ Sodano Raum zur Diskussion - was so viele Kardinäle zu Wortmeldungen veranlasste, dass die Redezeit auf fünf Minuten begrenzt wurde. Dennoch entstand schon bald das von den Bischofssynoden bekannte Durcheinander, dem unter Papst Benedikt trotz vehementer Kritik gleichfalls nicht abgeholfen worden war. Denn anstatt themen- und sachorientiert zu arbeiten, wurde stur eine Rednerliste abgearbeitet. Sprach der eine von der Notwendigkeit einer Neuevangelisierung, verlangte der Nächste Aufklärung über die Durchstechereien in der Kurie, woraufhin der Dritte sich zur Fragen der Ökumene äußerte und der Vierte das Wort „Kollegialität“ in das Rund rief.

Immerhin wurde am Mittwoch der Unmut so groß, dass die für Verfahrensfragen zuständige Sonderkongregation unter Leitung Bertones sich dem Wunsch vieler Kardinäle beugte, künftig Themenschwerpunkte zu setzen und konzentrierter zu diskutieren. Doch sie alle hatten ihre Rechnung ohne Sodano gemacht. Der ließ am Donnerstagvormittag die neue Ordnung Ordnung sein und nach alter Art „diskutieren“. Erst während der zweiten Zusammenkunft des Tages am späten Nachmittag ging es thematisch disziplinierter zu; aber auch nach sechs Sitzungen heißt es weiter, die offiziellen Begegnungen erbrächten wenig. Mit dem Ritual der von den Italienern bestimmten Generalkongregationen werde geradezu versucht, die Probleme der Kirche zu verbrämen.

Eine andere Stimmung herrscht unter den Kardinälen

Das lässt im Gegensatz zu den diplomatisch verschwurbelten Verlautbarungen des vatikanischen Pressesprechers, des Jesuiten Federico Lombardi, den Schluss zu, dass die Stimmung unter den Kardinälen diesmal anders ist als vor acht Jahren. Unter dem Eindruck des langen, weltweit gewürdigten Pontifikats von Papst Johannes Paul II. stand damals nur einer Minderheit der Sinn nach einem Neuanfang. Kontinuität in theologischen Fragen wie im institutionellen Arrangement der Kirche schien das Gebot der Stunde. Als Gewährsmann für eine Fortsetzung des Pontifikats stand der 78 Jahre alte Joseph Kardinal Ratzinger bereit. Schon während der Generalkongregationen schälte sich der theologische Kopf des Pontifikats von Johannes Paul II. als aussichtsreichster Kandidat heraus, der mit Unterstützung der Mehrheit der Papstwähler in das Konklave einziehen würde. Die Frage war nur, ob es einer Minderheit gelingen könnte, einen Gegenkandidaten aufzubauen - einen, der über mehr als dreißig Wahlgänge hinweg so viele Stimmen auf sich hätte vereinigen müssen, dass Ratzinger die Zweidrittelmehrheit verwehrt geblieben wäre. Weder fand sich ein solcher Kandidat noch stand den Kardinäle der Sinn nach einem langen Konklave, denn dieses wäre als Ausdruck der Uneinigkeit gewertet worden. Also hieß der neue Papst schon nach wenigen Wahlgängen Joseph Ratzinger.

Dieses Mal fehlt es im Kardinalskollegium jedoch nicht nur an einer Person, die von einer ähnlich starken Aura umgeben wäre wie einst Ratzinger als Theologe. Es fehlt auch an Kardinälen, die sich als visionäre Seelsorger, charismatische Kommunikatoren und dazu als gute Verwalter über ihre Herkunftsregion hinaus einen Namen gemacht hätten. Daher heißt es nicht nur, dass alles „möglich“ sei. Das „alles“ schließt sogar das lange Undenkbare ein, dass ein Kardinal aus den Vereinigten Staaten zum Papst gewählt werden könnte. „Jeder von denen würde hier aufräumen“, heißt es im Umfeld des Vatikans hoffnungsvoll, sobald die Rede auf Sean O’Malley von Boston, Timothy Dolan von New York oder auch Donald Wuerl aus Washington kommt.

Denn gleichgültig, ob Kardinäle für eine Reform oder eine Verschlankung der vatikanischen Kurie eine Lanze brechen; ob sie die Neujustierung der Gewichte zwischen der Weltkirche und Ortskirchen verlangen oder für ein ständiges Beratungsgremium für den Papst sowie mehr Kompetenzen für Bischofskonferenzen eintreten - der Blick richtet sich eher nach innen als nach außen. Die acht Jahre Benedikts, wenn nicht schon die Endphase des Pontifikats von Johannes Paul II., ließen es zur Gewissheit werden, dass die Kirche in so schlechter Verfassung ist, dass sie ihre Mission immer schwerer erfüllen kann; dass auch ein Theologenpapst bei so einer Kurie nicht wirken kann.

Afrikas neues Selbstbewusstsein

Als nicht hilfreich gilt einer wachsenden Zahl von Kardinälen auch die Art und Weise, wie Papst Johannes Paul II. und manchmal auch sein Nachfolger Benedikt XVI. das päpstliche Lehramt ausgeübt haben. Wenn der erst im Dezember in den Kardinalsstand erhobene nigerianische Erzbischof John Onaiyekan zum Auftakt der Beratungen des Kardinalskollegiums dem amerikanischen „National Catholic Reporter“ erklärt, ein Kondom sei für ihn zunächst nichts mehr als ein Stück Gummi, das Eheleuten dann von Nutzen sei, wenn es eine Übertragung des HI-Virus verhindern helfe, spricht aus diesen Worten ein neues Selbstbewusstsein Afrikas und der Wille, erst zu sehen, dann zu urteilen und wenn notwendig auch zu handeln.

Zum Beginn des Konklaves werden alle Kardinäle in die Casa di Santa Marta hinter die Mauern des Vatikans umziehen. Am Dienstag, so legten die Kardinäle es am Freitagabendnachmittag in Rom fest, soll der erste Wahlgang stattfinden. Offen aber ist, ob sich bis dahin eine kleine Gruppe von „papabili“ herauskristallisieren wird, aus der dann in den ersten Wahlgängen einer hervorgeht, der die Chance hat, zwei Drittel der Stimmen zu erreichen. Bevor es so weit kommen könnte, wäre es erforderlich, dass mindestens in einer Hinsicht Gewissheit herrschte: Kein Kandidat darf im Verdacht stehen, in die Machenschaften verstrickt zu sein, die sich hinter dem Wort „Vatileaks“ verbergen - was die stattliche Zahl von 28 italienischen Papstwählern auf wenige „papabili“ schumpfen lässt, allen voran den Kardinals von Mailand, Angelo Scola.

Die neue Zeit bricht an

Beim Thema „Vatileaks“ geht es nur vordergründig um den Diebstahl von Dokumenten. Die drei Kriminalisten, die im Namen von Benedikt XVI. eingesetzten Kardinäle Julián Herranz, Jozef Tomko und Salvatore De Giorgi, die im Vatikan ermittelt haben, wissen von Abgründen des Misstrauens und von Hass zwischen Priestern jeden Ranges in der Kurie, und sie nennen auch Namen. Nicht wenige Kardinäle aus der Kurie und aus Italien dürften Grund haben, um ihren Ruf zu fürchten. „Die Kurie hat den Papst verraten“, heißt es unter den Fahrern des Vatikans. Aber auch andere Themen neben der Kurienreform liegen den Kardinälen am Herzen: da geht es um die Transparenz bei den Geldgeschäften des Heiligen Stuhls, um die weitere Aufklärung der Missbrauchsfälle, um Neuevangelisierung. Benedikt sieht aus der Ferne zu, mischt sich nicht ein; aber seine Erfahrungen werden das Konklave prägen.

Es ist unklar, ob mehr weiße Möwen oder schwarze Raben über Roms Himmel kreisen. Nur an der Fassade der päpstlichen Universität Gregoriana ist die neue Zeit schon angebrochen. Das Schild mit dem Wappen von Papst Benedikt XVI., das noch am Sonntag an seinem angestammten Platz an der neoklassizistischen Fassade der bedeutendsten theologischen Hochschule der Welt hing, war am Donnerstagabend pflichtgemäß verschwunden.

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Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

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