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Bundeswehr : Staatsbürger in Uniform

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Bild: AP

Das Konzept der „Inneren Führung“ steht seit der Gründung der Bundeswehr im Zentrum des Selbstverständnisses der Armee der Bundesrepublik Deutschland. Statisch war es nie.

          Wie kann die deutsche Bundeswehr „in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Instrument von höchster Schlagkraft gestaltet werden?“ Die Antwort auf diese „einzig legitime Frage“ war für den ehemaligen Generalstabsoffizier der Wehrmacht und späteren Generalleutnant der Bundeswehr Wolf Graf von Baudissin (1907–1993) die Konzeption der Inneren Führung. Als die junge Republik Anfang der 1950er Jahre vor dieser Aufgabe stand, galt es, neben den politischen Bündnisfragen eine Vielzahl von Rüstungs-, Ausrüstungs- und Infrastrukturthemen im Blick zu haben. Aber allen Planern war stets klar, dass dies alles nichts wäre ohne Menschen in einer Armee mit einem funktionierenden „inneren Gefüge“.

          Wie die Protokolle des Bundestagsausschusses für Verteidigung und seiner Vorläufer belegen, haben sich die Abgeordneten vor der Gründung der Bundeswehr „mit keinem Problem . . . so eingehend beschäftigt wie mit den Fragen des inneren Gefüges“, so der spätere erste Verteidigungsminister Theodor Blank Ende 1954. Die zumeist selbst militärisch geprägten Parlamentarier hatten bei ihren Beratungen über die innere Ausgestaltung der künftigen Streitkräfte die militärische und moralische Katastrophe des Krieges vor Augen. Sie wussten, dass die Wiederbewaffnung in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stieß. Eine historisch begründete Grundangst herrschte vor, das Militär könne sich verselbständigen und sich wie in Weimar zu einem Staat im Staate entwickeln. Manche trieb auch die Sorge um, die Soldaten könnten abermals einem menschenunwürdigen Drill ausgesetzt werden.

          Die historische Last und die aus dem Grundgesetz erwachsenden Verpflichtungen verlangten daher nach einem völlig neuen Konzept der Streitkräfte. Sie mussten dem Rechtsstaat entsprechend verfasst sein, jederzeit einsatzbereit, aber zugleich in die Gesellschaft eingebunden. Ein nahtloses Anknüpfen an die Wehrmacht oder die Reichswehr verbot sich von selbst – auch wenn klar war, dass ehemalige Soldaten der Wehrmacht die Streitkräfte aufbauen und führen würden.

          Den Ausgangspunkt für die Konzeption der Inneren Führung bildete der Artikel 1 des Grundgesetzes. Er stellt nicht nur die Menschenwürde in den Mittelpunkt, sondern fordert explizit alle Staatsgewalt auf, sie zu achten und zu schützen. Damit wurde der Schutz der Menschenwürde Auftrag und Aufgabe nach innen wie nach außen – auch im Militär. Zugleich mussten für Soldaten die staatsbürgerlichen Rechte gelten wie für alle anderen Staatsbürger auch. Als im Artikel 87a des Grundgesetzes festgelegt wurde, dass der Staat zu seiner Verteidigung Streitkräfte aufstellt, musste er für seine waffentragenden Bürger zugleich einen Rahmen schaffen, der dem Geist und dem Inhalt seiner Verfassung angemessen war. Eine Beschränkung der Freiheitsrechte darf demnach nur insoweit erfolgen, wie es für den soldatischen Dienst unerlässlich ist.

          Die Führungs- und Organisationskultur der Bundeswehr hatte also in einer „inneren Dimension“ von Beginn an zwei Forderungen zu genügen: höchste militärische Effektivität sicherzustellen und Freiheitsrechte so weit wie möglich zu gewährleisten. So ist das Leitbild der Inneren Führung seit ihren Anfängen der einsatzbereite Soldat, der zugleich freier Mensch und verantwortungsbewusster Staatsbürger ist, ob als Wehrpflichtiger oder als Freiwilliger, Zeit- oder Berufssoldat.

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