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Kardinaldekan Angelo Sodano Gesicht der Kirche

Angelo Sodano ist als Dekan der mächtigste unter den mehr als 200 Kardinälen. Papst wird er aber wohl nicht werden. Selbst für manchen Kardinal ist Sodanos Gesicht auch die Fratze des Bösen.

© Reuters Vergrößern Kardinal Angelo Sodano an der Seite des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI.

De jure ist der Dekan des Kardinalskollegiums der Erste unter Gleichen. De facto ist er der Mächtigste im Kreis der mehr als 200 Kardinäle. Selten wird das so deutlich wie nach dem Tod oder - wie jetzt - Amtsverzicht eines Papstes. Der Kardinaldekan leitet die Aussprachen (Generalkongregationen), in denen sich die Kardinäle vor dem Beginn des eigentlichen Wahlakts (Konklave) über den Zustand der Kirche Rechenschaft geben, und er steht der öffentlichen Messe vor, die vor dem ersten Wahlgang gefeiert wird. Kurz: Er ist für eine kurze, aber alles entscheidende Zeit nach innen wie nach außen das Gesicht der katholischen Kirche.

Nach dem Tod Johannes Pauls II. hatte Joseph Kardinal Ratzinger diese herausgehobene Position inne. Und er nutzte sie. In seiner Predigt während der Messe „Pro eligiendo Romano Pontifice“ geißelte er die „Diktatur des Relativismus“. Einen Tag später war er Papst. So wird es mit Kardinaldekan Angelo Sodano wohl nicht kommen. Weniger weil der Geistliche 85 Jahre alt ist. Vielmehr sehen selbst Kardinäle im Gesicht eines der Ihren auch die Fratze des Bösen.

Ein mit allen Wassern gewaschener Diplomat

Doch das nicht, weil Sodano ein Karrierediplomat alter römischer Schule ist - 1927 in Isola d’Asti geboren, 1950 Priesterweihe, Promotion in Kirchenrecht und in Theologie, Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie, danach auf Posten in Ecuador, Uruguay, Chile und wieder in Rom, 1978 für zehn Jahre Rückkehr nach Chile als Botschafter (Nuntius), von 1991 bis zum Tod von Johannes Paul II. als Staatssekretär der zweite Mann im Vatikan.

File photo of former Vatican secretary of state and Italian Cardinal Angelo Sodano © Reuters Vergrößern Für eine kurze Zeit das Gesicht der katholischen Kirche: Kardinal Angelo Sodano.

Auch nicht, weil seine Haltung als Botschafter in Chile gegenüber der Pinochet-Diktatur bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist: Unbestreitbar erfolgreich war er nur als Vermittler zwischen Chile und Argentinien im Konflikt um den Beagle-Kanal. Und auch nicht, weil Sodano es als ein mit allen Wassern gewaschener Diplomat über Jahrzehnte verstand, Gefolgsleute auf die wichtigsten Posten in der Kurie und im auswärtigen Dienst zu plazieren. Selbst dass er in den neunziger Jahren gemeinsamen mit seinem treuen Nuntius Giovanni Lajolo in Berlin im Streit über die Beteiligung an der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung für die Mehrheit der deutschen Bischöfe gegen Kardinal Ratzinger Partei ergriff, macht ihn bis heute nicht suspekt.

Der Papst ließ ihn schalten und walten

Nein, als Papst Benedikt XVI. sich gut ein Jahr von Kardinalstaatssekretär Sodano trennte, da war der Piemontese längst als der „Pate“ enttarnt, der über viele Jahre hinweg seine Hand über Marcial Maciel Degollado gehalten hatte, jenen aus Mexiko stammenden Gründer der „Legionäre Christi“, der über Jahrzehnte junge Männer missbraucht und gleichzeitig mit zwei Frauen drei Kinder gezeugt hatte. Auch über die Rolle Sodanos bei der Vertuschung der Untaten des Wiener Kardinals Groër kursierten damals schon mehr als nur Mutmaßungen.

Doch Benedikt beließ es dabei, Sodano zu entlassen und einige Gefolgsleute zurechtzustutzen. Als Dekan des Kardinalskollegiums ließ der Papst ihn schalten und walten. Jetzt ist Benedikt nicht mehr Papst, die Welt schaut nach Rom und sieht als Gesicht der Kirche - Sodano.

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Quelle: F.A.Z.

 
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