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Mittelmeer : Deutsche Helfer geraten bei Flüchtlingsrettung in Seenot

  • Aktualisiert am

Das Rettungsschiff der Organisation „Jugend rettet e.V.“ ist jetzt selbst in Seenot geraten und komplett manövrierunfähig, weil so viele Personen an Bord sind. Bild: dpa

Immer wieder unternehmen Flüchtlinge den gefährlichen Fluchtweg übers Meer. Während die Bundeswehr 1200 Migranten aus dem Mittelmeer retten konnte, gerät eine deutsche Hilfsorganisation selbst in Seenot.

          Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ ist offenbar vor der Küste Libyens in Seenot geraten. Die „Iuventa“ sei mit 400 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen komplett überfüllt und brauche dringend Hilfe, teilte die Organisation am Sonntag auf Facebook mit. Man sei „komplett navigationsunfähig“ und habe das Notsignal „Mayday“ an die zuständige zentrale Seenotrettungsleitstelle MRCC in Rom gesendet. „Wir sind nicht mehr in der Lage die Situation alleine zu stemmen!“

          Weiter teilte „Jugend Rettet“ mit, es befänden sich noch schätzungsweise 400 Menschen auf Schlauchbooten in unmittelbarer Nähe des Schiffs. Viele von ihnen seien Frauen, Schwangere und Kinder ohne Rettungswesten. Ein Unwetter drohe, die ohnehin schon angespannte Situation weiter zu verschärfen. Die „Iuventa“ ist seit Sommer 2016 im Mittelmeer unterwegs und kreuzt seit Anfang März vor der libyschen Küste.

          Am Rande der Leistungsfähigkeit

          In den vergangenen Tagen retteten Schiffe der italienischen Küstenwache sowie private Hilfsorganisationen laut Medienberichten mehrere Tausend Menschen aus zum Teil völlig überfüllten Booten. Offenbar nimmt mit Beginn des Frühlings die Zahl der Menschen wieder zu, die von der afrikanischen Küste über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

          Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter erklärte am Sonntag in Berlin: „Die unterlassene Hilfeleistung durch die EU-Mitgliedsstaaten bei der Seenotrettung auf dem Mittelmeer macht in den vergangenen Stunden abermals das politische Versagen deutlich.“ Zivile Einsatzkräfte seien „durch den Dauereinsatz“ auf hoher See am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. „Frontex und die EU müssen umgehend Soforthilfe leisten, um weitere Tote zu verhindern.“ Das Mittelmeer sei zum Massengrab geworden.

          Auch die „Sea-Eye“ aus Regensburg hat offiziell das Notsignal gesendet. Neben der Überfüllung von 120 Menschen an Bord, habe das Schiff dazu noch einen Motorschaden. Die Menschen drohten zu ertrinken, wenn sie nicht zügig von anderen Schiffen aufgenommen würden. Zwar seien von der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa Schiffe zur Hilfeleistung gestartet. Sie hätten aber unterwegs so viele Flüchtlinge an Bord genommen, dass sie wieder umkehren mussten, sagte „Jugend rettet“-Pressesprecherin Pauline Schmidt.

          1200 Flüchtlinge gerettet

          Währenddessen konnte die Deutsche Marine fast 1200 Migranten im Mittelmeer aus Seenot retten und nach Italien bringen. Wie die Bundeswehr am Sonntag mitteilte, war das Versorgungsschiff „Rhein“ am Vormittag von der Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) zu einer Rettungsaktion etwa 60 Kilometer nordwestlich von Tripolis vor die libysche Küste geschickt worden. Dort nahm das Schiff zunächst 124 Flüchtlinge auf, anschließend bei weiteren Einsätzen Hunderte weitere Hilfesuchende, die auf zivilen Schiffen, Schlauchbooten und einem Holzboot unterwegs waren.

          Insgesamt brachte die Marine am Samstag im Zuge der EU-Operation Sophia 1181 Menschen in Sicherheit, unter ihnen 428 Kinder und Jugendliche und acht Schwangere, wie die Bundeswehr mitteilte. Seit dem 7. Mai 2015 haben Soldaten der Deutschen Marine damit über 20.000 Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet.

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