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Vor 150 Jahren : Die Weltzivilisation als Ordnung und System

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Bild: INTERFOTO

Mehr als 40 Teilnehmerländer, mehr als 50 000 Aussteller – die Pariser „Exposition Universelle“ des Jahres 1867 war Ordnung und Panorama der Welt zugleich. Der Glanz des utopischen Projektes währte nicht lange.

          Weniges hat die Dynamiken in der Epoche zwischen Industrialisierung und Jahrhundertwende so gebündelt wie die Weltausstellungen. Modernisierung, Technikbegeisterung und große Zukunftserwartungen – das waren die Signaturen der Zeit, auch im Paris des Jahres 1867.

          Verglichen sich Mitte des 19. Jahrhunderts zwei europäische Städte miteinander, so waren dies in der Regel London und Paris, wenn es um Glanz und Weltgeltung, Großstadtlärm und Kriminalität ging. Theodor Fontane meinte, das politisch und wirtschaftlich viel mächtigere London sei in seiner Eigenschaft, im Verkehrschaos zu versinken, Paris um Längen voraus. Die französische Metropole werde um ihrer Ausstrahlung und gepflegten Parks willen beneidet. Wetteifer zwischen zwei Städten hat es immer gegeben: Rom und Karthago, Neu-Delhi und Kalkutta, Chicago und New York – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Die beiden seinerzeit größten Hauptstädte Europas rivalisierten aber auf denkbar höchstem Niveau, nämlich um die Gunst der Weltöffentlichkeit im Zeichen der planetaren kolonialen Expansion.

          Nirgends bildete sich dies so deutlich ab wie in den großen Weltausstellungen. London hatte 1851 begonnen, Paris war 1855 gefolgt, dann kam London 1862 abermals an die Reihe. Nun, zwischen April und November 1867, sollte Paris alles bis dahin Gesehene übertreffen. Indem die „Exposition Universelle“ elf Millionen Besucher anlockte, stellte sie einen Rekord auf, der seinesgleichen suchte. Doch darauf war die Stadt vorbereitet. Während Londons Crystal Palace durch die engen, teils mittelalterlich verwinkelten Straßen der britischen Metropole nur mit Mühe zu erreichen gewesen war, hatte Georges-Eugène Baron Haussmann die Stadt in den sechziger Jahren mit fast 30 Meter breiten, gasbeleuchteten Boulevards, neuen, Kathedralen gleichenden Bahnhöfen und einer Kanalisation städtebaulich radikal modernisiert. In die Zukunft weisend wollte Paris sich zeigen und noch rücksichtsloser eine moderne, den Anforderungen schneller Mobilität gehorchende Infrastruktur errichten, als dies bereits im Jahrzehnt davor der Fall gewesen war. Bislang innerstädtische Arbeiterbezirke wurden in die Randbezirke verdrängt. Repräsentative Wohn- und die großen Warenhäuser traten an ihren Platz, elegante Kaufhauspassagen und Markthallen bestimmten das Straßenbild.

          Der Erschaffung innerstädtischen Raums durch neue Plätze und militärstrategisch wichtige Sichtachsen der Boulevards und Avenuen speiste sich aus dem Bedürfnis, London zu übertreffen. Denn in dieser Hinsicht war die Metropole des britischen Empires, die sich nationalstaatlichen Interessen entzog, weniger hauptstädtisch. Der Wettbewerb zwischen London und Paris war allgegenwärtig, die gegenseitige Beobachtung diesseits und jenseits des Ärmelkanals zeitweise geradezu obsessiv. Das Pariser urbane Programm großer Avenuen machten sich später andere Städte wie Buenos Aires, Istanbul und Kairo zu eigen.

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