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Papst Franziskus : Stunde des Südens

Franziskus I. betet für seinen Vorgänger und bittet die Katholiken um gegenseitiges Vertrauen und Brüderlichkeit Bild: reuters

Mit der Wahl des argentinischen Kardinals Bergoglio zum Papst Franziskus wendet sich auch die katholische Kirche hin zu den aufstrebenden Regionen und Nationen des Südens. Europa hat das Nachsehen.

          Der 266. Papst kommt „vom Ende der Welt“ - es ist ein schönes Wort der Bescheidenheit und des Understatement, das Kardinal Jorge Bergoglio in seiner
          ersten Äußerung als Papst Franziskus I. zu den auf dem Petersplatz Versammelten gesprochen hat. Ob Buenos Aires, wo er bisher als Erzbischof gewirkt hat, am Ende der Welt liegt oder nicht, so ist Bergoglio doch der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhle Petri.

          Kein Europäer folgte Benedikt XVI. nach, sondern ein Argentinier und damit ein Repräsentant des nach der Zahl der Gläubigen „katholischsten“ Kontinents der Welt. Jetzt ist die Tür aufgestoßen auch für einen Papst, der dereinst aus Afrika oder Asien kommt.

          Damit vollzieht auch die katholische Kirche nach, was in den vergangenen Jahren schon Weltpolitik und Weltwirtschaft beschäftigt hat: die Hinwendung zu den aufstrebenden Regionen und Nationen des Südens und die Abwendung von Europa und dessen Herabstufung.

          Man muss es mit dieser Interpretation zwar nicht übertreiben, und die sich im Zuge verändernden weltwirtschaftlichen Gewichte lassen sich nicht ohne weiteres auf eine Weltkirche übertragen, zu der schon immer selbstbewusste Ortskirchen gehörten. Aber man darf gewiss sein, dass diese Interpretation in Afrika, Asien und eben Lateinamerika viele Anhänger finden wird.

          Dort, vor allem in Asien, sind viele Leute ohnehin der Meinung, dass sich Europa auf dem absteigenden Ast befinde - politisch, moralisch, demographisch - und der Welt fortan vor allem als Museum diene. Das ist übertrieben, aber die dynamischen Glieder der katholischen Kirche sind nicht in Europa beheimatet, dynamisch ist sie jenseits des alten Kontinents. Und die moralische und die Glaubenswelt sind nicht dieselben.

          Ein Fingerzeig

          Der Spross einer Familie, die nach Argentinien ausgewandert ist, wird dem Thema soziale Gerechtigkeit große Bedeutung beimessen; das ist ein Anliegen des globalen Südens. Seine Einstellungen zu Homosexualität und Abtreibung decken sich nicht mit dem europäischen „Mainstream“. Hier werden sie mehr und mehr an den Rand des politisch und kulturell Akzeptierten gedrängt. 

          Auch das macht die Wahl Jorge Bergoglios zum Pontifex zu einem Fingerzeig. Die „Peripherie“ will auch in der katholischen Kirche nicht länger Peripherie sein. Nach Johannes Paul  II. und Benedikt XVI. hat ganz offensichtlich nicht (mehr) die Stunde eines Europäers geschlagen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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          Quelle: FAZ.NET

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