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Papstwahl : Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist Papst Franziskus

„Betet für mich“, sagte der bescheiden auftretende neue Papst Franziskus I. Bild: AFP

Die römisch-katholische Kirche hat erstmals ein Oberhaupt aus Lateinamerika. Das Konklave wählte Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien. Der 76 Jahre alte bisherige Erzbischof von Buenos Aires wählte den Papst-Namen Franziskus. Er ist der erste Pontifex aus dem Jesuitenorden.

          Nach nur fünf Wahlgängen ist am Mittwochabend Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der Erzbischof von Buenos Aires, zum neuen Papst gewählt worden. Eine gute Stunde nach dem Ende des Konklaves in der Sixtinischen Kapelle trat Franziskus I. um 20.22 Uhr auf die Mittelloggia des Petersdoms und spendete den traditionellen Segen für die Stadt und den Weltkreis Urbi et Orbi. Der 76 Jahre alte Argentinier wird als der 266. Nachfolger Petri in den Kirchenbüchern Eingang finden. Er ist der erste Papst aus Lateinamerika und der erste Pontifex aus dem Jesuitenorden.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Der Papst wurde von etwa 150.000 Menschen begeistert empfangen, sie riefen „Viva il Papa, Viva il Papa!“. Franziskus begrüßte die Menge mit einem italienischen „Guten Abend, Brüder und Schwestern“. Er machte deutlich, dass er nicht alleine die Kirche regieren wolle. Nun beginne ein „gemeinsamer Weg der Brüderlichkeit, Liebe und des Vertrauens miteinander“, sagte der Papst nach einem kurzen Gebet für seinen Vorgänger Benedikt, der diesen Moment am Fernsehen in Castel Gandolfo miterlebte. „Ein jeder möge für den anderen beten und für die Welt, denn sie ist eine große brüderliche Gemeinschaft“, sagte Franziskus I. und verabschiedete sich mit einem „Gute Nacht und ruht euch aus“.

          Mit einer großen Geste der Demut hat sich Papst Franziskus I. den Katholiken weltweit vorgestellt. In einer schlichten weißen Soutane trat er auf die Mittelloggia des Petersdoms.
          Mit einer großen Geste der Demut hat sich Papst Franziskus I. den Katholiken weltweit vorgestellt. In einer schlichten weißen Soutane trat er auf die Mittelloggia des Petersdoms. : Bild: dpa

          Der Papst-Name Franziskus drückt nach den Worten von Vatikan-Sprecher Jesuitenpater Federico Lombardi Bescheidenheit aus. Die mutige Entscheidung der Kardinäle im Konklave, erstmals in der Neuzeit einen Papst von einem anderen Kontinent zu wählen, sei eine Überraschung, sagte Lombardi in einem ersten Kommentar. Kurz zuvor hatte Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran das Ergebnis des Konklaves mit den traditionellen lateinischen Worten „Habemus papam“ (Wir haben einen Papst) bekannt gemacht. Um 19.05 Uhr hatte weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle angezeigt, dass die 115 Kardinäle mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit, also mit mindestens 77 Stimmen einen neuen Papst gewählt hatten.

          Der 1936 in Buenos Aires geborene Bergoglio gilt als volksverbunden. Sein Vater stammt aus einer italienischen Einwanderfamilie und war Eisenbahnarbeiter. Die Begriffe Gerechtigkeit und Frieden prägen die pastorale Arbeit des neuen Papstes, der 1958 dem Jesuitenorden beitrat. Seit Februar 1998 ist er Erzbischof von Buenos Aires und zudem Bischof für die in Argentinien lebenden Gläubigen des orientalischen Ritus. Papst Johannes Paul II. nahm ihn 2001 in das Kardinalskollegium auf. Im Konklave von 2005 soll Bergoglio als Herausforderer Ratzingers in den ersten Wahlgängen bis zu 40 Stimmen erhalten haben.

          Bergoglio wurde gelegentlich vorgeworfen, er habe der von 1976 bis 1983 herrschenden argentinischen Militärdiktatur zu nahe gestanden. In der Familienpolitik gilt der neue Papst als konservativ. Homosexualität nannte Franziskus 2010 einen „Angriff auf Gottes Plan“. Bei Fragen der Abtreibung vertritt er dieselben Auffassungen wie sein Vorgänger. Seit dem Rücktritt von Benedikt XVI. am 28. Februar war über den Nachfolger spekuliert worden. Die Italiener hatten sich vor allem für den Erzbischof von Mailand Angelo Scola eingesetzt; auch der Kanadier Marc Ouellet und Odilo Pedro Scherer, der Erzbischof von Sao Paulo, wurden als aussichtsreiche Kandidaten genannt. Über die Stimmergebnisse müssen die Kardinäle Stillschweigen bewahren.

          Bergoglio aus Argentinien ist neuer Papst : Franziskus bittet um Vertrauen und Brüderlichkeit

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte dem neuen Papst zur Wahl. Sie freue sich besonders mit den Christen in Lateinamerika, „dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der katholischen Kirche berufen worden ist“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte: „Der lateinamerikanische Kontinent darf stolz sein, erstmals in der Geschichte der Kirche einen Nichteuropäer als Papst zu stellen.“ Die katholische Kirche sei Weltkirche, die in besonderer Weise durch den neuen Heiligen Vater repräsentiert werde. Er freue sich über die Wahl und auch das gute Verhältnis des neuen Papstes zu Deutschland. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte, er wünsche Papst Franziskus I. „Gottes Segen für sein Amt und seine großen Aufgaben in der römisch-katholischen Kirche, viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“. Es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch seinen Namenswahl an Franz von Assisi (um 1181-1226) erinnere und damit bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt.

          Eine Leserin auf dem Petersplatz liest am Abend die Sonderausgabe der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. Bilderstrecke
          Weißer Rauch : Jubel auf dem Petersplatz, die Glocken läuten

          Quelle: FAZ.NET

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