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Flüchtlingskrise : Verantwortung aus christlicher Gesinnung

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Bild: dpa

Die Anforderungen an politische Entscheidungen und an diejenigen, die sie zu treffen haben, sind in diesen Tagen enorm. Wie die Kirchen dabei helfen können, Funktionalität und Humanität miteinander zu verbinden.

          Ein Spiel ohne Grenzen im Zeichen entfesselter Gesinnungsethik: Das ist für manche die

          aktuelle Flüchtlingskrise. Gutmenschen von Kirchen, Diakonie, Caritas und Co. feiern Bundeskanzlerin Angela Merkel und singen lauthals „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Kommt alle her nach Deutschland, die ihr mühselig und beladen seid. Diesem Gutmenschentum - so sagen einige - müssten sich jetzt Verantwortungsethiker entschlossen entgegenstellen. Realität und Rechtsverordnung seien wichtiger als fromme Wünsche. Mit der Bibel könne man keine Politik machen. Schon Martin Luther habe das doch in seiner Lehre von den zwei Reichen anschaulich gezeigt, so die verantwortungsethischen Mahner.

          Gar nicht selten indessen verirrt sich in solch mahnende Stimmen der gesinnungsethisch inspirierte Ruf nach der Rettung des christlichen Abendlandes und der Bewahrung christlicher Leitkultur. Spätestens dann herrscht eine babylonische Sprachverwirrung. Begriffspolitik tritt an die Stelle klarer ethischer Argumentation. Dann zeigt sich erstens, wie sehr immer noch Zerrbilder eine sachgemäße ethische Meinungsbildung in einer Fragestellung erschweren, die für die Zukunft unseres Landes zentral ist. Und zweitens, dass eine differenzierte Wahrnehmung der sozialethischen Koordinaten und Rollenzuschreibungen in der aktuellen migrationspolitischen Debatte dringlicher ist denn je.

          Für die Kirchen sei gesagt: Ja - wir wollen tatsächlich Raum sein für fromme Wünsche. Wir teilen aus vollem Herzen die Sehnsucht so vieler Menschen nach Frieden und Versöhnung, nach einem Ende von Gewalt und Terror. Aber gerade indem wir als Christen aus der festen Hoffnung auf eine bessere Welt leben, stehen wir mit beiden Beinen in der jetzigen Welt. Wir wollen im Hier und Jetzt mit anpacken. Hunderttausende Christen engagieren sich haupt- und ehrenamtlich für Flüchtlinge in Deutschland. Die kirchlichen Hilfswerke sind in den Flüchtlingslagern dieser Erde mit allen Formen von Hilfsleistungen aktiv. Unser Engagement ist fest verwurzelt in der genauen Wahrnehmung einer mitunter erschreckenden Realität.

          Genau deswegen treten wir auch öffentlich ein für politische Entscheidungen, die jenseits moralischer Richtigkeiten diese Realität auch wirklich verändern. Denn aus einer Gesinnung erwachsen auch Verantwortung und der damit verbundene Wunsch, dass das eigene Reden auch Folgen habe. Eine Sozialethik, die nur dann funktioniert, wenn man sie nie anwenden muss, ist ja genau deswegen eine schlechte Sozialethik, weil sie keine Folgen hat. Es darf keine Arbeitsteilung geben, nach der die Kirchen zuständig wären für Humanitätspostulate und die Politik für konkretes Handeln. Entscheidend ist, dass beides aufeinander bezogen wird. Wenn Politik die Humanität hintanstellt, dann verfehlt sie ihren Auftrag. Umgekehrt gilt: Wenn Kirche nicht die Dilemmata wahrnimmt, in denen Politik sich bewegt, dann redet sie über die Realität hinweg.

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