23.07.2009 · Der kühle, nüchterne Tonfall der Kanzlerin lässt ihre Distanziertheit zur Katholischen Kirche spüren. Diese hat ihr Gegenstück in der Distanz, die zwischen ihr und Teilen der CDU bleibt.
Von Günther NonnenmacherDie CDU ist, im Unterschied zur katholischen Zentrumspartei, die in der Endphase der Weimarer Republik unterging, nach dem Krieg bewusst als überkonfessionelle „Union“ der Christen gegründet worden. Ihre stärksten Wurzeln hat sie dennoch im geistigen Erbe des politischen (und sozialen) Katholizismus. Adenauer und Kohl, die Führungspersönlichkeiten, von denen die CDU am stärksten geprägt wurde, waren typische Repräsentanten einer lebensfrohen, durchaus antiklerikalen rheinischen Variante dieser Strömung. Katholiken sind bis heute die treuesten Wähler der Union.
Mit Angela Merkel, der Parteivorsitzenden aus einem protestantischen Pfarrhaus mit naturwissenschaftlicher Ausbildung, die ihre ersten Lebensjahrzehnte in der neuheidnischen DDR verbrachte und ihren christlichen Glauben nicht wie eine Flagge vor sich herträgt, hatte und hat dieses für die CDU immer noch bestimmende Milieu nach wie vor seine Schwierigkeiten. Das zeigt sich regelmäßig bei Themen, die mit dem Etikett „Werte“ versehen sind: etwa in den „biopolitischen“ Fragen, die vom Fortschritt der Wissenschaft oder der Medizin aufgeworfen werden, oder in der Familienpolitik.
Vermutlich haben nicht wenige CDU-Mitglieder und -Wähler der Kanzlerin ihre Kritik an der Politik des Vatikans gegenüber den Pius-Brüdern auch deshalb übelgenommen, weil sie darin einen neuen Beweis dafür fanden, dass Frau Merkel dieser Wertekosmos - mehr als neun Jahre nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden - immer noch fremd sei.
Bei einem Auftritt vor der Katholischen Akademie in Bayern hat die Bundeskanzlerin die Kritik an ihrer Kritik abermals zurückgewiesen, auf ihre kühle, nüchterne Art: Der Papst selbst sei über jeden Verdacht erhaben, aber wenn es um Antisemitismus gehe, gebiete es die Staatsräson der deutschen Kanzlerin, die Stimme zu erheben. Das zielt auf die Organisation und das Funktionieren des vatikanischen Regierungsapparates. Aber natürlich fällt der Vorwurf, wie in jedem Regierungssystem, auf den zurück, der die letzte Verantwortung trägt. In der Sache mag Frau Merkel gar nicht unrecht gehabt haben - das werden ihr auch Katholiken zubilligen. Es geht um die Art, wie sie das Thema abhandelt: Die an ihrem Tonfall spürbare Distanziertheit hat ihr Gegenstück in der Distanz, die zwischen ihr und Teilen der CDU bleibt.
Zentrumspartei nicht untergegangen
Ogdan Ücgür (Ogdan)
- 22.07.2009, 23:13 Uhr
Wollten die Katholiken die Sozialenzyklia des Papstes .....
bernd ullrich (demokrat2)
- 23.07.2009, 13:26 Uhr
Die Kanzlerin, diese Frau ...
Daniel Borer (Danibor)
- 23.07.2009, 17:28 Uhr
wir leben "gottseidank" nicht in einem Kirchenstaat
Ralf Schneider (ralf61)
- 23.07.2009, 18:39 Uhr
@Ralf Schneider
Barbara Bermann (Barbarella-)
- 23.07.2009, 23:22 Uhr