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Identitätsdebatte der Kirche : Den Sinn des Kreuzes öffentlich machen

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Der christliche Gott ist im vor allem im Kreuz zu erkennen, schreibt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Bild: dpa

Als Kirchen sind wir gut beraten, die gegenwärtige Identitätsdebatte als kritische Anfrage an uns selbst zu verstehen. Warum gelingt es uns so wenig, den christlichen Glauben in die Gesellschaft hinein zu vermitteln? Ein Gastbeitrag.

          Jetzt gibt es die Essays des Ressorts „Die Gegenwart“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diesen Text von Heinrich Bedford-Strohm.

          „Den Bruder Martin Augustiner Ordens grüßt Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Administrator von Halberstadt, Verehrungswürdiger Vater, hochgelehrter Doktor, deine erleuchteten Thesen über den Ablass, welche du mir am Vortag von Allerheiligen zugesandt hast, habe ich gelesen und danke für deine Liebe zur Wahrheit. Auch Seiner Heiligkeit, dem Bischof von Rom, Leo dem Zehnten, gefallen sie sehr wohl. Gnädig hat er erwogen, dich als Lehrer an seine Universität in der Stadt Rom zu berufen. Zu diesem Zweck bittet und ermahnt er dich, eilends zu ihm zu kommen...“

          Was wäre aus dem reformatorischen Impuls geworden, wenn die Kirche so auf Martin Luther reagiert hätte? Wäre es zu der von so vielen ersehnten Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern gekommen – ohne Verwerfungen und Hass, ohne die Spaltung der Kirche und ohne Dreißigjährigen Krieg? Kann man sich einen gezähmten Luther vorstellen, einen Reformkatholiken also, wie ihn manche im Jubiläumsjahr 2017 in den Blick nahmen?

          Wir wissen jedenfalls: So ist es nicht gekommen. Schon wenige Monate nach den 95 Thesen, die noch durchaus im Rahmen der damalig gültigen Theologie gelesen werden konnten und nicht zwingend zu einem Bruch mit seiner Kirche hätten führen müssen, legte er kräftig nach. Von seinem Ordensgeneral Johann von Staupitz wurde Mönch Martin eingeladen, auf dem in Heidelberg stattfindenden Generalkapitel der Augustinereremiten seine Theologie zur Diskussion zu stellen.

          In diesen Wochen vor 500 Jahren nutzte er dann die Chance der Disputation und entfaltete seine Theologie in zugespitzten Thesen – und fand Freunde und Feinde für das ganze Leben. Nicht nur viele spätere Weggefährten hörten zu und diskutierten mit, sondern auch zahlreiche empörte Gegner. Dieses als „Heidelberger Disputation“ benannte Ereignis gilt als „ein theologischer Meilenstein auf dem Weg zur Reformation“ (Thomas Kaufmann).

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm

          Die reformatorische Theologie, die 1518 noch in den Kinderschuhen stak, fand hier ihren ersten radikalen Ausdruck, der sie faktisch schwer verdaulich machte für die Theologie und Kirche ihrer Zeit. Und man muss sie sich in Erinnerung rufen, um noch 500 Jahre später verstehen zu können, warum vermutlich auch keine andere Kirche oder Theologie diesen jungen Mönch ertragen konnte: „Wenn auch menschliche Werke schön aussehen und gut erscheinen mögen, so gilt dennoch, dass sie Todsünden sind“ (These 3).

          Luther trieb einen groben Keil in die religiöse Praxis seiner Zeit. Im Grunde trifft dieser Satz jeden Menschen, der irgendwie etwas Gutes tut, ganz zu schweigen von den Lebensentscheidungen ungezählter Mönche und Nonnen, die ja im Idealfall von Herzen glaubten, dass sie ein gutes Werk taten, wenn sie den evangelischen Räten Armut, Gehorsam und Enthaltsamkeit folgten. Aber mit dieser radikalen Verneinung aller guten Werke der Menschen war Luther noch nicht am Ziel.

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