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Die französische Rechte Ein Fehlschlag

 ·  Die Urwahl des neuen Parteivorsitzenden ist für die UMP zu einem kompletten Desaster geworden. Die französische Rechte hat sich als zerstrittener Haufen präsentiert.

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Die Urwahl eines neuen Parteivorsitzenden ist für die bürgerliche Sammelbewegung UMP zu einem kompletten Desaster geworden. Statt sich als starke Opposition gegen die Sozialisten zu profilieren, hat sich die französische Rechte als zerstrittener Haufen präsentiert. Das begann schon mit dem Ablauf der Wahl: die Parteimitglieder mussten teilweise stundenlang vor und in den Wahllokalen warten, um ihre Stimme abgeben zu können. Verantwortlich für die Organisation war der UMP-Generalsekretär Copé. Dass er sich als erster, ohne dass ein offizielles Ergebnis verkündet worden wäre, zum Sieger erklärt hatte, schürt den Verdacht, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Der unterlegene Kandidat, Sarkozys Premierminister Fillon, will die Wahl zwar nicht anfechten, aber einer seiner Gefolgsleute hat schon angekündigt, dass der Wahlverlierer nicht als „Vize“ antreten, sondern eine eigene Strömung innerhalb der Partei führen werde.

In der Mitte gespalten

Das ist der zweite Teil des Desasters: Copé hat diese Wahl, bei einer Beteiligung von mehr als 170.000 Mitgliedern mit einem Abstand von 98 Stimmen gewonnen, die Partei ist also in der Mitte gespalten. Das spielt gerade bei einer Bewegung, die viele Flügel und Strömungen hat, eine Rolle: die UMP - oder ihre Vorläufer, die seit Jacques Chiracs Gründung des RPR wechselnde Namen hatten - wurde stets zusammengehalten von einem Chef, einem „patron“. Das war über Jahrzehnte, trotz einiger Anfechtungen, Chirac und zuletzt, weitgehend unumstritten, Nicolas Sarkozy. Der Ausgang der Wahl zeigt, dass Copé nicht unumstritten ist und deshalb erst beweisen muss, dass er der neue „patron“ der UMP werden kann.

Copés Wahlkampf hatte, im Vergleich zu Fillon, einen deutlichen Rechtsdrall. Das wird die sogenannten „Zentristen“ auf dem liberalen Flügel der Partei zum Nachdenken bringen. Zumal einer der ihren, Jean-Louis Borloo, der unter Sarkozy ein wichtiger Minister war, in weiser Voraussicht schon eine Mitte-Partei (UDI) gegründet hat, der sie sich anschließen könnten. Womöglich ist das eine Rückkehr zu den Zeiten Giscards und Chiracs, als zwei fast gleichstarke bürgerliche Parteien sich gegenseitig Konkurrenz machten. Als Testlauf für die Urwahl eines Präsidentschaftskandidaten der UMP war diese Abstimmung jedenfalls ein Fehlschlag.

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20.11.2012, 16:53 Uhr

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