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Vereinigte Staaten : Die Revolution findet nicht statt

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Bild: AFP

1917 führte Präsident Woodrow Wilson die Vereinigten Staaten in die Weltpolitik. Hundert Jahre später versprach Donald Trump einen radikalen Wandel. Das fällt ihm schwerer als von manchen erhofft und von vielen befürchtet.

          Die Vereinigten Staaten haben seit ihrer Gründung ein ambivalentes Verhältnis zum Rest der Welt. Soll man sich mit anderen Nationen einlassen oder sich auf das eigene Land konzentrieren? Allein vorgehen oder im internationalen Konzert? Klassische Machtpolitik betreiben oder für höhere Werte kämpfen? Auf diese Fragen haben die Vereinigten Staaten in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche Antworten gegeben.

          In den ersten 130 Jahren dominierten Isolationisten, die Amerika aus den Händeln Europas heraushalten wollten. 1917 setzten sich mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg die Internationalisten durch, die die Nation als globale Führungsmacht und Förderer der Demokratie sahen. Hundert Jahre später verspricht Präsident Donald Trump eine weitere radikale Wende in der amerikanischen Außenpolitik: Er will das Land aus seinen internationalen Verpflichtungen herausführen und amerikanische Interessen im Alleingang vertreten. Dabei knüpft er an alte Traditionen an.

          Den Gründervätern, die 1787 die bis heute gültige Verfassung schrieben, war Außenpolitik, wie sie die europäischen Großmächte führten, ähnlich suspekt wie Trump. 1789 benannte der Kongress das gerade einmal acht Jahre alte Außenministerium (Department of Foreign Affairs) in Staatsministerium (Department of State) um, weil sich die Behörde mehr und mehr um Innenpolitik kümmern musste. In seiner Abschiedsansprache als Präsident bezeichnete George Washington es sieben Jahre später als „unsere wahre Politik“, das Land von „dauerhaften Allianzen mit irgendeinem Teil der ausländischen Welt fernzuhalten“. Außenminister John Quincy Adams unterstrich 1821, Amerika wünsche allen anderen Staaten Freiheit und Unabhängigkeit, „aber es geht nicht ins Ausland auf der Suche nach Monstern, die es zu vernichten gilt“. Bis in das frühe 20. Jahrhundert sahen sich die Vereinigten Staaten als das neue Jerusalem, als gelobtes Land, das die Welt durch seine Ideale inspiriert, jedoch nicht durch aktives Engagement zu einer besseren macht.

          International mischten die Amerikaner zwar bisweilen mit, etwa im Krieg mit Großbritannien von 1812 bis 1815, im Krieg mit Mexiko von 1846 bis 1848, bei der wirtschaftlichen Öffnung Japans 1853 sowie Chinas 1899, nicht zu vergessen der Krieg mit Spanien 1898. Aber dabei ging es darum, die Kontrolle über den Kontinent zu erringen, andere Mächte aus Nordamerika zu verdrängen oder Handelsvorteile zu erzwingen. Mit der Übernahme der Philippinen und Guams infolge des Siegs über Spanien sowie der Vermittlung Präsident Theodore Roosevelts im Russisch-Japanischen Krieg 1905 engagierten sich die Vereinigten Staaten erstmals militärisch und politisch außerhalb der eigenen Hemisphäre. Auch dem lagen allerdings weder ein großes Design noch ein nationaler Wunsch nach dauerhafter Mitwirkung am Weltgeschehen zugrunde.

          Dass sich die Vereinigten Staaten so lange aus der Weltpolitik herauszuhalten und eine isolationistische Außenpolitik zu verfolgen vermochten, lag an ihrer einmaligen geographischen Lage. Geschützt durch zwei Ozeane und mit zwei schwachen, die meiste Zeit freundlichen Nachbarn im Norden und Süden, konnten es sich die Vereinigten Staaten leisten, die Welt Welt sein zu lassen. Gefährliche Anrainer, eroberungslüsterne Potentaten, Erbfolgestreite, schnell wechselnde Allianzen, hochgerüstete Landarmeen, alles also, was die Staaten und Reiche Europas in ständiger Angst leben ließ und zu kontinuierlicher Beschäftigung mit internationaler Politik zwang, existierte in Amerika nicht. Angegriffen werden konnten die Vereinigten Staaten einzig auf dem Seeweg, und den sicherte die britische Royal Navy. Selbst als in der Alten Welt 1914 der Große Krieg ausbrach, glaubte Washington deshalb, sich heraushalten zu können.

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