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Die Linke nach Lafontaine Das Leben wird grauer

26.01.2010 ·  Lafontaines Rückzug ins Saarländische habe keinen Einfluss auf das Verhältnis der Linken zur SPD, heißt es hier wie dort. In Wahrheit sind beide Parteien bis in die Gliederungen hinein elektrisiert. Auf einmal bieten sich Perspektiven, die man erst für 2013 ins Auge gefasst hatte.

Von Stefan Dietrich
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Angeblich ändert sich erst einmal gar nichts. Lafontaines Rückzug ins Saarländische habe keinen Einfluss auf das Verhältnis der Linken zur SPD, verkündet deren scheidender Bundesgeschäftsführer Bartsch. Ebenso kühl gibt der SPD-Vorsitzende Gabriel zurück, für seine Partei sei es „völlig egal“, wer bei der Linken an der Spitze stehe.

In Wahrheit sind beide Parteien bis in die Gliederungen hinein elektrisiert. Auf einmal bieten sich Perspektiven, die man erst für 2013 ins Auge gefasst hatte. Müntefering ist von Bord, Lafontaine wird bald nur noch am Rande stören - Leinen los für den Kurs auf die vereinigte Linke!

Tatsächlich kommt die Gelegenheit sogar etwas zu früh. Für die Wahl in Nordrhein-Westfalen möchte die SPD diese Option noch nicht ziehen. Der Zustand der Linken dort wäre alles andere als Werbung für die neue Bündnispolitik. Deshalb will Gabriel „nicht einmal den Anschein erwecken“, die nordrhein-westfälische Linke sei ein möglicher Partner. Aber im nächsten Jahr, wenn in vier Ländern und zwei Stadtstaaten die Parlamente neu gewählt werden, wird Gabriel die Spitzenkandidaten seiner Partei nicht mehr zurückpfeifen. Da die SPD ohnehin dabei ist, die Hartz-Reformen und die Afghanistan-Strategie zu überarbeiten, könnten sich vielfältige Möglichkeiten der Annäherung und dann auch der Bündelung von Wählerstimmen ergeben.

Vorausgesetzt, die Linke bringt ihre Führungskrise rasch hinter sich. Noch ist Lafontaine ja nicht weg. Wird er künftig der heimliche Vorsitzende sein wie einst Fischer bei den Grünen? Das könnte zu weiteren Verwerfungen führen. Aber selbst wenn die Personalfragen noch in dieser Woche geklärt sein sollten, so steht die Programmdebatte noch bevor, der die PDS nicht umsonst jahrelang ausgewichen ist. Nicht einmal den Charismatikern Gysi und Lafontaine ist es gelungen, die disparaten Flügel der Partei auf ein gemeinsames Modell des „demokratischen Sozialismus“ einzuschwören. Und das sollen Figuren wie Klaus Ernst und Gesine Lötzsch schaffen?

„Das Leben ist bunter“, haben die Wegbereiter des Linksbündnisses als Losung ausgegeben. Doch die Linkspartei selbst wird erst einmal etwas grauer und normaler werden, und das dürfte sich auch in ihren Wahlergebnissen niederschlagen. Es ändert sich einiges ohne Lafontaine.

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