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Endlagersuche : Die deutsche Zweifelsfrage

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Bild: REUTERS

Die Suche nach einem Endlager für atomare Abfälle aus deutschen Kernkraftwerken ist älter als diese selbst. Warum die Erkundungen bislang keinen Erfolg hatten und auf unabsehbare Zeit nicht zum Ziel führen werden.

          Die Nutzung der Kernenergie in Deutschland sei nicht zu verantworten und allein schon deswegen zu beenden, weil die Entsorgung der Kernkraftwerke nicht gesichert sei - das war eines der zentralen Argumente der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung, die über viele Jahre gegen die Nutzung der Kernenergie gekämpft und schließlich obsiegt hat. Wie könne man, so wurde suggestiv gefragt, mit einem Flugzeug starten und nicht wissen, wo man landen soll? Da sehe man, wie verantwortungslos die Atomindustrie handele, die der Profite wegen Reaktoren baue, ohne sich um die Entsorgung zu kümmern. Wenn aber die Industrie bei der Entsorgung schon so verantwortungslos handele, dann könne man sich ausmalen, wie es um die Sicherheit der Reaktoren bestellt sei.

          Diese vermeintlich schlüssige Argumentation hat sich tief in das Bewusstsein der Öffentlichkeit eingeprägt. Viele Zeitgenossen glauben auch heute noch, dass die Atomwirtschaft derart fahrlässig gehandelt hat und die Entsorgungsfrage die Schwachstelle war, an der die zivile Nutzung der Kernenergie nicht ganz zu Unrecht gescheitert ist. Doch verhielt es sich wirklich so?

          Nach der Wiedererlangung ihrer Souveränität im Jahr 1955 durfte auch die Bundesrepublik Deutschland auf dem Feld der Kerntechnik forschen. Im selben Jahr nahmen deutsche Delegierte an der ersten Atomkonferenz der UN in Genf teil. Dort stellten sie fest, dass der Vorsprung der Atomwaffenstaaten gegenüber der Bundesrepublik immens war. Die Regierung Adenauer reagierte auf diese Technologielücke mit der Bildung eines Bundesministeriums für Atomfragen. Erster „Atomminister“ wurde der CSU-Politiker Franz Josef Strauß. Als beratendes Gremium wurde ihm die Deutsche Atomkommission beigeordnet, in die zahlreiche Wissenschaftler, unter anderen die Nobelpreisträger Werner Heisenberg und Otto Hahn, sowie Repräsentanten der Wirtschaft sowie der Gewerkschaften berufen wurden.

          In einem ihrer ersten Memoranden wies die Kommission im Jahr 1957 auf die Notwendigkeit hin, radioaktive Abfälle sicher beseitigen zu können. Im selben Jahr wurde nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) gegründet und der erste deutsche Forschungsreaktor, der Forschungsreaktor München (FRM), durch die Technische Hochschule München in Betrieb genommen.

          Erforschung und Entwicklung der Kernenergie in Deutschland verliefen zügig. Nach und nach wurden weitere Forschungs- und Versuchsreaktoren in Betrieb genommen, in Karlsruhe und in Jülich entstanden Kernforschungszentren. Einer der Forschungsschwerpunkte in Karlsruhe war die Entwicklung eines Verfahrens zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen. Die Entsorgung stellte man sich so vor, dass die nuklearen Brennstoffe in einem geschlossenen Kreislauf verbleiben sollten. Abgebrannte Brennelemente würden aufgearbeitet, um das wiedergewonnene Uran und Plutonium zu neuen Brennelementen verarbeiten zu können. Das sollte in sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen geschehen. Nur die nicht wiederverwertbaren Brennstoffteile sollten untertägig entsorgt werden.

          Im Jahr 1963 empfahl die damalige Bundesanstalt für Bodenforschung, die Endlagerung schwach-, mittel- und hochradioaktiver Abfälle in Steinsalzformationen vorzusehen. Das aufgelassene Salzbergwerk Asse II komme womöglich für Endlagerungsversuche der Kategorien schwach- (wie einmal getragene Schutzanzüge) und mittelaktive Abfälle (wie bestrahlte Maschinenteile) in Frage. Zwei Jahre später erwarb die Bundesregierung die Asse, 1967 unternahm die bundeseigene GSF (Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung) erste Versuche, solche Abfälle einzulagern. Bis heute wird die Asse von einer Gesellschaft des Bundes betrieben.

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