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Deutsch-französisches Verhältnis Auf dem Ego-Trip

18.09.2010 ·  Zwischen Paris und Berlin treten gehäuft „Missverständnisse“ auf. Der Eindruck sollte sich nicht verfestigen, das deutsch-französische Verhältnis sei vor allem ein Ego-Trip.

Von Günther Nonnenmacher
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Außenminister Westerwelle hält die deutsch-französischen Beziehungen für „absolut gesund, absolut stabil“. Dann ist es zumindest ein erklärungsbedürftiger Widerspruch, warum im Verhältnis zwischen Paris und Berlin gehäuft „Missverständnisse“ auftreten. Im Juni war ein kurzer Arbeitsbesuch von Präsident Sarkozy kurzfristig abgesagt worden - auf Bitten der Bundeskanzlerin, wie aus dem Elysée-Palast offiziell verlautete; in Berlin wurde das genauso offiziell umgehend dementiert.

Jetzt hat der französische Präsident, der wegen der Behandlung von Roma in seinem Land in die Kritik geraten ist, auf dem Brüsseler EU-Gipfel vor laufenden Kameras verkündet, Frau Merkel habe ihm gesagt, auch in Deutschland würden demnächst Roma-Lager geräumt. Auch hier folgte das offizielle Berliner Dementi auf dem Fuß: Es handle sich um ein „Missverständnis“.

Ein Geheimnis der Diplomatie

Es gibt nicht viele Wege, solchen Missverständnissen auf den Grund zu gehen. Die Möglichkeit, dass die Bundeskanzlerin sich zu diesem Thema in Sarkozys Sinn geäußert hat, erscheint unwahrscheinlich: Es gibt solche Lager in Deutschland nicht. Das hat gerade auch der Zentralrat der Sinti und Roma bestätigt, der nicht dafür bekannt ist, Gründe zum Klagen auszulassen. Die andere Möglichkeit wäre, dass Sarkozy eine falsche Information in die Welt gesetzt hat, in der Hoffnung, in Berlin werde ihn schon niemand desavouieren.

Frau Merkel, so könnte die Rechnung heißen, werde einem innenpolitisch bedrängten Partner nicht widersprechen und ihn damit noch mehr in die Bredouille bringen. Das Rätsel, wie man sich vermeintlich missverstehen kann, wenn die Sache, um die es geht, vollkommen unmissverständlich ist, lässt sich mit Logik jedenfalls nicht lösen; es bleibt ein Geheimnis der Diplomatie.

Natürlich lässt sich das alles als unerheblich abtun, weil, wie der Regierungssprecher sagt, für das deutsch-französische Verhältnis „andere, zukunftsgerichtete Projekte sehr viel wichtiger“ seien. Das stimmt, und in der Tat gab es kürzlich eine gemeinsame Initiative zur Regulierung der Finanzmärkte. Es gibt auch symbolische Akte wie die Teilnahme von Ministern an den Regierungsberatungen des anderen Landes. Es wäre gut, wenn das dem Publikum gemeinsam präsentiert würde. Sonst verfestigt sich der Eindruck, das deutsch-französische Verhältnis sei vor allem ein Ego-Trip.

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Jahrgang 1948, Herausgeber.

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