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100 Jahre Marne-Schlacht : Verloren im Nebel des Krieges

  • -Aktualisiert am

Die französische Armee mobilisierte die letzten Reserven - Pariser Taxis fuhren die Soldaten an die Front Bild: Picture-Alliance

Wenige Wochen nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam der Vormarsch der deutschen Armeen in Frankreich an der Marne zum Stillstand. Doch selbst bei einem Erfolg in der Marne-Schlacht wäre ein Zweifrontenkrieg nicht mehr zu vermeiden gewesen.

          Mein Gott, wie hat dies nur passieren können“, fragte am 11. September 1914 in Reims ein gebrochener Generalstabschef Helmuth von Moltke seinen einstigen Partner als Kriegsminister, General von Einem. Zehn Tage zuvor hatte Moltke noch mit dem Zusammenbruch der Franzosen gerechnet, am Jahrestag des Triumphes von Sedan, den sein Onkel, der „ältere Moltke“, errungen hatte. Jetzt war er mit dem Plan gescheitert, Deutschland einen Zweifrontenkrieg zu ersparen. Das Debakel führte zu Moltkes Sturz und zu jahrelangen Debatten über die Ursachen der Niederlage in der Marne-Schlacht.

          Mit einem überaus riskantem Feldzugskonzept hatte Moltkes Vorgänger Alfred Graf von Schlieffen das Dilemma des drohenden Zweifrontenkrieges im Westen wie im Osten zu lösen versucht. Es galt, blitzartig erst den einen Gegner niederzuwerfen, dann erst sich dem anderen zuzuwenden. Eine Blitzentscheidung war nur gegen Frankreich möglich. Die Schwäche des russischen Eisenbahnnetzes und die Schwierigkeiten der Mobilmachung ließ es sinnvoll erscheinen, sich zunächst auf Frankreich zu konzentrieren. Da ein zeitraubender Angriff auf die französischen Festungsgürtel vermieden werden musste, sollten in einer gigantischen Überflügelungsschlacht die deutschen Armeen mit möglichst starkem rechten Flügel durch Belgien in den Rücken der Franzosen stoßen.

          Anfangs hatten die Deutschen leichtes Spiel

          Moltke besaß nicht den Rigorismus eines Schlieffen. Er war aber auch nicht der willensschwache, esoterische Zweifler, als der er später oft dargestellt wurde. Moltke war ein „politischer“ Generalstabschef, der als langjähriger Adjutant des Kaisers diesen zu steuern verstand und sich in den ewigen Hofintrigen durchzusetzen wusste. Moltke konnte nicht einfach Elsass-Lothringen oder Ostpreußen preisgeben, also war er vom Überflügelungskonzept nicht überzeugt. Es gelte, das feindliche Feldheer zu schlagen: Wenn die Franzosen in Lothringen angriffen, müsse man ihnen eben dort die Schlacht liefern.

          An der Marne stoppte der Vormarsch der Deutschen endgültig. Die Franzosen und Engländer konnten mit ihrem überraschenden Gegenstoß die Deutschen zum taktischen Rückzug hinter die Aisne zwingen

          Im Frieden waren die deutschen und die französischen Armeen mit je etwa 800 000 Mann etwa gleich stark. Hinsichtlich der Ausrüstung und Gliederung waren die Divisionen und Korps beider Seiten fast identisch. Nur bei der Artillerie, die sich als der entscheidende Faktor herausstellte, gab es erhebliche Unterschiede. Die Franzosen setzten gemäß ihrer Offensivstrategie fast ausschließlich auf ihre bewegliche 75-mm-Feldkanone mit hoher Schusskadenz. Die Deutschen vertrauten auf bewegliche Steilfeuer-Haubitzen vom Kaliber 105 mm und sogar 150 mm der „Fußartillerie“, mit der man auch Feinde in Deckung fassen konnte. Die anfängliche Verachtung der Deckung durch die Franzosen (um den Offensivgeist nicht zu beeinträchtigen) führte zu Kriegsbeginn zu massiven Verlusten. Wie Felder von rotem Klatschmohn hätten die Wiesen ausgesehen, hieß es in vielen Berichten, die das Tragische der französischen Uniform hervorhoben: die Kombination von blauem Rock und knallroten Hosen.

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