Home
http://www.faz.net/-gpf-t2vk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Deutsche Bischofskonferenz „Wir lassen uns nicht einschüchtern“

29.09.2006 ·  Die katholischen Bischöfe haben offiziell auf die umstrittene Papst-Rede reagiert. Auf der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda forderten sie die Muslime zum Gewaltverzicht und zur Respektierung der Meinungs- und Religionsfreiheit auf.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (34)

Die katholischen Bischöfe haben sich vehement gegen Einschränkungen der Meinungsfreiheit aus Angst vor religiös motivierter Gewalt gewandt. „Es gibt eine zerbrechliche Balance zwischen dem Recht der Kunst und der freien Meinungsäußerung auf der einen sowie dem Recht auf Achtung und Respekt vor der religiösen Überzeugung auf der anderen Seiten“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zum Abschluß der Herbstvollversammlung am Freitag in Fulda.

Die Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nannte Lehmann „eine gute Sache“. Dies sei eine neutrale Stelle, die als Sprachrohr in die Gesellschaft hinein fungiere. „Dennoch werden wir hellhörig, wenn der Staat sich so intensiv um die Religion kümmert“, sagte der Mainzer Kardinal. Bei der derzeitigen Diskussion um die Religionen müsse auch die Frage wieder erlaubt sein, ob in den westlichen Ländern die christliche Weltanschauung eine Art von Leitkultur sei. Von der Islamkonferenz erhoffen sich die katholischen Oberhirten Impulse, die einen aufrichtigen Dialog zwischen den Religionen begleiten.

„Manche wollten ihn mißverstehen“

Papst Benedikt XVI. zollten sie Dank, daß er keinen Augenblick gezögert habe, den Sinn seiner unter Muslimen umstrittenen Regensburger Rede klarzustellen und allen Mißverständnissen den Boden zu entziehen. „Manche haben den Heiligen Vater mißverstanden, andere wollten ihn mißverstehen“, sagte Lehmann. Der Papst habe mit seinem Treffen mit muslimischen Gesandten abermals nachdrücklich die vitale Bedeutung des friedlichen Zusammenlebens und eines echten Dialogs zwischen Christentum und Islam unterstrichen.

Wegen Übergriffen auf Christen in muslimischen Ländern nach den umstrittenen Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zeigten die Bischöfe sich aber besorgt. „Mit großer Besorgnis sehen wir, daß in manchen muslimisch geprägten Ländern die dort lebende christliche Minderheit während der letzten Tage bedrängt und attackiert wurde“, sagte Lehmann. Er verwies auf Kirchengebäude in muslimischen Ländern, die in Flammen aufgegangen waren. In Somalia sei eine katholische Ordensschwester ermordet worden. „Ebenso wie viele Muslime lehnen wir solche Gewaltakte zutiefst ab“, sagte er. Die katholische Kirche lasse sich nicht einschüchtern. „Von den Repräsentanten des Islam müssen wir erwarten, daß sie jeder religiösen Legitimation von Gewalt und jeder Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke unmißverständlich entgegen treten“.

Sonntag als Tag der Arbeitsruhe

An die heimischen Politiker appellierten die Bischöfe, sich für Nachbesserungen im Zuwanderungsgesetz einzusetzen. „Eine angemessene Bleiberechtsregelung für langjährig geduldete Zuwanderer ist überfällig“, sagte Kardinal Lehmann. Familien sollen in Deutschland bleiben dürfen, wenn sie jahrelang in Deutschland geduldet wurden und ihre Kinder hier aufgewachsen sind. Außerdem mahnten die Bischöfe mit Blick auf immer mehr ausgedehnte Ladenöffnungszeiten, den Sonntag als Tag der Arbeitsruhe zu bewahren und den Sonntagsschutz nicht weiter auszuhöhlen. Grundlegende Strukturprobleme des Sozialstaats müßten zudem behoben und eine langfristig angelegte Reformpolitik umgesetzt werden - dabei sei jeder Einzelne gefordert. Sozial gerecht sei ein Gemeinwesen, wenn es allen Bürgern Gestaltungsmöglichkeiten zu eigenen Entfaltung biete.

Neben dem Papstbesuch in Bayern und den politischen Fragen stand bei der traditionellen Herbstvollversammlung am Grab des heiligen Bonifatius ein Wahlmarathon auf der Tagesordnung der Geistlichen. Sie bestimmten die Besetzungen der 14 Bischöflichen Kommissionen. Neu gewählt wurden die Vorsitzenden der Kommissionen für Erziehung und Schule, Weltkirche und der Publizistische Kommission. Dort löst der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, den Weihbischof von Münster, Friedrich Ostermann, ab. In der Kommission Weltkirche löst der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, den Limburger Bischof Franz Kamphaus ab. Der Kommission für Schule und Erziehung steht künftig der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, vor.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3