http://www.faz.net/-gpf-71jtc

Islamische Welt : Die Wende

  • -Aktualisiert am

„Der Islam ist die Lösung“: Hier die Kaaba in Mekka Bild: dpa

Die islamische Welt hat in den vergangenen Jahrzehnten Turbulenzen erlebt wie selten. Das hatte vor allem mit der Moderne zu tun. Säkulare Kräfte haben es noch immer schwer.

          Nach dem Junikrieg des Jahres 1967, dem „Sechstagekrieg“, veröffentlichte der libanesische Intellektuelle Salah al Munadschid einen Essay, dessen deutsche Fassung den Titel „Wohin treibt die arabische Welt?“ trug. Es war ein Werk der Panik und der Verzweiflung. In nur wenigen Tagen waren die Araber, allen voran die Ägypter und die Syrer, in diesem Jahr von dem kleinen Israel vernichtend geschlagen worden. Al Munadschid, dessen Buch von Harald Vocke - zu jener Zeit Nahost-Korrespondent der F.A.Z. - ins Deutsche übertragen worden war, warf seinen Landsleuten vor, sie seien Götzendiener geworden; ihr Tanz um das Goldene Kalb des arabischen Nationalismus sei vom Gegner bestraft worden. Nur die Rückkehr zu einem authentischen Islam, zur angestammten Frömmigkeit und Glaubensstärke, kurz: zu den alten Tugenden und dem geistigen Kern der eigenen Kultur könne die arabische Welt wieder stark machen.

          Heute weiß man, dass jene Bewegung, die man den zeitgenössischen Islamismus nennt, exakt zu jenem Zeitpunkt wieder an Boden zu gewinnen begann, da Munadschid publizierte. Die Araber vor allem begannen sich allmählich von jenen säkularen, „völkischen“ Ideen zu verabschieden, die insbesondere die Jahrzehnte der Befreiung von der Kolonialherrschaft der Franzosen und Briten geprägt hatten - allerdings nie ohne eine starke islamische Komponente. Man wurde wieder fromm, auch offiziell. In Saudi-Arabien begann der als tiefgläubig bekannte König Faisal alles Islamische auch außerhalb seines Riesenreiches zu fördern, die wachsenden Öleinnahmen setzten ihn - er wurde 1975 gleichwohl von einem Prinzen aus der eigenen Familie ermordet - und seine Nachfolger in die Lage, großzügig überall in der islamischen Welt Moscheen und Medresen zu bauen, Schulen und andere Institutionen zu errichten. Natürlich förderten die Sauds vor allem den Wahhabismus, jene gestrenge, freudlose Lehre, die sie zur Staatsräson erklärt hatten und die weitgehend ungeschmälert bis heute in ihrem Reich gilt.

          Zusammenhänge jenseits der aktuellen politischen Lage

          Dennoch ereignete sich die islamische Revolution anderswo: ausgerechnet bei den Schiiten, die seit Jahrhunderten mit den Sunniten rivalisierten, aber von diesen mehr und mehr unterdrückt worden waren. Schon seit Beginn der sechziger Jahre gab es in Iran ein Aufbegehren gegen den Schah, indem eine lose Allianz von nationalistischen, marxistischen und religiös-schiitischen Strömungen Widerstand leistete. Ideologisch standen sie sich fern, waren sich teilweise sogar spinnefeind, doch geeint wurden sie durch die Ablehnung der Schah-Herrschaft und deren enge politische wie wirtschaftliche Verfugung mit Amerika.

          Weitere Themen

          Selbstmordanschlag fordert über 50 Tote Video-Seite öffnen

          Kabul : Selbstmordanschlag fordert über 50 Tote

          Der Attentäter griff einen Festsaal an, in dem sich Hunderte Menschen versammelt hatten. Mindestens 50 Menschen kamen bei der Explosion ums Leben.

          Deutsche Kulturkämpfe

          Muslime in Deutschland : Deutsche Kulturkämpfe

          Historiker blicken auf das 19. Jahrhundert, um die heutige Situation der Muslime in Deutschland besser zu verstehen. Die Wissenschaftler sehen in der Zeit Parallelen zu Katholiken im Kaiserreich.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.
          Die operativen Geschäfte werden künftig von Thierry Bolloré gesteuert.

          Renault : Ghnosn darf nach Finanzaffäre bleiben – vorerst

          Die Nummer Zwei rückt auf: Thierry Bolloré soll künftig die operativen Geschäfte von Renault führen. Der im Zuge einer Finanzaffäre verhaftete Carlos Ghosn bleibt aber vorerst ebenfalls Unternehmenschef.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.