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Deutsch-chinesische Regierungskonsultationen Ai Weiwei, Herr Wen und die Kopfhörer

 ·  Just als Kanzlerin Merkel sich zum Thema Menschenrechte äußert, fällt dem chinesischen Ministerpräsidenten der Kopfhörer vom Ohr. Wen Jiabao ist der Lapsus sichtbar unangenehm. Auf Kritik an den Repressionen gegen Regimekritiker wollte er gelassen reagieren.

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Angela Merkel hat sich soeben mit einer eleganten Einleitung dem kritischen Thema Menschenrechte genähert. Die Kanzlerin sagt, es gebe im Rechtsstaatsdialog mit China Fortschritte, etwa beim Urheberrechtsschutz. Just als sie darauf hinweisen will, dass es aber auch Themen gebe, bei denen „noch eine Wegstrecke“ vor ihnen liege, nämlich bei „rechtsstaatlichen Verfahren“, fällt ihrem Gast Wen Jiabao der Kopfhörer vom Ohr. Absicht? Mitnichten!

Dem chinesischen Ministerpräsidenten ist der Lapsus denkbar unangenehm. Er versucht nun, das Gerät wieder am Ohr zu befestigen. Sekunden vergehen. Peinliches Schweigen unter den anwesenden Ministern aus Berlin und Peking. Kanzlerin: „Gut jetzt?“ Sie setzt ein zweites Mal an: In diesem Zusammenhang habe sie es begrüßt, dass der Künstler Ai Weiwei... Wen kämpft wieder mit dem Hörer. Frau Merkel seufzt. „Kann mal jemand helfen?“ Ihr Sprecher eilt herbei und bietet Wen einen anderen Kopfhörer an. Kanzlerin zum Dritten: „Wir haben darauf hingewiesen, dass es nun ein transparentes Verfahren gibt.“ Geben müsse, sollte das heißen. Wen vernimmt die Sätze und schaut immer noch indigniert.

Das chinesische Protokoll ist äußerst steif, alles muss stets würdevoll aussehen. Vorfälle wie diese werden nicht mit einer jovialen Bemerkung überspielt. Dabei schien Wen sich vorgenommen zu haben, die erwartete Kritik an den Repressionen gegen Regimekritiker gelassen anzunehmen: Ja, es gebe auch Themen, bei denen man unterschiedlicher Meinung sei. „Wichtig ist, dass wir uns respektvoll behandeln.“ Doch nun gibt es dieses Bild, in dem Wen ein wenig ungelenk an seinem Ohr herumfummelt.

„Nur mit Vertrauen“

Nun will er die Situation retten. Dank der höflichen Frage einer chinesischen Journalistin erhält Wen die Gelegenheit, eine offenbar zurechtgelegte Anekdote zu erzählen: Als er im Winter 2009, auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise, in Deutschland gewesen sei, habe er mit der Kanzlerin am Fenster ihres Büros gestanden und auf das winterliche Berlin geschaut: Ob man die Krise meistere, habe man sich gefragt. Und Wen habe geantwortet: „Nur mit Vertrauen.“

Vertrauen sei wichtiger als Gold. Nun sei Sommer und die Krise trotz mancher Probleme nahezu überwunden. Wen strahlt und auch die Mundwinkel der Kanzlerin bewegen sich. Das abschließende Händeschütteln für die Fotografen fällt dann aber aus, weil ein Fernsehsatiriker Wen eine goldene chinesische Katze überreichen will, die in einer Pfote einen Knüppel hält.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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