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Trumps neue Außenpolitik : Amerika zieht sich zurück, Deutschland wird Anker

  • -Aktualisiert am

Deutschland als Wirtschaftsmacht, Amerika als geostrategische Macht? Die Rollen sind im Wandel begriffen. Bild: Picture-Alliance

Ein Wandel der amerikanischen Außenpolitik unter Präsident Trump stellt die deutsche Politik vor große Herausforderungen. Deutschland sollte sich nicht scheuen, international mehr Verantwortung zu übernehmen. Ein Gastbeitrag.

          In den vergangenen Jahrzehnten trat Deutschland global meist nur als Wirtschaftsmacht in Erscheinung; die Vereinigten Staaten als größte geostrategische Macht dominierten hingegen die Welt. Die Ernennung von Rex Tillerson, bisher Geschäftsführer des amerikanischen Ölkonzerns Exxon Mobil, zum neuen amerikanischen Außenminister und die Berufung von Vertretern der Privatwirtschaft in das Kabinett Trump werden dies ändern. Unter Präsident Trump wird Amerika zusammen mit China zunehmend die Rolle einer geoökonomischen Weltmacht einnehmen. Deutschland wandelte sich gleichzeitig zu einer eher geopolitischen Macht. Denn Berlin opferte im Umgang mit Moskaus Aggression in der Ukraine deutsche Wirtschaftsinteressen zugunsten sicherheitspolitischer Überlegungen.

          Eine geoökonomische Macht neigt dazu, ihre globalen Interessen in erster Linie wirtschaftlich zu definieren, indem ökonomische Werte und Interessen Priorität erhalten. Ein Großteil der außenpolitischen Weichenstellung wird an die Privatwirtschaft delegiert, vor allem an Exportunternehmen; wirtschaftliche Macht wird eingesetzt, um nationale Präferenzen durchzusetzen. Das folgt einer Philosophie des kommerziellen Realismus statt den eher traditionellen Formen des geopolitischen Realismus; es bevorzugt wirtschaftliche statt militärische Instrumente der Staatskunst.

          Im Gegensatz zur traditionell sicherheitspolitisch geprägten amerikanischen Außenpolitik wird die Regierung von Präsident Trump ein stärkeres Augenmerk auf den Abschluss lohnender Deals legen. Der künftige Präsident hat sehr deutlich gemacht, dass er Sicherheitsinteressen Wirtschaftsinteressen unterordnen wird und der amerikanischen Privatwirtschaft weit mehr Vertrauen schenkt als den Fachleuten für nationale Sicherheit.

          Die Aussicht auf einen großen Deal sticht anderes aus

          Das wird bei Washingtons neuer Russland-Politik sichtbar. Trump hat die Erkenntnisse der amerikanischen Geheimdienste hinsichtlich Moskaus Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl ignoriert und öffentlich verunglimpft. Wie sein Vorgänger Barack Obama glaubt auch der künftige Präsident, dass die amerikanische Außenpolitik zu bereitwillig militärische Gewalt einsetzt. Ebenso kritisiert auch er die Trittbrettfahrer-Mentalität der europäischen Verbündeten, die seit Jahrzehnten auf Kosten amerikanischer Militärausgaben in Frieden und Sicherheit leben können.

          Die meisten amerikanischen Sicherheitsfachleute nehmen Russland als Bedrohung wahr; amerikanische Unternehmen aber heben das Marktpotential der russischen Wirtschaft hervor. Diese Betonung wirtschaftlicher Wachstumschancen steht in Einklang mit Trumps Motto, das er 1987 in seinem Buch „The Art of the Deal“ (Die Kunst des Handels) dargelegt hat: „Wer wagt, gewinnt.“ Die Aussicht auf einen großen Deal zählt mehr als traditionelle Sicherheitsbedenken oder Menschenrechte. Warum also nicht einer russischen Einflusssphäre in Zentral- und Osteuropa zustimmen? Warum nicht eine diplomatische Konfrontation mit China riskieren, wenn es größere wirtschaftliche Hebelwirkung verspricht?

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