12.04.2010 · Der Papst kann pädophile Priester auch ohne kirchenrechtliches Verfahren in den Laienstand versetzen. Das sehen die seit 2001 geltenden päpstlichen Richtlinien vor. Derweil sind am Kloster Ettal inzwischen Misshandlungen oder sexueller Missbrauch von mehr als 100 Schülern dokumentiert.
Der Papst kann Priester in besonders schweren Fällen von sexuellem Missbrauch auch ohne kirchenrechtliches Verfahren in den Laienstand zurückversetzen. So ist es den päpstlichen Richtlinien vorgesehen, die den Umgang mit Übergriffen auf Kinder und Jugendliche durch Kleriker regeln sollen. Der Vatikan machte diese Regeln, die seit 2001 gelten, nun auf seiner Internetseite öffentlich. Der stellvertretende Vatikan-Sprecher Pater Ciro Benedettini bestätigte, dies Regelwerk sei nicht neu. Aber es sei jetzt veröffentlicht worden, um die „vom Papst gewünschte absolute Transparenz“ zu zeigen.
Wenn die Beweislage erdrückend sei, könne die Glaubenskongregation sich bereits vor Beginn des kanonischen Verfahrens an den Papst wenden und um „Laisierung“ des Verdächtigen bitten, heißt es in den Richtlinien. Zudem seien die Bischöfe stets gehalten, den Einsatz verdächtiger Priester zum Schutz Minderjähriger einzuschränken. Bischöfe könnten „vor, während und nach kirchenrechtlichen Verfahren“ nach eigenem Ermessen entsprechende Maßnahmen ergreifen. Die Kirche müsse aber „immer“ die staatlichen Behörden einschalten.
Vatikansprecher Frederico Lombardi stellte im Auftrag von Benedikt XVI. klar, der Papst wünsche „Wahrheit und Frieden für die Opfer“ pädophiler Missbrauchsfälle. Nach Vatikan-Angaben soll die geplante Überarbeitung der päpstlichen Normen aus dem Jahr 2001 an den erwähnten Vorgehensweisen nichts ändern. Der Vatikan richtete auf seiner Homepage eine Seite mit Dokumenten und Stellungnahmen zu Vorwürfen ein, wonach die Kirchenführung nicht angemessen gegen pädophile Priester vorgegangen sei.
„Deutlich mehr Fälle in Ettal“
Knapp zwei Monate nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im oberbayerischen Kloster Ettal hat der vom Erzbistum München und Freising im Einverständnis mit dem Kloster ernannte Sonderermittler, Rechtsanwalt Thomas Pfister, am Montag seinen gut 180 Seiten langen Abschlussbericht vorgelegt. Darin werden Misshandlungen und sexueller Missbrauch von mehr als 100 Klosterschülern durch etwa 15 Mönche in den vergangenen Jahrzehnten dokumentiert.
Die Ermittlungen hätten eindeutig ergeben, dass in dem Kloster „über Jahrzehnte hinweg bis etwa 1990 Kinder und Heranwachsende brutal misshandelt, sadistisch gequält und auch sexuell missbraucht wurden“, bestätigte Pfister gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Zahl der ihm im Anschluss an seinen Zwischenbericht vom 5. März zugetragenen Schilderungen habe sich zwischenzeitlich noch deutlich erhöht. In den Blickpunkt der kircheninternen Ermittlungen ist demnach auch ein langjähriger Abt des Klosters gerückt, der Kinder geschlagen und seelisch gequält haben soll. Der Bericht wurde dem Erzbischöflichen Ordinariat in München und der Benediktinerabtei in Ettal übergeben, die das Dokument am Montag mit dem Hinweis, Zeit zur Lektüre zu benötigen, noch nicht veröffentlichen wollte. Pfister machte gegenüber der F.A.Z. deutlich, dass er eine baldige Pressekonferenz in der Sache befürworten würde.
Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, sagte am Montag, der Konvent habe sich „in beeindruckender Weise“ und „in aller Offenheit der schwierigen Situation der Aufarbeitung gestellt“. Er lobte den „Aufklärungswillen“ und die „große Aufklärungsbereitschaft“.
Phrasen, selbst bei diesem Thema
Karl Neuwald (KarlFAZ)
- 12.04.2010, 19:18 Uhr
Was soll er noch alles machen?
wALTER ERNST (Dipidolor)
- 12.04.2010, 19:58 Uhr
Die katholische Kirche hat dieses Problem offensichtlich im Griff.
Jann Berghaus (Jann.Berghaus)
- 12.04.2010, 20:09 Uhr
Warum versagt die Politik, der Papst hat seinen Bereich jedenfalls im Griff!
Emilia de la Cruche (edl.cruche)
- 12.04.2010, 20:16 Uhr
Krisenbewältigung erfordert strukturelle Reformen
Paul Haverkamp (paule46)
- 12.04.2010, 20:42 Uhr