03.11.2004 · Kenneth Blackwell leitet als Innenminister von Ohio die Präsidentenwahl in dem Bundesstaat, auf den nun die ganze Welt blickt. Demokraten werfen dem Bush-Fan vor, sein Amt zur Wahlkampfhilfe zu mißbrauchen.
Das knappe Rennen im Bundesstaat Ohio hat Wahlleiter Kenneth Blackwell ins öffentliche Rampenlicht geholt. Der 56 Jahre alte Innenminister und erzkonservative Republikaner macht kein Hehl aus seiner Vorliebe für Amtsinhaber George W. Bush. Daß die Vorliebe aber soweit geht, daß Blackwell mit allerhand Tricks Wahlhilfe für Bush betrieb - wie es ihm die Demokraten vorwerfen -, weist er weit von sich. Der farbige Politiker ist eine schillernde Figur, der es Freunden wie Feinden schwermacht, ihn einzuschätzen. Er selbst scheint die Aufregung um seine Person zu mögen: „Streit bin ich gewöhnt“, sagte er vor kurzem noch in einem Fernsehinterview.
Blackwell kommt aus einem vor allem von Farbigen bewohnten Elendsviertel von Cincinatti, doch weckten schon seine Eltern den Ehrgeiz in ihm. Während seines Studiums an der Universität von Cincinatti in den 60er Jahren führte Blackwell die farbige Studentenbewegung an, später unterstützte er Jimmy Carters Wiederwahl als Präsident. Erst nach dessen Niederlage gegen Ronald Reagan wechselte Blackwell zu den Republikanern. „Er brauchte einen Job“, sagte dazu sein damaliger Mitstudent, der Demokrat Tim Burke. Kurz darauf wurde er Bürgermeister von Cincinnati.
„Alles Lebendige schwimmt gegen den Strom“
Über die Jahre wurden Blackwells Ansichten immer konservativer. Er lehnt Abtreibung genauso ab wie Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, findet die Steuern zu hoch und den Einfluß des Staates zu groß. Seine Gegner halten den ehemaligen studentischen Footballstar für einen klassischen Wendehals. Seine Frau Rosa glaubt, er sei nur „gereift“; seinen Grundüberzeugungen aber sei er treu geblieben. Er selbst sagt: „Alles Lebendige schwimmt gegen den Strom; nur was tot ist, läßt sich treiben.“
Daß Blackwell, der auch ehrenamtlicher Co-Vorsitzender des Komitees für Bushs Wiederwahl in Ohio ist, möglicherweise versucht hat, bei den Wahlen die Stromrichtung selbst zu lenken, glauben zumindest die Demokraten und eine Reihe von Bürgerrechtsbewegungen. Im September scheiterte Blackwell nur knapp mit seinem Versuch, ein Mindestgewicht für das Papier von Wählerregistrierungskarten durchzusetzen - zu leichte Karten sollten nicht gelten. Kritiker vermuteten einen miesen Trick: Denn gerade Landkreise mit vielen Neuwählern - und damit voraussichtlich Bush-Gegnern - hatten den Berichten zufolge Papierprobleme.
Durchsetzen konnte sich Blackwell dagegen mit der Vorgabe, daß nicht registrierte Wähler nur in dem Wahllokal an ihrem Wohnort provisorische Wahlzettel erhalten sollten und daß strittige Wahlzettel nicht gelten, sollte es bei ihrer Überprüfung keine Einigung geben.
Erinnerungen an Katherine Harris werden wach
Unter Anspielung auf die unrühmliche Rolle, welche die Wahlleiterin von Florida vor vier Jahren spielte, nennen einige Demokraten Blackwell bereits „die nächste Katherine Harris“. Ein Vorwurf, den er nicht auf sich sitzen lassen mag. Gerne weist er darauf hin, daß er gegen den Wunsch seiner eigenen Partei nach dem Debakel in Florida die altmodischen Stanzmaschinen abschaffte - und daß er die Kandidatur von Ralph Nader in seinem Bundesstaat wegen fehlender Unterschriften verhinderte; der unabhängige Kandidat hätte Bushs Herausforderer John Kerry Stimmen kosten können.
Blackwell will 2006 für das Amt des Gouverneurs kandidieren. Der Politikwissenschaftler Edward B. Foley ist denn auch überzeugt, dass der 56-Jährige bei seinen jüngsten Entscheidungen seine politische Karriere fest im Blick hatte. Dieser selbst gab sich am Mittwoch gelassen. „Ich sage allen, atmet tief durch und entspannt euch“, betonte er im Sender CNN angesichts des Wirbels um den Urnengang in seinem Bundesstaat.