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Veröffentlicht: 13.12.2016, 11:15 Uhr

15 Jahre Afghanistaneinsatz Versuch und Irrtum

Mit einem „leichten Fußabdruck“ wollte die internationale Gemeinschaft in den vergangenen 15 Jahren aus dem von Stammesgesellschaften geprägten Land Afghanistan einen modernen Staat machen. Was ist daraus geworden?

von Dr. Volker Stanzel
© AFP

Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt: Wenig steht so klar für die Entschlossenheit der deutschen Politik zur Teilnahme am internationalen Einsatz in Afghanistan und auch für die Zweifel daran wie dieser Satz des damaligen Verteidigungsministers Peter Struck (SPD), der am 11. März 2002 im Deutschen Bundestag gefallen ist. Die Selbstverständlichkeit der Annahme, dass deutsche Soldaten Tausende Kilometer entfernt mit der Waffe in der Hand kämpfen müssten, macht den Satz zum Maßstab für Erfolg oder Misserfolg der deutschen Afghanistan-Politik.

Vor 15 Jahren, am 5. Dezember 2001, wurde auf dem Petersberg bei Bonn das Abkommen unterzeichnet, mit dem die internationale Gemeinschaft festlegte, wie sie sich in Afghanistan engagieren würde und was sie von der neuen Regierung dieses Landes erwartete. Den Einsatz haben seither 55 der insgesamt 135000 deutschen Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt wurden, mit dem Leben bezahlt. Mehrere tausend deutsche Entwicklungshelfer und Berater waren im Land tätig. Die Kosten für die zivile Unterstützung des Wiederaufbaus Afghanistans durch Deutschland betrugen bisher etwa drei Milliarden Euro, die des Militäreinsatzes bis Ende 2014 etwa 8,8 Milliarden. Die Verluste der internationalen Gemeinschaft und der Afghanen selbst an Menschenleben, an Dollar und an menschlichem und politischem Einsatz sind um ein Vielfaches höher.

Für die Vereinigten Staaten war es der längste Krieg ihrer Geschichte, in den mehr als ein Drittel aller UN-Mitgliedstaaten einbezogen war. Das deutsche Engagement ist ein wesentlicher Teil dieses Krieges, sowohl in der ersten Phase scheinbar rascher Erfolge bis 2006, in der zweiten des raschen Aufwuchses der internationalen Tätigkeit bis 2012, und schließlich auch in der letzten Phase, der des schrittweisen Ausstiegs.

Die Petersberg-Konferenz hätte niemals stattgefunden, hätte man auf das Ende des Kriegs warten wollen, den die Vereinigten Staaten und Großbritannien mit der „Operation Enduring Freedom“ am 7. Oktober 2001 begonnen hatten. Ihr Ziel war, Usama Bin Ladin, den Al-Qaida-Führer und Hauptverantwortlichen für die Terrorakte des 11. September, zu ergreifen, und die Regierung der Taliban zu stürzen, die dem Hauptquartier von Al Qaida eine Heimstatt geboten hatte. Dieses Ziel schien Ende 2001 in Reichweite zu liegen.

Die internationale Gemeinschaft wollte, dass „nie wieder der internationale Terrorismus von Afghanistan aus die Welt bedroht“ (Thomas de Maizière). Das setzte voraus, dass aus einem von den Taliban beherrschten Staat, der aus eigener Kraft nicht lebensfähig war, in dem streng konservativ-islamisches Recht galt und der zu 95 Prozent von ausländischer Hilfe abhing, ein eigenständig überlebensfähiger Rechtsstaat werden würde. Die Gestalt dieses Staates sollte unter Vorsitz der UN von den vier wichtigsten, ethnisch unterschiedlichen Gruppen ausgehandelt werden, die den Widerstand gegen die Taliban getragen hatten. New York kam als Konferenzort wegen amerikanischer Bedenken gegen einige der afghanischen Teilnehmer nicht in Frage. Afghanische Vertreter schlugen Bonn vor, eingedenk historischer Sympathien für Deutschland als Verbündeten gegen Großbritannien im Ersten Weltkrieg.

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