Home
http://www.faz.net/-hpx-77n35
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
 

Papstwahl Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist Papst Franziskus

 ·  Die römisch-katholische Kirche hat erstmals ein Oberhaupt aus Lateinamerika. Das Konklave wählte Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien. Der 76 Jahre alte bisherige Erzbischof von Buenos Aires wählte den Papst-Namen Franziskus. Er ist der erste Pontifex aus dem Jesuitenorden.

Artikel Bilder (33) Video (1) Lesermeinungen (113)
© AFP Vergrößern „Betet für mich“, sagte der bescheiden auftretende neue Papst Franziskus I.

Nach nur fünf Wahlgängen ist am Mittwochabend Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der Erzbischof von Buenos Aires, zum neuen Papst gewählt worden. Eine gute Stunde nach dem Ende des Konklaves in der Sixtinischen Kapelle trat Franziskus I. um 20.22 Uhr auf die Mittelloggia des Petersdoms und spendete den traditionellen Segen für die Stadt und den Weltkreis Urbi et Orbi. Der 76 Jahre alte Argentinier wird als der 266. Nachfolger Petri in den Kirchenbüchern Eingang finden. Er ist der erste Papst aus Lateinamerika und der erste Pontifex aus dem Jesuitenorden.

Der Papst wurde von etwa 150.000 Menschen begeistert empfangen, sie riefen „Viva il Papa, Viva il Papa!“. Franziskus begrüßte die Menge mit einem italienischen „Guten Abend, Brüder und Schwestern“. Er machte deutlich, dass er nicht alleine die Kirche regieren wolle. Nun beginne ein „gemeinsamer Weg der Brüderlichkeit, Liebe und des Vertrauens miteinander“, sagte der Papst nach einem kurzen Gebet für seinen Vorgänger Benedikt, der diesen Moment am Fernsehen in Castel Gandolfo miterlebte. „Ein jeder möge für den anderen beten und für die Welt, denn sie ist eine große brüderliche Gemeinschaft“, sagte Franziskus I. und verabschiedete sich mit einem „Gute Nacht und ruht euch aus“.

Der Papst-Name Franziskus drückt nach den Worten von Vatikan-Sprecher Jesuitenpater Federico Lombardi Bescheidenheit aus. Die mutige Entscheidung der Kardinäle im Konklave, erstmals in der Neuzeit einen Papst von einem anderen Kontinent zu wählen, sei eine Überraschung, sagte Lombardi in einem ersten Kommentar. Kurz zuvor hatte Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran das Ergebnis des Konklaves mit den traditionellen lateinischen Worten „Habemus papam“ (Wir haben einen Papst) bekannt gemacht. Um 19.05 Uhr hatte weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle angezeigt, dass die 115 Kardinäle mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit, also mit mindestens 77 Stimmen einen neuen Papst gewählt hatten.

Der 1936 in Buenos Aires geborene Bergoglio gilt als volksverbunden. Sein Vater stammt aus einer italienischen Einwanderfamilie und war Eisenbahnarbeiter. Die Begriffe Gerechtigkeit und Frieden prägen die pastorale Arbeit des neuen Papstes, der 1958 dem Jesuitenorden beitrat. Seit Februar 1998 ist er Erzbischof von Buenos Aires und zudem Bischof für die in Argentinien lebenden Gläubigen des orientalischen Ritus. Papst Johannes Paul II. nahm ihn 2001 in das Kardinalskollegium auf. Im Konklave von 2005 soll Bergoglio als Herausforderer Ratzingers in den ersten Wahlgängen bis zu 40 Stimmen erhalten haben.

Bergoglio wurde gelegentlich vorgeworfen, er habe der von 1976 bis 1983 herrschenden argentinischen Militärdiktatur zu nahe gestanden. In der Familienpolitik gilt der neue Papst als konservativ. Homosexualität nannte Franziskus 2010 einen „Angriff auf Gottes Plan“. Bei Fragen der Abtreibung vertritt er dieselben Auffassungen wie sein Vorgänger. Seit dem Rücktritt von Benedikt XVI. am 28. Februar war über den Nachfolger spekuliert worden. Die Italiener hatten sich vor allem für den Erzbischof von Mailand Angelo Scola eingesetzt; auch der Kanadier Marc Ouellet und Odilo Pedro Scherer, der Erzbischof von Sao Paulo, wurden als aussichtsreiche Kandidaten genannt. Über die Stimmergebnisse müssen die Kardinäle Stillschweigen bewahren.

© reuters, Reuters Vergrößern Papst Franziskus bittet um Vertrauen und Brüderlichkeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte dem neuen Papst zur Wahl. Sie freue sich besonders mit den Christen in Lateinamerika, „dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der katholischen Kirche berufen worden ist“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte: „Der lateinamerikanische Kontinent darf stolz sein, erstmals in der Geschichte der Kirche einen Nichteuropäer als Papst zu stellen.“ Die katholische Kirche sei Weltkirche, die in besonderer Weise durch den neuen Heiligen Vater repräsentiert werde. Er freue sich über die Wahl und auch das gute Verhältnis des neuen Papstes zu Deutschland. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte, er wünsche Papst Franziskus I. „Gottes Segen für sein Amt und seine großen Aufgaben in der römisch-katholischen Kirche, viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“. Es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch seinen Namenswahl an Franz von Assisi (um 1181-1226) erinnere und damit bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt.

Die schönsten Bilder zur Papstwahl

  Weitersagen Kommentieren (84) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Kardinal Müller im Gespräch „In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum“

Gerhard Kardinal Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im F.A.Z-Interview spricht er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche. Mehr

14.04.2014, 07:58 Uhr | Politik
Tarcisio Bertone Kardinal bezieht Luxuswohnung im Vatikan

Papst Franziskus’ Forderung nach einer „armen Kirche“ findet offenbar nicht bei allen Geistlichen Gehör: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone lässt sich laut einem Medienbericht eine 600 Quadratmeter große Luxuswohnung im Vatikan herrichten. Mehr

20.04.2014, 16:19 Uhr | Wirtschaft
Politik aus dem Herzen Der Papst als Weltdiplomat

Franziskus macht eine Außenpolitik aus dem Herzen und nicht nach geopolitischen Vorgaben. Der Einfluss des vatikanischen Staatssekretariates hält sich dabei in Grenzen. Mehr

18.04.2014, 15:34 Uhr | Politik

13.03.2013, 20:49 Uhr

Weitersagen