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Der Vatikan unter Papst Franziskus Der Karneval ist aus

Wusste Franziskus, was er tat, als er Pomp und Prunk im Vatikan für beendet erklärte? Er macht sich damit mächtige Kräfte zu Feinden: die „lobby gay“ und die Traditionalisten.

© REUTERS Abgelaufen: Benedikt trug rote Slipper, Franziskus bevorzugt schwarzes Schuhwerk

Franziskus ist nicht Papst - jedenfalls nicht der Papst, an dem sich viele in den vergangenen Jahren kaum sattsehen konnten. Wo bei dem neugewählten Benedikt XVI. ein Schulterumhang aus rotem Samt (Mozetta) prangte, ist am Abend des 13. März 2013 nur eine weißes Gewand (Soutane) zu sehen. Auch die breite, brokatbesetzte Stola und das goldene Brustkreuz des Jahres 2005 fehlen. Stattdessen trägt Jorge Mario Bergoglio eine weiße Bauchbinde (Zingulum) und das blecherne Brustkreuz, das er schon als Weihbischof in Buenos Aires trug. Doch das ist nur die Ouvertüre.

Daniel Deckers Folgen:

Als die 115 Kardinäle am 14. März die Sixtinische Kapelle betreten, in der sie tags zuvor den ersten Lateinamerikaner zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt haben, ist diese wie verwandelt. Über Nacht ist der sogenannte Volksaltar wieder da, den Papst Johannes Paul II. errichtet hatte und den Benedikt XVI. entfernen ließ. Also blickt der neue Papst vom Altar nicht zur Wand und auf Michelangelos Jüngstes Gericht, sondern den Kardinälen ins Gesicht.

Verwandelt sind auch die Zeremoniare, die dem Papst nicht von der Seite weichen. Wo in der Ära Benedikt die weißen Obergewänder (Rochetts) nicht genug Brüsseler Spitze haben konnten, ist Schlichtheit eingekehrt. Bleiben die Schuhe. Schwarz und ausgetreten ragen sie unter dem Saum des Unterkleides (Albe) hervor. Franziskus - der Name des „kleinen Armen“ aus Assisi, den der Papst sich ausgesucht hat, ist vom ersten Tag an Programm: Der höfische Prunk und zeremonielle Pomp, der sich unter Papst Benedikt wie ein Schwamm im Gebälk des Vatikans ausgebreitet hatte, ist wie weggeblasen - so sehen es viele. Aber längst nicht alle.

Die erste Spur führt in die Welt der Traditionalisten

Umgehend macht in Internetforen die Mutmaßung die Runde, Papst Franziskus werde als erste Amtshandlung Benedikts Zeremonienmeister Guido Marini entlassen. Mit diesem sei er schon unmittelbar nach seiner Wahl in der Ankleidekammer neben der Sixtinischen Kapelle aneinandergeraten. „Das können Sie anziehen“, soll er den verdutzten Geistlichen beschieden haben, als dieser ihn mit roter Mozetta und roten Schuhen ausstatten wollte. Und: „Der Karneval ist vorbei.“

Verbürgt ist dieser Wortwechsel freilich nicht. Überdies hat er sich in manchen Darstellungen erst vor der Messe mit den Kardinälen abgespielt. Um so interessanter ist die Frage, wer dem Papst welche Worte mit welcher Absicht in den Mund gelegt haben könnte.

Die erste Spur führt in die Welt der katholischen Traditionalisten. Denn verbreitet und kommentiert werden die Nachrichten über den Bruch des neuen Papstes mit dem Stil seines Vorgängers vor allem in Internetforen, in denen Anhänger der sogenannten „Alten Messe“ verkehren. Diese war seit dem II. Vatikanischen Konzil und der damit einhergehenden Reform der Messliturgie faktisch verboten - zum Unwillen des Theologieprofessors Joseph Ratzinger. Als Papst ließ er die „Alte Messe“ im Sommer 2007 wieder zu und erfüllte damit nicht nur eine Vorbedingung der von der Kirche abgefallenen Pius-Bruderschaft, um das Gespräch mit Rom wiederaufzunehmen. Benedikt entsprach damit auch den Erwartungen von deutschen Vereinen wie „Pro Missa Tridentina“, der ihn immer hofiert hatte.

Die neuen Waisen von Rom

So war es kein Wunder, dass der Funke des Protestes gegen den „Pauperismus“ des neuen Papstes schnell von der italienischen Website „Messa in latino“ auf deutschsprache Nachrichtenportale wie „katholisches.info“ und „kath.net“ übersprang und dort mit einer Mischung aus Unverständnis und Empörung kommentiert wurde. Auf „katholisches.info“ wurden Auszüge aus einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ wiedergegeben, in dem der Autor Paul Badde die Marini-Szene als Faktum darstellte, das in den Minuten nach der Papst-Wahl stattgefunden habe. Zwischen den Zeilen ließ der Autor den Lesern an seiner Entgeisterung darüber teilhaben, dass Papst Franziskus weder jenes rote Kleidungsstück tragen wolle, mit dem „Päpste seit über 800 Jahren an das Blut und das Leiden Christi erinnert werden“, noch die roten Schuhe, die der kaiserlichen Tradition Konstantinopels entstammten.

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