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Geschäfte mit Iran : Wie ein deutscher Unternehmer auf Amerikas Terrorliste geriet

Geschäfte mit dem Feind: Ein Containerschiff (links) der Reederei Islamic Republic of Iran Shipping Line im Hamburger Hafen Bild: Aufwind-Luftbilder/ VISUM

Ulrich Wippermann war in seiner Firma zuständig für Exporte nach Iran. Von einem Tag auf den nächsten erfährt er: Amerika wirft ihm Terrorfinanzierung vor. Die Geschichte eines Albtraums.

          „Was könnten wir gemacht haben?“ Ulrich Wippermann versetzt sich zurück in den Albtraum des 6. Februar 2014. An jenem Tag wurde der deutsche Firmenmanager beschuldigt, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika zu gefährden. Der Vorwurf kam von mächtiger Stelle, dem Finanzministerium in Washington. Der „Treasury“ hatte den Deutschen und seine Firma auf die Schwarze Liste der „Specially Designated Nationals“ gesetzt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Wer dort aufgeführt ist, dem unterstellen die Vereinigten Staaten, den Terror zu finanzieren oder Massenvernichtungswaffen zu verbreiten oder beides. Für Wippermann bedeutete die öffentliche Brandmarkung das wirtschaftliche Aus. Dem ARD-Magazin „Panorama“ und der F.A.Z. erzählt der 60 Jahre alte Wippermann erstmals seine Geschichte. Sie offenbart Unbekanntes über Macht und Ohnmacht in den internationalen Handelsbeziehungen.

          Bis zum 6. Februar 2014 half Wippermann der deutschen und europäischen Industrie beim Export ihrer Güter ins Ausland. Der Finanzfachmann war im Vorstand der Deutschen Forfait AG (DF) in Köln. Zu seinen Kunden zählten Große wie Sanofi, der französische Pharmakonzern, und Siemens sowie jede Menge Mittelständler, die die Mühen der Zahlungsabwicklung mit ausländischen Käufern lieber an einen Dienstleister übertragen.

          Die Deutsche Forfait kauft den Exporteuren ihre Forderungen ab und holt sich das Geld bei den Kunden im Ausland wieder, plus Preisaufschlag für die Dienstleistung. Wippermann war in der Deutschen Forfait zuständig für die Exporte nach Iran. Wer Wippermanns Geschichte kennt, versteht, warum deutsche Banken auch nach dem Ende der internationalen Sanktionen gegen die „Islamische Republik“ zögern, wieder in das Iran-Geschäft einzusteigen.

          Die Suche nach dem Grund

          Er habe sich direkt ans amerikanische Finanzministerium gewandt, um zu erfahren, warum er auf die Blacklist gekommen sei, berichtet Wippermann. Aber statt einer Auskunft in der Sache hätten er und seine Kollegen nur Namen und Adresse einer amerikanischen Anwaltskanzlei bekommen, die in solchen Dingen behilflich sei.

          Die Kanzlei, die auch in Frankfurt einen Sitz hat, habe einen Schriftsatz des amerikanischen Ministeriums präsentiert. „Die ersten zwei Seiten sind noch leserlich, da wird beschrieben, wer wir sind, was unsere Firma macht. Danach ist alles geschwärzt. Die amerikanischen Anwälte haben gesagt: ,Da sehen Sie mal, wie viele Vorwürfe es gegen Sie gibt. Aber Sie können das im Einzelnen nicht erfahren, weil das geheim ist, classified‘“, erzählt Wippermann.

          Er fragte die Bundesbank um Rat. Dort hatte der Kölner Unternehmer seit 2010, als die internationalen Iran-Sanktionen abermals verschärft wurden, regelmäßig die Genehmigung seiner Geschäfte beantragt. Die Bundesbank überwacht die Einhaltung von Finanzsanktionen. Sie schickte sechs Prüfer nach Köln, die wochenlang Firmenakten wälzten. 750 einzelne Transaktionen mit Kunden in Iran zählten die Experten. „Geschäfte“, die nach deutschem, europäischem oder internationalem Recht „verboten sind, wurden nicht festgestellt“, heißt es im Prüfbericht, der „Panorama“ und dieser Zeitung vorliegt.

          Soll Terroristen finanziert haben: Ulrich Wippermann

          Dieser Leumund nutzte Wippermann nichts. Denn den Vereinigten Staaten waren seine Geschäfte in Iran offenbar ein Dorn im Auge, sie werfen Wippermann Terrorfinanzierung und Proliferation vor. Diese schwerwiegenden Anschuldigungen werden indessen nicht in einem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft. Nach dem Eintrag auf der Blacklist trudelte die Deutsche Forfait in Richtung Insolvenz. Auf „irgendwas zwischen 150 und 200 Millionen Euro“ schätzt Wippermann den finanziellen Schaden.

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