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Vor fünfzig Jahren : Keine Experimente

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Das erste Lebewesen in der Erdumlaufbahn: die Hündin „Laika” Bild: picture-alliance/ dpa

Ein Jahr ist ein Jahr ist ein Jahr . . . und hat doch ein jedes sein Besonderes, nur ihm Eigenes. Davon soll die Rede sein im Folgenden, aus dem Abstand eines halben Jahrhunderts. Peter Wapnewski erinnert sich an 1957.

          1957. Ein Jahr im Kalten Krieg. Man wird späteren Generationen vergeblich das elende Gefühl der kollektiven Angst zu vermitteln suchen, in deren Zwanghaftung während dieser langen Jahren die westliche wie die östliche Welt lebte. Die westliche wohl in noch nervöser geschärfter Bewusstheit. Jedoch nach Menschenart minderte die Gewöhnung zwar nicht die Gefahr, nahm ihr aber ein Teil ihrer Allgegenwärtigkeit. Es war aber dieses Kalten Krieges bedrückende Eigenart, dass er schlafend nicht als solcher bedrohlich war, aber erwachend umzuschlagen drohte in den anderen, in den „heißen“. Denn die beiden Großmächte spielten das Potential ihrer Atomwaffen mehr oder minder deutlich aus als Mittel ihrer hegemonialen Politik, und die Planung des „Erstschlags“ war ein fleißig erörterter strategischer Gedankengang in zuständigen Kreisen.

          Dabei war das Jahr 1957 keines der umwälzenden politischen Ereignisse. Jedenfalls nicht auf der Erde. Denn die Machtpolitik wandte sich dem Weltraum zu und entdeckte die planetarische Dimension als instrumentalen Bereich ihrer Handlungsmöglichkeit. Das hatte seinen Grund in jenem technischen Monster, das nun als künstlicher Mond die Erde umkreiste und den befremdlichen Begriff „Sputnik“ zu einem Schlagwort des Jahres machte. Den schossen die Russen im Oktober ins Weltall - und feierten erfolgstrunken ihren Triumph im technischen Wettrüsten über das gedemütigte Amerika. Und ließen dem unbemannten Satelliten einige Wochen später noch einen bemannten folgen, - „bemannt“ mit einem armen Hund, und „Laika“ wurde weltberühmt. Denn sie bewies, dass auch organisches Leben diesem Gerät zugemutet werden konnte.

          Erst einmal durchatmen

          Nach den brutalen geschichtlichen Ereignissen des vorausgegangenen Jahres schien die Gewaltpolitik erst einmal durchatmen zu wollen. Das war nach dem Aufstand der heldenmütigen Ungarn, der von Moskau mit blutiger Gewalt niedergeschlagen worden war. Und nach den vorläufig disziplinierten Verhältnissen in Gomulkas Polen, die mit einer vorsichtigen Lockerung des Würgegriffs aus Moskaus Hand einhergingen. Die Politik des Wes-tens aber demonstrierte auf so riskante wie dilettantische Weise ihre durch den doch gerade überstandenen Weltkrieg noch wuchernde Unreife in Sachen der Handhabung ihres Geschäfts: Briten und Franzosen landeten ihre Truppen in Ägypten, um die Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Nasser gewaltsam rückgängig zu machen. Was ihnen schließlich nicht gelang - wohl aber gelang es ihnen, kraft ihrer Blamage zu beweisen, dass die Zeit Europas als Weltmacht endgültig vorbei war.

          Das war die eine der beiden welthistorischen Linien, die sich im Spätherbst 1956 kreuzten. Die andere machte durch die Ereignisse in Ungarn und Polen offenkundig, dass Nationen stärker sind als Ideologien. Und dass der Prozess der Erosion des Kommunismus seinen Weg so langsam wie unaufhaltsam nahm, - zu spät bemerkt in Staaten wie etwa dem Ulbrichts.

          In der „kleinen großen Stadt“

          Nun der Schritt von der großen und weiten Welt in die kleine und enge: An einem Herbsttag des Jahres 1956 war auch ich einer gewesen von den tausend, die sich auf dem Marktplatz von Tübingen versammelt hatten, um zu protestieren gegen den kopflosen Waffengang der Briten und Franzosen am Suez. Dabei wohnte ich gar nicht in der „kleinen großen Stadt“, wie Walter Jens sie genannt hat, sondern in Heidelberg. Dessen Universität ich damals als Privatdozent angehörte. So aber war der Gang der eigenen Dinge gewesen:

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